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Wenn der Notausgang enger wird: Neue Liquiditätsregeln für Fonds

Stefanie Kühn • 5. Mai 2026

Auszug aus dem Finanzcoach Mai 2026

Offene Investmentfonds leben von einem einfachen Versprechen: Anleger können ihre Anteile grundsätzlich wieder an die Fondsgesellschaft zurückgeben. In normalen Zeiten funktioniert das meist problemlos. In Stressphasen kann dieses Versprechen aber an Grenzen stoßen. Wenn sehr viele Anleger gleichzeitig verkaufen wollen, muss ein Fonds unter Umständen Wertpapiere schnell veräußern – und das oft zu ungünstigen Preisen. Die Kosten solcher Notverkäufe tragen dann häufig nicht nur diejenigen, die aussteigen, sondern auch die Anleger, die im Fonds bleiben.

 

Genau hier setzen die neuen europäischen Regeln zu sogenannten Liquiditätsmanagement-Instrumenten an. Fondsmanager müssen künftig für jeden Fonds mindestens zwei geeignete Instrumente auswählen und in den Fondsunterlagen transparent machen. Ziel ist eine faire Lastenverteilung: Wer in einer Panikphase geht, soll die dabei entstehenden Kosten selbst tragen, statt sie der Gemeinschaft aufzubürden. Die europäische Aufsicht nennt als Instrumente unter anderem Rücknahmebeschränkungen, längere Kündigungsfristen und Rücknahmegebühren.

 

Für Anleger bedeutet das: Die tägliche Verfügbarkeit von Fondsanteilen bleibt der Normalfall, sie ist aber kein Naturgesetz. In Stressphasen kann ein Verkauf teurer, verzögert oder vorübergehend eingeschränkt werden. Beispielsweise wird beim Swing Pricing der Rücknahmepreis angepasst, damit Ausstiegskosten stärker den verkaufenden Anlegern zugerechnet werden. Bei Redemption Gates kann der Fonds Rückgaben zeitweise nur teilweise bedienen. Bei Side Pockets werden schwer verkäufliche Vermögenswerte abgetrennt, sodass ein Teil des Geldes länger gebunden bleiben kann.

 

ETFs werden meist an der Börse zwischen Anlegern gehandelt, weshalb der Fonds selbst seltener eingreifen muss. Dennoch ist Liquidität nicht kostenlos: In Krisen können die Gebühren (Spreads) stark steigen oder der Börsenkurs kurzzeitig unter den tatsächlichen Wert der enthaltenen Aktien fallen – besonders bei Nischen wie Schwellenländern oder Hochzinsanleihen.

 

Die praktische Schlussfolgerung ist einfach: Liquidität ist ein Qualitätsmerkmal. Breite, liquide Fonds und ETFs bleiben für viele Anleger die robustere Basis. Bei Spezialfonds, Offenen Immobilienfonds, Hochzins- oder Nischenstrategien sollten Sie künftig noch genauer hinschauen, welche Liquiditätsinstrumente im Prospekt vorgesehen sind – und ob Sie dieses Risiko wirklich tragen möchte.


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