Private Finanzplanung Kühn
Private Finanzplanung Kühn

Aktuelle Finanz-Leserfragen im Münchener Merkur

25.02.2020
Klaus K.:
"Ich wollte einen Geldbetrag von 400.000 € in Festgeld und Tagesgeld anzulegen. Wegen den Niedrigzinsen will ich diese Anlage nicht tätigen und suche ich nun nach Alternativen. Mein Anlageberater empfiehlt mir:

2/3 in "Targo Privat-Rente Komfort" (mit Nettoverzinsung von 2 %)

1/3 in ETF Staatsanleihen "iShares Euro Government Bond"

Ist diese Anlage sinnvoll?" Ich möchte risikolos anlegen.

 

Stefanie Kühn: Bei der Targo Privat-Rente Komfort hätten Sie bei einer Einmaleinzahlung 100% Kapitalgarantie. Eine Verzinsung ist darüber hinaus offenbar nicht garantiert. Versicherungen kämpfen mit dem gleichen Problem wie Sie: Sie müssen Anlagen finden, die eine akzeptable Rendite bringen und dabei so wenig Risiko wie möglich eingehen. Dazu haben Sie bei einer Versicherung aber die Kosten. Über die wurden Sie im gesetzlich vorgeschriebenen Produktinformationsblatt informiert.

Der ishares Euro Government Bond ETF ist ein sehr kostengünstiger Rentenfonds mit Fokus „Staatsanleihen Europa“. Die Restlaufzeiten der Anleihen sind nicht eingeschränkt, können also beliebig lang oder kurz sein. Staatsanleihen aus Ländern mit guter Bonität sind grundsätzlich eine „sichere Anlageklasse“, hier sind allerdings auch Länder weniger guter Bonität vorhanden. Im letzten Jahr hätten Sie mit diesem ETF eine mehr als zufriedenstellende Rendite erzielt.

Beachten Sie bitte aber den Mechanismus bei Anleihen, den man als Anleger verstehen muss, um später nicht enttäuscht zu sein. Wenn Sie eine Anleihe (oder einen Anleihen-ETF) besitzen und die Zinsen am Markt steigen, möchte niemand mehr „ihre“ Anleihe kaufen, da es ja am Markt dann Anleihen mit höherem Zinskupon gibt. Der Kurs der Anleihe wird also fallen, damit die Anleihe wieder attraktiv wird. Umgekehrt steigen die Anleihekurse bei sinkenden Zinsen (genau das ist 2019 passiert), da dann ja jeder die alten mit dem höheren Zinskupon kaufen möchte. Sollten die Zinsen also irgendwann steigen, dann müssen Sie u.U. mehrere Jahre mit Kursverlusten aussitzen. Bei einem ETF ist das schwieriger „auszuhalten“, da Sie nicht ein Enddatum, wie bei einer einzelnen Anleihe haben. Bei einer Anleihe hätten Sie ja einen Rückzahlungstermin X mit einem Kurs von 100%, sofern der Emittent dann nicht pleite ist. Bei einem ETF befinden sich viele Anleihen mit unterschiedlichen Enddaten im Portfolio, so dass ein solcher ETF auch jahrelang im Minus bleiben kann.

Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen als sichere Anlage die bereits öfters beschriebene Festgeldtreppe. Durch unterschiedliche Laufzeiten sichern Sie sich eine gewisse Flexibilität, würden aber im Falle von Zinssteigerungen auch immer mit einem Fünftel (oder Drittel, je nachdem wie viele Stufen Sie wählen), an höheren Zinsen partizipieren. Würden Sie eine kleine Aktienquote beimischen (10-15% „gehen eigentlich immer“), könnten Sie über diesen Teil der Anlage auf lange Sicht höhere Renditechancen erwarten.

 

18.02.2020

Willi H.: "Mein Bankberater drängt mich schon seit Wochen, dass ich folgende Wertpapiere verkaufen soll, da sie bald nichts mehr wert sind. Es handelt sich um folgende Papiere: DWS I.- ESG EO BDS SH. LD (LU0145656475), CS EUROREAL (DE0009805002) und DWS FDS-DWS ZINSEINK. (LU0649391066). Hat er Recht? Was soll ich tun?"

 

Stefanie Kühn: Die beiden Fonds DWS ESG BDS und DWS Zinseinkommen sind Fonds, die in Anleihen investieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr Bankberater gesagt hat, dass beide bald nichts mehr wert sind. Möglicherweise spielte er auf den Mechanismus bei Anleihen an, den man als Anleger kennen sollte. Bei steigenden Zinsen fallen die Kurse, bei fallenden Zinsen steigen die Kurse (die Fonds erzielen also eine gute Wertentwicklung, wie z.B. erneut in 2019). Rentenfonds sollten daher kritisch betrachtet werden, wenn man davon ausgeht, dass die Zinsen nicht ins Bodenlose fallen können und weitere Kurssteigerungen daher eher nicht zu erwarten sind. Studien zeigen, dass ein Prozent Zinssteigerung Kursverluste von ca. 7% bei mittleren Anleihelaufzeiten ausmachen würden. Das ist nicht das, was Anleger von „sicheren“ Rentenfonds erwarten. Der DWS ESG Bonds besitzt kürzere Laufzeiten bei den von ihm gehaltenen Anleihen, so dass die Auswirkungen hier vermutlich nicht ganz so hoch sind – trotzdem ist ein solcher Fonds aufgrund des niedrigen Zinsniveaus gepaart mit den Kosten des Fonds wenig erfolgsversprechend. Die besser kalkulierbare Alternative zu Rentenfonds ist z.B. eine Festgeldtreppe (Festgelder verschiedener Laufzeiten).

Der CS Euroreal ist während der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten und befindet sich seitdem in der Abwicklung. Derzeit befinden sich laut Homepage noch drei Immobilien im Bestand (Stand 12.12.19).

Der Fonds wird z.B. an der Börse Hamburg gehandelt. Hier erhält der Anleger heute (13.01.2020) ca. 4,70 Euro. Nach der letzten Ausschüttung im Dezember ist der Kurs gesunken. Sollten weitere Ausschüttungen (z.B. nach dem Verkauf einer weiteren Immobilie) folgen, wird der Kurs um die Höhe der Ausschüttungen sinken.

Ob ein Verkauf über die Börse lohnt oder Sie einfach die komplette Abwicklung abwarten, kann ich so nicht beurteilen. Dies hängt von Ihrer Stückzahl, den Depotkosten pro Jahr sowie den etwaigen Kosten beim Verkauf über die Börse ab.

 

23.01.2020

Inge W.: "Seit 2008 habe ich Anteile des Immobilienfonds CS Euroreal, WKN 980500, im Depot. Zum 30.4.2017 hat die Credit Suisse Asset Management angekündigt, das Immobilien-Sondervermögen zu kündigen, aufzulösen und auszuzahlen. Außer dass die Hausbank mehrmals angerufen hat, um die Anteile mit einer Mini-Gutschrift auszubuchen, wurde mir kein ordentliches Angebot zum Verkauf gemacht, obwohl m.E. noch Immobilien vorhanden sein müssten. Wenn nichts mehr da wäre, hätte ich am 18.12.2019 keine Ertragsgutschrift mehr erhalten dürfen. Können Sie mir bitte sagen, ob es diesen Immobilienfonds jetzt noch gibt oder nicht? Was sollte ich Ihrer Meinung nach tun. (Zu Ihrer Information, ich bin bereits über 80 Jahre alt)."

 

Stefanie Kühn: Der CS Euroreal ist während der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten und befindet sich seitdem in der Abwicklung. Zum 01.05.2017 ist das Verwaltungsmandat auf die Commerzbank übergegangen. Diese ist bemüht, den Fonds nun komplett abzuwickeln. Derzeit befinden sich laut Homepage noch drei Immobilien im Bestand (Stand 12.12.19).

Der Fonds wird z.B. an der Börse Hamburg gehandelt. Hier erhält der Anleger heute (13.01.2020) ca. 4,70 Euro je Anteil. Nach der letzten Ausschüttung im Dezember ist der Kurs gesunken. Sollten weitere Ausschüttungen (z.B. nach dem Verkauf einer weiteren Immobilie) folgen, wird der Kurs um die Höhe der Ausschüttungen sinken. Kurssteigerungen sind nur zu erwarten, falls die verbliebenen Immobilien im Wert steigen.

Ob ein Verkauf über die Börse lohnt oder Sie einfach die komplette Abwicklung abwarten, kann ich so nicht beurteilen. Dies hängt von Ihrer Stückzahl, den Depotkosten pro Jahr sowie den etwaigen Kosten beim Verkauf über die Börse ab. Die Ausbuchung könnte u.U. auch lohnen, nämlich dann, wenn die laufenden Kosten die Rückzahlungen „auffressen“.

 

 

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