Private Finanzplanung Kühn
Private Finanzplanung Kühn

Aktuelle Finanz-Leserfragen im Münchener Merkur

30.01.2021

Herbert Z.: "Ich bespare seit Juli 2002 einen Aktienfonds mit monatlich 100 Euro. Ich habe vor, den Fonds in ungefähr zwei Jahren zu verkaufen. Mit welchen Steuern habe ich zu rechnen? Außerdem habe ich bei der PB eine Rentenversicherung die ebenfalls in einen Wertpapierfonds investiert, seit März 2004. Der Vertrag endet am 2024. Versicherungsnehmer ist hier meine Frau und ich bin als versicherte Person eingetragen. Die Beiträge werden hier alle zwei Jahre angepasst (erhöht). Ich kann hier wählen zwischen einer monatlichen Rente und einer einmaligen Kapitalauszahlung. Ist diese Versicherung steuerfrei?"

 

Stefanie Kühn: Alle Fondsanteile, die Sie bis 2008 erworben haben, verkaufen Sie weiterhin steuerfrei, soweit Sie den neuen Freibetrag von 100.000 Euro nicht überschreiten. Sollten Sie keine weiteren Anlagen seit 2017 steuerfrei verkauft haben, dann dürfte der Betrag mit einem 100 Euro-Sparplan nicht überschritten werden. Alle Gewinne von Fondsanteilen, die Sie seit 2009 erworben haben, werden mit Abgeltungssteuer (25% zzgl. Soli und ggf. Kirchensteuer – Achtung: der Soli bleibt bei Kapitaleinkünften auch in 2021) belegt.

Die Einmalauszahlung aus der Rentenversicherung wäre steuerfrei, da der Vertrag vor 2005 abgeschlossen wurde, mehr als 12 Jahre läuft und Sie mehr als fünf Jahre einzahlen (das schließe ich aus Ihrem Hinweis der steigenden Beiträge).

Die Rente aus der Rentenversicherung wäre nur mit dem Ertragsanteil zu besteuern. Dieser hängt vom Alter bei Beginn der Rente ab. Bei einem 60-jährigen beträgt dieser z.B. 22%. Das bedeutet, dass nur 22% der Rente Ihren steuerpflichtigen Einkünften zugeschlagen werden. Darauf wird dann Ihr persönlicher Steuersatz fällig (keine Abgeltungssteuer).

Ein Hinweis noch zur Dynamik: Da hier jedes Mal eine Provision für den neuen, erhöhten Beitrag fällig wird, haben Sie keine Zeit mehr, dieses Geld „wieder reinzuholen“. Ich empfehle, die Dynamik in den letzten Jahren abzulehnen. 

 

22.12.2020
Franz G.:
"Wie erklärt sich bei den offenen Immobilienfonds die riesige Abweichung zwischen dem von der Fondsgesellschaft festgestellten Anteilswert, also Rücknahmepreis und dem aktuellen Börsenkurs. Beispielsweise ist beim Grundbesitz Europa RC (980700) der Rücknahmepreis 40,20 €, der Börsenkurs (Ffm.) nur 35,75 €, also satte 11% niedriger? Frage 1: Ist die Einschätzung der Börse so schlecht, dass sie nicht an die Bewertung der Gesellschaft glaubt? Die rasante Wertsteigerung bei den Immobilien scheint wohl an diesen Immobilienfonds ohnehin weitgehend spurlos vorübergegangen zu sein? Das Problem ist ja, da ich diese Anteile erst im Oktober 2013 erwarb, gilt für die Rückgabe an die Fondsgesellschaft eine 12-monatige Kündigungsfrist. Diese Möglichkeit wird aber von vielen Banken abgelehnt und nur der Verkauf über die Börse ermöglicht. Im konkreten Fall würde dies zu einer gesamten Wertentwicklung in diesen 7 Jahren von unter 3% führen, was weit weniger ist, als in dieser Zeit bei einem Tagesgeld erreicht worden wäre. (Wie sich die Immobilienpreise in dieser Zeit entwickelt haben, ist wohl allseits bekannt.)  Was kann ich tun?"

 

Stefanie Kühn: Bei einem Erwerb der Fondsanteile im Oktober 2013 gilt die von Ihnen beschriebene 12-Monats-Frist. Es kann sein, dass Ihre Bank keine Rücknahme über die Fondsgesellschaft anbietet, dann bleibt bei dieser Bank tatsächlich nur der Verkauf über eine Börse. Ich finde es aber auch schwierig, einen Investmentfonds zu kündigen, ohne einen Anhaltspunkt für den Erlös zu haben – in 12 Monaten kann viel passieren. Insofern würde ich stets den Verkauf über die Börse präferieren.

Die Renditen des Grundbesitz Europa lagen laut der Wesentlichen Anlegerinformation 2013 bei 2,5% (da Sie den Fonds erst seit Oktober halten, entsprechend weniger – dazu kommt der Ausgabeaufschlag, den Sie abziehen müssen). Die Renditen der Folgejahre sind mit 2,8%; 2,5%, 2,2%, 3,4%, 2,8% sowie 2,5% ausgewiesen. In 2020 würden Sie voraussichtlich im Dezember wieder Ihre Ausschüttung erhalten. Die Kurse an den Börsen sind im März im Zuge der Corona-Krise abgesackt und haben sich noch nicht wieder komplett erholt. Die Anleger fürchten offenbar, dass Büroleerstände durch Arbeitslosigkeit und/oder Homeoffice die Preise und Einnahmen von Immobilien sinken lassen wird. Diese Überlegung ist nicht abwegig. Da die Immobilien durch die Fondsgesellschaft in einem rollierenden System sukzessive bewertet werden, würden sich solche Veränderungen erst im Laufe der Zeit auf den Kurs der Fondsgesellschaft „durchschlagen“.

Sie sehen an Ihrem Investment, dass offene Immobilienfonds keineswegs ein risikoloses Investment sind, als das sie manchmal angepriesen werden. Sie gehen auch hier Risiken -Entwicklung der Preise für Immobilien, Leerstandsrisiken, u.U. auch Währungsrisiken ein. Ob Sie den Fonds jetzt verkaufen oder die Krise durchstehen, obliegt Ihrer Einschätzung der Lage an den Immobilienmärkten. Der Grundbesitz Europa ist grundsätzlich gut gestreut und kein katastrophales Investment.

Ein Vergleich mit Tagesgeld passt an dieser Stelle nicht – hier werden ganz andere Risiken eingegangen und ein offener Immobilienfonds soll gerade kein Ersatz für Tagesgeld sein. Das war die Lehre aus der Finanzkrise, die zu den Kündigungsfristen geführt hat. Die durchschnittliche Rendite lag bei Tagesgeld seit 2013 deutlich unter 3%.

 

14.12.2020
Regina G.:
"Meine Eltern wollen für unseren Sohn, ihren Enkel, sieben Wochen alt, eine größere Summe Geld anlegen (10.000 Euro). Dabei stellen sich uns folgende Fragen:

  • Welche Art der Geldanlage ist derzeit empfehlenswert, wenn eine gewisse Rendite, zumindest der Inflationsausgleich, erzielt werden soll und gleichzeitig eine möglichst risikoarme, sichere Anlage gewünscht wird? Wären evt. ETFs eine Alternative, wenn ja, worauf ist dabei zu achten, gibt es einen konkreten Fonds als Empfehlung? Oder ist derzeit die Investition in Gold anzuraten?  Soll die Geldsumme gestreut angelegt werden, wenn ja, welche Aufteilung wäre aus Ihrer Sicht sinnvoll?
  • Auf wessen Namen sollte die Anlage erfolgen, auf den des Kindes oder z.B. auf mich (Mutter)? Welche Auswirkungen hätte dies etwa in steuerlicher Hinsicht?
  • Das Kind soll mit Volljährigkeit frei über das Vermögen verfügen können."

Stefanie Kühn: Bei 10.000 Euro können Sie über eine Aufteilung in verschiedene Anlageklassen nachdenken. Vorausgesetzt, dass das Geld grundsätzlich nicht vor der Volljährigkeit gebraucht wird, könnten Sie bspw. 8.000 Euro in Aktien-ETF anlegen und 2.000 Euro in Gold (ca. 1 Münze Krügerrand).

Aktien-ETF eignen sich hervorragend bei langen Laufzeiten. Sie können auf einmal oder aber in Tranchen über 2-3 Jahre investieren – je nachdem, womit Sie sich wohler fühlen. Ein ETF auf den MSCI World (über 1.600 Unternehmen aus den Industriestaaten) und eine kleine Beimischung von einem Schwellenländer-ETF (ca. 10-20%) (MSCI Emerging Markets) finde ich eine gute Mischung.

Gold ist ein Sachwert und hatte zu jeder Zeit einen Wert. Sie würden Gold nicht unter dem Gesichtspunkt „Rendite“, sondern „Krisenwährung Nr. 1“ für Ihr Kind kaufen.

Geld, das auf den Namen des Kindes angelegt ist, gehört dem Kind. Mit 18 Jahren kann es damit machen, was es möchte – auch, wenn es den Eltern nicht gefallen sollte. Für eine Bafög-Beantragung wäre nach derzeitigen Regeln das Vermögen zu hoch. Auch solche Punkte muss man bedenken. Steuerlich wird für Ihren Sohn bei dieser Summe der Sparerfreibetrag bzw. der Grundfreibetrag ausreichen. Wenn Ihre Eltern das Geld Ihnen geben, ist das zunächst Ihr Geld und Sie müssen die Erträge versteuern. Bei der Schenkung darf der Freibetrag (200.000 Euro Enkel, 400.000 Euro Kind) noch nicht ausgenutzt sein, sonst wird Schenkungssteuer fällig.

Grundsätzlich finde ich, dass eine Schenkung von Großeltern auch bei den Enkeln „landen“ sollte. Alles andere ist über so viele Jahre oft schwierig zu verfolgen.

 

03.12.2020

Hildegard U.: Die örtliche Sparkasse hat mir meinen Prämiensparer gekündigt. Wie lege ich einen kleineren, fünfstelligen Betrag am besten an (gern auch längerfristig, wenn dies besser ist),

und wie kann ich in Zukunft monatlich 100 Euro investieren? Dies ist auch längerfristig gedacht. Ich bin 49 Jahre alt, es soll die nächsten zehn oder 15 Jahre laufen.

 

Stefanie Kühn: Wenn Sie weiterhin im festverzinslichen Bereich anlegen möchten, empfehle ich Ihnen, eine Festgeldtreppe zu „bauen“. Dazu nehmen Sie Ihren Anlagebetrag und teilen ihn durch fünf. Nun legen Sie die erste Tranche für ein Jahr an, die zweite für zwei und so weiter. In einem Jahr, wenn die erste Stufe wieder frei wird, legen Sie diese dann für fünf Jahr an – das bisherige 5-Jahres-Festgeld läuft dann ja nur noch 4 Jahre. Sie müssen nach dem ersten „Aufbaujahr“ folglich nur noch über den in der Regel höheren 5-Jahres-Zins nachdenken.

Natürlich könnten Sie auch den ganzen Betrag als ein Festgeld für 5, 10 oder 15 Jahre anlegen – sollten sich die Zinsen oder Ihre Pläne ändern, sind Sie dann jedoch gebunden. Bei einem Festgeld heißt „Fest“ in der Regel nämlich wirklich fest.

Eine Rendite, wie bei Ihrem alten Prämiensparer können Sie so allerdings nicht mehr erzielen. Die besten Konditionen erhalten Sie über Festgelder von Direktbanken oder ein Zinsportal.

Als Beimischung eignet sich auch ein Aktien-ETF-Anteil. „10% geht immer“ lautet eine Faustregel. Je nach Ihrer Risikoeinstellung und der Aufteilung Ihrer restlichen Vermögenswerte ist auch ein deutlich höherer Anteil denkbar. Für die gewünschte Sparrate wäre ein Aktien-ETF bei Ihrem Anlagehorizont ideal. Hier können Sie langfristig Durchschnittsrenditen von 5 bis 7% erwarten.

 

29.10.2020
Ulrich S.:
"In den Jahren 2003 und 2004 haben ich zwei Lebensversicherungen bei der Karlsruher abgeschlossen. Die Beträge wurden jeweils in einer Summe einbezahlt. In den Jahren 2021 und 2022 soll die Summe wie beantragt in einem Betrag fällig werden.

Wenn ich mich richtig erinnere, wurde 2005 eine steuerliche Änderung der Lebensversicherungen vorgenommen.

Ich frage mich jetzt, ob die Auszahlungssumme dieser Verträge ebenfalls versteuert werden muss. Wenn ja, mit welcher Versteuerung muss ich rechnen?"

 

Markus Kühn: Sie haben Recht – 2005 gab es eine Änderung für die Besteuerung von Lebensversicherungen. Lebensversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden sind steuerfrei, wenn die Laufzeit mindestens 12 Jahre beträgt (das ist bei Ihnen ja erfüllt) und die Einzahlung über mindestens fünf Jahre verteilt wurde. Außerdem muss mindestens ein Todesfallschutz von 60 % vereinbart sein.

Der Punkt mit den fünf Einzahlungsjahren ist bei Ihnen eventuell nicht erfüllt. Es gab jedoch damals oft den Fall, dass Kunden die Summe in einem an die Versicherung gezahlt haben, das Geld dann auf einem Konto verwahrt wurde und in fünf Jahrestranchen in die Versicherung floss, damit die Bedingung erfüllt war. Das, sowie die Höhe des Todesfallschutzes müssten Sie prüfen. Die Versicherungen haben in der Regel damals darauf geachtet, dass die Versicherungen „steueroptimal“ gestaltet wurden.

Sollte eine der Voraussetzungen nicht erfüllt sein, sind die Erträge zu versteuern. Seit 2009 gilt hier, dass Abgeltungssteuer zu zahlen ist und nicht mehr der persönliche Steuersatz.

 

22.10.2020
Monika M.:
"Ich befinde mich in einer schwierigen Situation und wäre sehr froh, wenn Sie mir bei einer Entscheidung helfen könnten. Zum Sachverhalt:

Bei Börsen-Spekulationen im Internet-Computerhandel (Leprverate-BCM) bin ich leider und dummerweise nicht rechtzeitig ausgestiegen und habe sehr viel Geld verloren. Jetzt erhielt ich einen dubiosen Anruf und eine Mail von einer Firma namens MoneyBack aus Israel. Auf meine Frage, wie sie überhaupt an meine Daten gekommen sind, erhielt ich nur eine vage Auskunft. Diese Institution bzw. der Ansprechpartner behauptet nun, dass es sich dabei um Betrug gehandelt habe und sie mir behilflich sein können, das Geld von den Empfängerbanken (1x in Berlin und 1 x in London) zurück zu fordern und auch zu bekommen. Diese Banken wären in den Betrug involviert und wären einer internationale Vereinbarung zur Prüfung solcher Vorgänge nicht nachgekommen. Natürlich habe ich großes Interesse daran, das Geld zurück zu erhalten - auch wenn es vielleicht auf einen Vergleich hinausläuft. Aber die geforderte Vorauszahlung in Höhe von 10 Prozent ist sehr hoch und ich habe einfach Angst, noch mehr Geld zu verlieren.

Können Sie mir helfen und was raten Sie mir?"

 

Stefanie Kühn: Schon alleine die Tatsache, dass Sie angerufen wurden, sollte Sie warnen. Es ist nicht erlaubt, Privatleute anzurufen und seine Dienstleistungen „anzupreisen“. Möglicherweise stehen Sie auf einer sogenannten “sucker list“. Diese gehen unter dubiosen Finanzunternehmen um, unter dem Motto „wer einmal reingefallen ist, wird es auch ein zweites Mal“.

Im Internet findet man verschiedene Einschätzungen der Firma MoneyBack – die einen beschwören sie als Helfer in der Not, die anderen warnen. In den gelesenen Fällen haben Geschädigte offenbar immer selbst die Firma angerufen. Es wird von aggressiven Methoden berichtet. Bewertungen im Internet können immer auch falsch sein.

Ich empfehle Ihnen, mit einem auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Anwalt zu sprechen. Die Kosten für eine Erstberatung sind überschaubar.

 

12.09.2020

Katja S: Ich habe bei der Raiffeisenbank einen Ansparplan mit einem inzwischen höheren Betrag. Jetzt heißt es immer wieder, dass ein Bankensterben gerade für Sparkasse und Raiffeisenbank droht. Ist es besser, dieses Geld abzuheben und anderweitig zu verwahren oder anzulegen oder ist ein Geld unter 100.000 nicht in Gefahr?

 

Stefanie Kühn: In Europa gibt es eine gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro. Das bedeutet, jedes Land muss/soll sicherstellen, dass im Falle einer Insolvenz einer Bank ein Topf bereit steht, aus dem die Anleger für Einlagen (Girokonten, Tagesgeld, Sparbücher…) bis zu einer maximalen Höhe von 100.000 Euro ihr Geld zurück erhalten. Aufgelaufene Zinsen zählen ebenfalls dazu.

 

Da die jeweiligen Länder die Sicherung bieten, ist es wichtig, dass diese stark genug sind, um im Falle von gerade mehreren Bankenpleiten auch leisten zu können. Für Deutschland sehe ich hier kein Problem. Insofern halte ich Anlagesummen von bis zu 100.000 Euro für unkritisch.

 

Die Volks- und Raiffeisenbanken bieten darüber hinaus auch für Einlagen oberhalb von 100.000 Euro einen Schutz, in dem sie sagen, dass im Notfall die genossenschaftlichen Banken gegenseitig füreinander einstehen. Natürlich ist jede Sicherung nur so gut, wie diejenigen, die sie garantieren. Meines Erachtens könnten Sie vor dem Hintergrund der Einlagensicherung aber durchaus auch Summen oberhalb von 100.000 Euro bei einer Volks– oder Raiffeisenbank liegen haben.

 

26.08.2020

Marie S.: "Durch Auszahlung einer Versicherungsleistung wegen Berufsunfähigkeit und aufgrund einer kleinen Erbschaft, habe ich eine Summe von 150.000 Euro, die ich gerne sicher anlegen möchte.

Da ich nach einer sehr schlechten Erfahrung mit einem Immobilienfonds in 2008 (Lehman-Brothers-Krise) absolut kein Risiko mehr eingehen möchte, bitte ich Sie um eine Empfehlung, wie ich den Betrag möglichst sicher, ohne möglichen Verlust des eingesetzten Kapitals, verwahren bzw. das Kapital sinnvoll anlegen kann?

Der Anlagezeitraum soll zwischen fünf und zehn Jahren liegen und kann natürlich durch Splittung in verschiedene Anlageformen aufgeteilt werden.

Ich bin ich 46 Jahre alt, kinderlos und selbstständig. Die monatlichen Fixkosten werden durch eine weitere private BU-Rente gedeckt bzw. lebe ich von meinen Rücklagen, da aktuell wegen Corona kaum Aufträge eingehen."

 

Stefanie Kühn: Die von Ihnen geschilderte Situation erlaubt aus meiner Sicht nur eine sehr konservative Empfehlung zu. Zwar ließe der Anlagehorizont auch eine deutlich höhere Aktienquote zu, jedoch erscheint mir Ihre momentane Risikotragfähigkeit nicht hoch zu sein. Sie schreiben ja auch ganz klar, dass Sie keine Anlagen wünschen, die schwanken können.

Eine private BU-Rente endet irgendwann (oft mit Alter 60 oder 65), dann muss Ihr Vermögen für den Lebensunterhalt herhalten. Außerdem ist bei einer privaten BU-Rente eine Nachprüfung möglich, so dass Sie im Falle eines guten Verdienstes in einem anderen Job die Rente verlieren könnten.

Wenn Sie „absolut kein Risiko eingehen möchten“, wie Sie schreiben, bleibt nur einlagengesichertes Festgeld oder eine Versicherung mit Kapitalgarantie und der Hoffnung auf Erträge, die über den Kapitalerhalt hinausgehen. Von einer Versicherung rate ich Ihnen aufgrund der Kosten ab. Festgelder könnten Sie in Form einer Festgeldtreppe anlegen – zum Beispiel fünf Tranchen zu 20.000 Euro mit Laufzeiten von ein bis fünf Jahren. Damit können Sie derzeit aber keinen Kapitalerhalt nach Inflation erzielen.

Eine Beimischung von bis zu 10% im aktienbasierten Bereich – am günstigsten über Aktien-ETF ist ratsam, um die Renditechancen etwas „aufzuhübschen“. Diesen Teil der Anlage kann man dann aber nicht als „ganz sicher“ bezeichnen. Aktien können und dürfen schwanken – auf lange Sicht war dies aber eine Anlageform, die Renditen zwischen fünf und sieben Prozent erbracht hat.

Für einen Teil des Geldes empfehle ich Ihnen Tagesgeld als Rücklage – drei bis fünf Netto-Monatsbedarfe sind hier angemessen.

 

05.08.2020
Waltraud S.:
"Ich könnte 30.000 Euro längerfristig entbehren und möchte sie anlegen. Sehr risikofreudig bin ich mit meinen 69 Jahren nicht. Mir wurden Investitionen in den BGF World Healthscience Fund Class A2 EUR und in Deka-Industrie 4.0 CF empfohlen. Wie finden Sie das?"

 

Stefanie Kühn: Für eine längerfristige Anlage sind Aktienfonds grundsätzlich geeignet. Wenn Sie neben diesen 30.000 Euro bereits ausreichend Festgeldanlagen besitzen sowie breit gestreute Aktien-ETF (Indexfonds) als Basisanlagen, dann kann man durchaus über Branchen-Fonds, wie die vorgeschlagenen, nachdenken. Wenn Sie nicht sehr risikofreudig sind, sollten Ihre aktienbasierten Anlagen 10-15% nicht übersteigen. Ohne Kenntnis Ihrer gesamten Anlagen ist es nicht möglich zu beurteilen, ob dies eine für Sie günstige Empfehlung ist.

Es handelt sich hier um zwei gemanagte Fonds mit dafür angemessenen Kosten (1,81% und 1,51% p.a.). Die Gesundheitsbranche ist derzeit bei Anlegern beliebt und hat fast wieder alte Höchststände erreicht und auch der Industrie-Fonds hat bereits einen Großteil seiner Verluste aus dem Corona-Crash wieder gut gemacht. Prognosen für die Zukunft lassen sich daraus aber nur bedingt ableiten. Meines Erachtens eignen sich Branchenfonds immer nur als Beimischung. Haben Sie beispielsweise einen oder mehrere weltweite oder regionenspezifische Fonds oder ETF (Indexfonds), dann könnten Sie jeweils einen kleinen Prozentsatz an Branchenfonds beimischen.

Grundsätzlich empfehle ich Ihnen, ETF den Vorzug zu geben – sie sind günstiger. Wenn es unbedingt ein gemanagter Fonds werden soll, achten Sie beim Einkauf darauf, dass diese über eine Börse und nicht bei der Fondsgesellschaft gekauft werden. So sparen Sie den Ausgabeaufschlag und kaufen stattdessen zu den günstigeren Börsenspesen, wie sie für Einzelaktien üblich sind.

 

29.07.2020
Joachim Sch:
" Ich überlege, ein paar tausend Euro bei der russischen Staatsbank anzulegen. Ist das zu empfehlen und wie kann ich in deutscher Sprache korrespondieren? Existiert in Russland die gleiche 100.000 Euro Absicherung wie in Deutschland?"

 

Stefanie Kühn: Die Einlagensicherung in Russland beträgt 1.400.000 Rubel, das sind derzeit ca. 17.400 €.

Es ist mir nicht bekannt, dass die russische Staatsbank Gelder von Privatkunden annimmt.

Vielleicht meinten Sie, dass Sie bei einer „normalen“ russischen Bank Ihr Geld anlegen möchten? Da ist mir keine bekannt, auch über die Zinsportale habe ich nichts gefunden. In deutscher Sprache ist die Kommunikation aber sicherlich schwer möglich. Falls Sie die Anlage über russische Staatsanleihen meinten, so haben Sie keine Einlagensicherung. Russlands Anleihen werden von den Rating-Agenturen meist mit BBB oder BBB- bewertet, was gerade noch Investment Grade entspricht. Das Risiko dieser Anleihen ist also deutlich höher als z.B. von Deutschland (AAA).

Grundsätzlich müssen Sie bei Anlagen in Fremdwährungen beachten, dass es zu erheblichen Währungsschwankungen kommen kann.

 

22.07.2020

Thomas B. " Für meine Altersvorsorge lege ich monatlich 200 Euro in den synthetischen Aktienfonds XTracker WKN -DBX1DG- der auch an Swap-Geschäften teilnimmt an. Zwar ist der Kurs von ca. 30 auf ca. 23 Euro Coronabedingt gefallen, der Kursverlust ist aber zu verkraften, da ja der Cost-Average-Effekt auch greift. Die letzte Ausschüttung lag im März 2020 bei 1,43 € pro Anteil-somit eine Rendite bei ca. fünf bis sechs Prozent. Was halten Sie von dieser Anlage?"

 

Stefanie Kühn: Sie investieren mit diesem ETF der Fondsgesellschaft xtrackers in den Stoxx Global Select Dividend 100 Index. Dieser Index umfasst 100 Unternehmen mit im Vergleich zu anderen Unternehmen sehr hoher Dividendenrendite. Der ETF ist swap-basiert, das bedeutet, dass der ETF nicht unbedingt die Unternehmen des Index im Portfolio hat, sondern die Wertentwicklung mit einem Swap-Partner darstellt – es findet sozusagen ein Tauschgeschäft statt. Ich halte das Risiko eines swap-basierten ETF für nicht höher als das Risiko bei einem physisch replizierenden ETF, der also die Aktien des Index auch wirklich kauft. Vielen Menschen sind die physisch replizierenden ETF aber eingängiger.

Die Rendite lag 2019 – einem hervorragenden Börsenjahr – bei ca. 23%. Im Jahr 2018, welches mit einem Abrutschen der Börsen im Dezember endete, lief ein Verlust von ca. 7% auf.

Wenn Sie nur in einen einzigen ETF investieren möchten, würde ich Ihnen eher einen „normalen“ weltweit anlegenden ETF empfehlen. Diese sind nicht eingeschränkt auf 100 Unternehmen. Dividenden-Werte liefen gerade jetzt in der Krise nicht so gut, da natürlich die Angst vor Dividendenausfällen groß ist. Bei Dividendenaktien stellt die Dividende ja einen bedeutenderen Anteil an der Rendite dar. Als Beimischung sind Dividenden-ETF aber grundsätzlich geeignet. Sie könnten Ihre Sparrate natürlich auch aufteilen.

Grundsätzlich halte ich einen Aktien-ETF für sehr geeignet, um mit langfristigem Zeithorizont zu sparen.

 

10.07.2020

Ursula E.: "Leider wurde mir zum Jahresende von der Stadtsparkasse München mein seit vielen Jahren bestehender „Prämiensparvertrag flexibel“ gekündigt. Nun habe ich auf meinem klassischen Sparkonto 30.000 Euro zur Verfügung, die bekanntermaßen keinerlei Zinsen bringen. In Anbetracht unseres Alters (82 und 78 Jahre) kann ich die Summe auch nicht für einen längeren Zeitraum anlegen. Was können Sie mir empfehlen um wenigsten einen bescheidenen Zins zu erhalten. Auch die klassischen Festgeldtreppen werden nicht mehr von Direktbanken angeboten."

 

Stefanie Kühn: Sie haben über Zinsportale im Internet durchaus noch die Möglichkeit, sich selbst eine Festgeldtreppe mit wenig Aufwand „zu bauen“. Vorteil der Zinsportale ist, dass Sie nur eine Geschäftsbeziehung eröffnen müssen und dann Zugriff auf viele Banken haben.

Wenn Sie die Anlagesumme z.B. durch fünf teilen, könnten Sie fünf Festgelder a 6.000 Euro anlegen. Der Durchschnittszins, den Sie damit derzeit erzielen können, liegt bei ca. 1%. Wenn Ihnen eine fünfstufige Treppe zu lang ist, wählen Sie nur die Jahre 1-3 mit je 10.000 Euro.

Achten Sie bei allen Zinsportalen aber darauf, nur Festgelder von Banken aus Ländern zu wählen, die Sie für so sicher halten, dass diese im Pleitefall der Bank auch die Einlagen zurückzahlen können. Banken aus Ländern wie Italien, Portugal aber auch kleine Länder wie Malta scheiden m.E. aus.

 

04.07.2020

Irmgard H.: "Mein Mann und ich möchten sicher und risikoarm Geld anlegen. Von unserer Spakasse erhielten wir ein Angebot von der Versicherungskammer Bayern "Schatzbrief Basic und Chance". Ein Einstieg ist ab 10.000,00 Euro möglich, Laufzeit 12 Jahre mit der Möglichkeit zur Auflösung ab dem 7. Jahr. Ab dem 7. Jahr wahlweise 100 % oder 90 % Beitragsgarantie mit attraktiver Rendite. "Best-off" Todesfallleistung - was heißt das? Zur Info: Wir sind 69 und 70 Jahre alt. Wie bewerten Sie diese Anlage und ist es ratsam, auch in unserem Alter diesen Brief zu erwerben?"

 

Stefanie Kühn: Sie können bei dieser Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht zwischen zwei Varianten Basic und Chance wählen. Insoweit das Anlagegeld nicht zur Sicherstellung der Garantie benötigt wird, wird in diverse Fonds mit unterschiedlichem Risiko in den Varianten investiert. Dies wird jedoch nur ein kleiner Teil sein, da ja bereits nach 7 Jahren volle oder teilweise Kapitalgarantie besteht. Die Kosten, die bei einer Laufzeit von 12 Jahren mit 1,27% pro Jahr (insgesamt 1.597,65 Euro bei 10.000 Euro Anlagesumme) ausgewiesen werden, müssen ja auch verdient werden. Im Basisinformationsblatt wird beim sogenannten “mittleren Szenario“ eine Rendite von 2,18% nach 12 Jahren erwartet. Hier kann man leider nicht erkennen, für welche Variante der Fonds (Klassik: Rentenfonds mit kleinem Aktienanteil, Chance: Aktienfonds mit kleinem Anleiheanteil) dies gilt. Auf der Homepage wird für den „ROK Chance“ eine Wertentwicklung von 6% angenommen. Dies scheint ambitioniert. Ihre Rendite kann aber auch 0%, wenn Sie am Ende lediglich die garantierte Leistung erhalten sollten.

Da Versicherungen ja für sichere Anlagen genau wie Sie mit den niedrigen Zinsen „kämpfen“ müssen und eine Garantie ab dem Jahr 7 besteht (also konservativ angelegt werden muss) erscheint eine Rendite von 2,18% nach Kosten sportlich.

Zum Vergleich: Ein 10-Jahres-Festgeld bringt derzeit bis zu 1,3% (nach Kosten). Bequemer ist die Anlage in einen Schatzbrief sicherlich – einmal angelegt, müssen Sie sich nicht mehr kümmern.

Eine Erläuterung für „best of Todesfallleistung“ habe ich nirgends gefunden – vermutlich möchte man damit sagen, dass Sie entweder den garantierten Betrag erhalten oder – wenn diese Summe höher ist – den Wert zuzüglich der bisherigen Überschüsse.

Ob die Anlage auch in Ihrem Alter sinnvoll ist, kann man so nicht beantworten. Hierzu müsste man Ihre gesamten Anlagen, Ihre Einkünfte und Ihre Ziele kennen.

 

24.06.2020
Gaby R.:
"Ich habe letztes Jahr, durch Empfehlung meiner Bank, Bargeld in Höhe 30.000 € auf Union Investment-Privat Fonds angelegt. Diese Anlage steht und fällt mit der Entwicklung der Kapitalmärkte. Durch die Corona Krise, in der viele Firmen Einbußen haben bzw. evtl. Pleite gehen mache ich mir Sorgen um mein Geld, da evtl. keine Erträge mehr erwirtschaftet werden und ich keine Zinsen bekomme. Auf meinem letzten Kontoauszug sind jetzt 850,00 Euro weniger als ich angelegt habe.

Ich kann die Anlage zwar jederzeit kündigen, bin mir aber unsicher, ob ich das tun soll und wie ich es dann anlegen soll. Wenn ich es ins Schließfach lege bringt es mir ja auch keine Zinsen."

 

Stefanie Kühn: Leider haben Sie nicht geschrieben, welchen PrivatFonds der Union Investment Sie gewählt haben. Es gibt drei verschiedene mit unterschiedlichen Risiken. Ich habe einmal den PrivatFonds Kontrolliert, WKN A0RPAM ausgewählt. Dieser soll laut der Wesentlichen Anlegerinformation in der Regel ein Verhalten aufweisen, das der Anlage von 70% Renten und 30% Aktien entspricht. Der Fonds hat laufende Kosten in Höhe von 1,9%.

 

Der Fonds hat währende der Corona-Krise in der Spitze 10% verloren, aktuell fehlen ihm noch ca. 7% zum vorherigen Höchststand (Stand: Ende Mai 20). Es gab jedoch im Mai auch noch eine Ausschüttung.

 

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Unternehmen sind derzeit noch schwer abschätzbar. Es kann durchaus zu einer länger laufenden schlechten Wirtschaftsphase kommen. Denkbar sind derzeit Szenarien in alle Richtungen, von langer Rezession bis zu einem „Jetzt-erst-Recht-Verhalten“ der Käufer und damit gemilderten Folgen für die Unternehmen. Grundsätzlich sind Anlagen, die Aktien enthalten jedoch auch in dieser Phase angeraten. Von schnellem Umschichten rate ich ab – niemand wird systematisch rechtzeitig Kaufen und Verkaufen – Sie, ich und auch der Fondsmanager Ihres Fonds können ja nicht hellsehen. Man weiß aus vielen Studien, dass das Durchhalten nach starken Verlusten („Buy and Hold“) meist erfolgsversprechender ist.

 

Ob die Anlage generell für Sie geeignet ist, bleibt offen. Dazu müsste man umfassend Ihre Anlagenstruktur und Ihre Ziele kennen. Der Fonds ist in jedem Fall keine günstige Anlage. Das Schließfach jedoch ist nur in sehr wenigen Fällen eine Option. Die Inflation „frisst“ dann langsam den Wert Ihres Vermögens auf.

 

05.06.2020

Franz S.: "Von Bekannten wurde uns eine Kapitalanlage bei Wealth Capital empfohlen. Was halten Sie davon?"

 

Stefanie Kühn: Bei Wealth Capital handelt es sich um eine Online-Trading-Plattform, über die Sie Kryptowährungen wie Bitcoin, Aktien, Devisen etc. handeln können. Das Wort „traden“ lässt sich mit „spekulierend an der Börse handeln“ übersetzen. Das ist grundsätzlich nichts Verwerfliches. Die Internetrecherche zum Unternehmen wirft jedoch viele Fragezeichen auf. Selbstverständlich melden sich im Netz immer eher Leute, die unzufrieden sind – jedoch, es gibt zahlreiche Kommentare mit dem Tenor „Finger weg, Betrug“. Anleger hatten offenbar massiv Probleme, ihr Geld wieder zu erhalten.

Auf der Website finde ich kein ordentliches Impressum, ich kann den Sitz des Unternehmens nicht bestimmen. Wo, ob und wie das Unternehmen registriert und reguliert ist, lässt sich nicht feststellen.

Dies allein sollte ausreichen, sich einen regulierten Broker zu suchen, wenn Sie traden möchten. Von diesem jedoch rate ich eindringlich ab. Vielleicht überlegen Sie sich auch, ob nicht eine „solide“ Kapitalanlage geeigneter für die Erreichung Ihre Ziele ist. Auch dabei kann man Anlagen mit höherem Risiko (und höherer Chance) auswählen.

 

12.05.2020

Tobias M.: "Bisher habe ich mtl. 600 Euro als Altersvorsorge in die Deutsche Rentenversicherung zur Altersvorsoge eingezahlt. Diese wurden im Jahr 2018 mit 86% als Vorsorgeaufwendung steuerlich berücksichtigt. Versteuerung bei Renteneintritt mit 100%.

 

Mein Anlageberater hat mir geraten die Zahlungen an die Deutsche Rentenversicherung zu stoppen und als Alternative eine lebenslange Fondspolice bei der Nürnberger LV abzuschließen. Ich bin dieser Empfehlung gefolgt. Monatliche Zahlung wie bisher 600 Euro. Versicherungsbeginn 01.09.2019, Versicherungssumme bei Todesfall vor dem 01.06.2067 EUR 34.5620,00.

 

Meine Frage:

Was halten Sie von dieser alternativen Anlageform zur Altersabsicherung?

Über die Versteuerung wurde ich nur ungenügend aufgeklärt. Ich bin selbstständiger Handwerksmeister, 1981 geboren, bin verheiratet und habe ein Kind."

 

Stefanie Kühn: Sie haben offenbar eine „normale“ fondsgebundene Lebensversicherung abgeschlossen und keine Basisrente. Letztere wäre in der Besteuerung in der Anspar- und Leistungsphase vergleichbar mit der Rente der Deutschen Rentenversicherung. Mit dem Abschluss sind Abschlusskosten in erheblicher Höhe angefallen – Sie finden diese Information in Ihren Unterlagen, die Angabe ist Pflicht. Allerdings wird sie oft recht gut „getarnt“. Wenn Sie diese Summe sehen, können Sie sich vorstellen, warum Ihnen eine fondsgebundene Lebensversicherung angeboten wurde. Ob die Fondspolice eine gute Rendite verglichen mit einem selbstgemanagten Anlageportfolio erzielen wird, hängt von den gewählten Fonds ab sowie von der Höhe der laufenden Kosten. Beides könnten Sie überprüfen (lassen). Da Sie bei der Deutschen Rentenversicherung jedoch keine Einmalauszahlung erhalten können, ist ein direkter Vergleich nicht möglich – das wäre wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Allein aus Ihrer Schilderung, dass Sie selbständig sind, war Ihre ursprüngliche Wahl der Einzahlung in die Deutsche Rentenversicherung durch die steuerliche Förderung und durch den Insolvenzschutz meines Erachtens nicht völlig ungeeignet. Ob dies die beste und geeignetste Möglichkeiten für Sie ist, kann jedoch nur unter Vorlage aller Daten – vorhandene Anlagen, Sparmöglichkeiten, betriebliche Verpflichtungen, Risikobereitschaft und Pläne entschieden werden und nicht an dieser Stelle. Möglicherweise wäre ein Mix aus staatlicher Rentenversicherung und freiem Sparen in ETFs eine kostengünstigere und flexiblere Möglichkeit gewesen. Die Absicherung im Todesfall könnte einfacher und vermutlich kostengünstiger über eine Risikolebensversicherung dargestellt werden.

 

14.04.2020
Familie D.:
"Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, die sich ja offensichtlich weiter verschlechtern wird, würde mich der Rat von Experten interessieren, wie man denn mit dem Ersparten (für Notfälle) umgehen soll. Eine Anlage in Gold oder Silber ist ja wohl zurzeit aussichtslos. Ich bin am Überlegen, ob wir es den Kindern zur Schuldentilgung ihres Wohneigentums überlassen sollten, wir besitzen dann aber keine Rücklagen fürs Alter. Andererseits, wenn das Geld nichts mehr wert ist, auch nicht. Wozu würden Sie denn raten?"

 

Stefanie Kühn: Zunächst einmal empfehle ich Ihnen, in der derzeitigen Situation besonnen zu bleiben. Ein Wertlos-werden des Geldes steht aktuell ja überhaupt nicht zur Debatte. Die Länder reagieren auf eine außergewöhnliche Situation mit umfassenden Maßnahmen – das halte ich für wichtig und richtig. Eine Krise bedeutet nicht gleich einen Staatsbankrott.

Sie sprechen davon, dass Sie Ihre offensichtlich einzige Rücklage für das Alter sichern möchten. Die Einlagensicherung bei Banken mit 100.000 Euro pro Person und Bank halte ich für sicher, sofern Sie Ihr Geld in einem grundsätzlich finanzstarken Land wie Deutschland angelegt haben.

Eine Beimischung von Gold ist grundsätzlich eine gute Idee. Die Goldquote sollte aber für Sie passend und im Rahmen einer Vermögensaufteilung insgesamt festgelegt werden – nicht „panikgetrieben“. Auch Gold kann schwanken, das hat man gerade zu Beginn der Corona-Krise gesehen.

Ein Verschenken des Geldes hat weitreichende Auswirkungen, die gut zu überlegen sind. Das Geld steht Ihnen dann nicht mehr zur Verfügung. Gegebenenfalls müssen auch steuerliche Auswirkungen berücksichtigt werden.

 

08.04.2020

Eva N.: Ich habe 2006 eine private Pflegeversicherung für Pflegestufe III abgeschlossen. Ab 2017 ist eine Umwandlung der Pflegestufen in Pflegegrade vorgeschrieben. Meine Versicherung hat das bis heute nicht gemacht. Sie hat mir einen neuen Vertrag angeboten, den ich nicht unterschrieben habe. Trotz mehrerer schriftlicher Anfragen ist sie nicht bereit, mir mitzuteilen, welche Summe ich für Pflegegrade 4 oder 5 (bisherige Pflegestufe III) erhalten würde, wenn der Versicherungsfall einträte. Auch der neueste Versicherungsverlauf vom Januar 2020 enthält nur die Gesamtleistung im Pflegefall für Pflegestufe III. Hätte ich den angebotenen neuen Vertrag unterschreiben müssen, obwohl mein alter zu diesem Zeitpunkt schon zwölf Jahre lief? Hätte mir die Versicherung ein Sonderkündigungsrecht einräumen müssen? Ist die Versicherung verpflichtet, mir mitzuteilen, wie hoch der monatliche Betrag für die Pflegegrade 4 oder 5 wäre, wenn ich ins Heim müsste?

 

Stefanie Kühn: Die privaten Pflegeversicherungen haben ihren Kunden im Zuge der Reform der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade Umstellungsangebote unterbreitet. Diese sollten möglichst nah an den bisherigen Leistungen bei verschiedener Schwere der Pflege liegen. Wenn Sie das Angebot nicht annehmen, dann würde sich im Leistungsfall irgendwann die Frage stellen, wie man nun bewertet, ob Sie Stufe III der Pflegebedürftigkeit erreicht haben. Da Sie ja die Umstellung nicht akzeptiert haben, wäre die Frage also eher, wie bei Ihnen der Leistungsfall definiert würde: Wer würde die Einstufung vornehmen, wie würde überprüft?

Sie müssen grundsätzlich keine Änderung annehmen, es ist aber eben die Frage, ob Sie eine ja doch teure Versicherung mit einer solchen Ungewissheit führen möchten. Die bisherige Laufzeit spielt bei der Umstellung keine Rolle – auch die Versicherung hat ja 2006 nicht ahnen können, dass in 2017 das System umgestellt wird. Verträge, die in 2016 abgeschlossen wurden, hatten oftmals bereits Klauseln zur Umstellung. Sie haben grundsätzlich ein Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhungen, können aber eine Pflegeversicherung sowieso relativ einfach kündigen. Die Versicherung ist nicht verpflichtet, Ihnen zu sagen, welche Leistungen Sie bei Stufe 4 oder 5 bekommen würden – grundsätzlich ja gar keine, denn Sie haben ja einen Pflegegrad versichert. Um diese Unsicherheit zu beheben, empfehle ich Ihnen dringend, den Umstellungsvorschlag zu prüfen sowie gegebenenfalls weitere Versicherungsangebote zum Vergleich einzuholen.

Eine Anmerkung am Rande: Bei Ihrer Versicherung erhalten Sie erst Leistungen ab Pflegestufe III – was einer Einstufung von 4 oder 5 nach Pflegegraden entsprechen würde. Würde ein geringerer Pflegegrad festgestellt, gibt es keine Leistung. Eine Absicherung nur der schwersten Pflegegrade halte ich für unsinnig. Laut Statistischem Bundesamt befanden sich 2017 22,7% der Pflegebedürftigen in Stufe 4 und 5. Das bedeutet, dass über dreiviertel der Pflegebedürftigen – hätten diese eine vergleichbare Versicherung – gar keine Leistung bekommen würden. Wenn man diese Absicherung wählt, dann empfehle ich die vollständige Absicherung ab dem untersten Pflegegrad – unter dem Motto: Ganz oder gar nicht.

 

03.04.2020

Klaus M.: Kann eine Anleihe verloren sein, wenn der Emittent in Konkurs geht , oder sind die Anleihen Sondervermögen? Es geht in diesem Fall um den Emittenten Rallye S. A. Frankreich (WKN A1ZE2Z, Kurs zurzeit: 25,00 %, Festzins: 4 %). Das müsste doch zu stemmen sein? 

 

Stefanie Kühn: Anleihen sind kein Sondervermögen. Wenn der Emittent insolvent wird, dann ist auch ein Totalverlust möglich. Wenn man als Anleger eine Anleihe kauft, gibt man dem Unternehmen Kredit und erhält dafür einen Zins. Sie bauen beim Kauf darauf, dass das Unternehmen Ihnen am Ende der Laufzeit (hier 2021) den vollen Betrag sowie jährlich die Zinsen (zurück-)zahlt. Wenn ein Unternehmen wirtschaftliche Probleme bekommt, dann verkaufen Anleger Anleihen, weil ihnen das Risiko zu hoch wird. Das ist hier offensichtlich geschehen. Nachrichten zum Unternehmen zeigen derzeit auch keine Trendwende an. Ob das „zu stemmen“ sein wird (Rückzahlung zu 100% in 2021), wie Sie es ausdrücken, möchte ich nicht beurteilen. Bis dahin müsste das Unternehmen dann ja so aufgestellt sein, dass es jedem Anleger seine 100% zurückzahlen kann. Ein Kursrückgang um 75% zum Ausgabekurs deutet in jedem Fall auf sehr große Probleme hin.

 

26.03.2020
Hermann B.:
Als Polizeibeamter (73) im Ruhestand (70 Prozent Beihilfe) bin ich seit 1.4.1979 bei der Bayerischen Beamtenkrankenkasse (Versicherungskammer Bayern) privat krankenversichert. Meine Frau (71, Rentnerin) ist bei mir mitversichert. Zum 1.12.2006 habe ich für uns beide eine Pflegetagegeldversicherung (Pflege PREMIUM) mit einem Tagessatz von je 40 Euro abgeschlossen. Zum 1.8.2012 und 1.8.2015 erhöhte ich für uns beide jeweils nochmals den Tagessatz um zwei Euro, so dass er jetzt jeweils bei 44 Euro liegt. Die Versicherungsprämie betrug bislang 112,06 Euro und soll zum 1.5.2020 auf 191,70 Euro angehoben werden. Das ist eine Steigerung von 79,64 Euro = 71,11 Prozent. Begründet wird die Steigerung damit, dass es sich um die erste Anpassung des Rechnungszinses seit fünf Jahren handele. Entsprechend könne die Absenkung von 3,0 Prozent auf 1,9 Prozent anteilig zu Beitragserhöhungen von über 50 Prozent führen. Scheint die Berechnung richtig zu sein? Und was können Sie uns raten?

 

Stefanie Kühn: Durch die Umstellung von Pflegegraden (1-3) in Pflegestufen (1-5) kam es zu vielen Leistungsverbesserungen in der Pflegeversicherung. Auch die Tagesgeldtarife mussten umgestellt werden. Dabei galt die Maßgabe, dass kein Kunde schlechter gestellt werden darf, als er es vorher war. Im gesamten Bereich der privaten Pflegeversicherung hat man nach der Reform zum 01.01.2017 Beitragssteigerungen gesehen. Außerdem macht den Versicherungen das geringe Zinsniveau zu schaffen. Beitragssteigerungen müssen von einem Treuhänder abgesegnet sein.

Natürlich ist eine Steigerung um 71% extrem hoch. Gerade für Beamte gab es in der Vergangenheit wenig Steigerung. Angenommen, Sie hätten vom Beginn 2006 an 112,06 Euro gezahlt (ohne Berücksichtigung der beiden Leistungssteigerungen) und die Beiträge wären in gleichmäßigen prozentualen Schritten auf heut 191,70 Euro gestiegen, läge die jährliche Steigerung rechnerisch bei knapp 4%. Dies ist für den Pflegebereich eine durchaus adäquate Steigerung. Falls Sie Zweifel an der Korrektheit der Berechnung haben, können Sie sich an einen spezialisierten Anwalt oder eine Verbraucherzentrale wenden.

 

11.03.2020
Herbert M.:
Angesichts der schlechten Renditesituation habe ich derzeit Beträge auf Festgeldkonten geparkt. Ich bin 68 Jahre alt und benötige sichere Anlagen, um einen Ausgleich zu meinen Renten zu haben. Einmalzahlungen möchte ich vermeiden, da ich flexibel sein muss. Aktien in Einzeltitel kommen für mich auch nicht in Frage. Was halten Sie von breit gestreuten ETFs (Exchange Traded Funds) in Form von monatlichen Einzahlungen?

 

Stefanie Kühn: Es ist sicherlich sinnvoll, dass Sie Ihr Vermögen auf Festgeldkonten angelegt haben, statt auf unverzinsten – oder gar mit Minuszins versehenen – Girokonten. An Ihre Festgelder können Sie in der Regel jeweils erst zum Laufzeitende wieder rankommen. Aus Ihrer Frage schließe ich, dass Sie keine allzu langen Festlegungen gewählt haben oder auch einen Teil im Tagesgeld angelegt haben. Ich rate Ihnen, Ihr Vermögen gesamthaft zu betrachten. Legen Sie für sich einen Betrag X fest, der stets als Notfallreserve auf einem Tagesgeldkonto liegen soll. Dazu rechnen Sie vielleicht den jeweiligen Jahresbedarf der gewünschten Rentenaufstockung. Weiterhin definieren Sie den Anteil an Festgeldern, die Sie dauerhaft halten möchten – auch um daraus Ihren jährlichen Bedarf der nächsten Jahre zu decken. Die Festgelder könnten Sie als Festgeldtreppe organisieren, um flexibel zu bleiben. Wenn Sie dann außerdem einen kleinen Anteil Ihres Vermögens in Aktien-ETF anlegen möchten, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen. Man sagt „10% Aktien geht immer“. Eine Anlage „auf einen Schlag“ halte ich in der momentanen Marktlage auch für suboptimal, ein sukzessiver Aufbau über einen Sparplan ist sicherlich eine gute Idee. Ich empfehle Ihnen einen ETF auf den MSCI World (deckt Industriestaaten), alternativ auf den MSCI All Country World, den nachhaltigen MSCI World SR (Socially Responsible) oder eine kleine Beimischung eines Schwellenländer-ETF, um wirklich die ganze Welt abzubilden.

 

25.02.2020
Klaus K.:
"Ich wollte einen Geldbetrag von 400.000 € in Festgeld und Tagesgeld anzulegen. Wegen den Niedrigzinsen will ich diese Anlage nicht tätigen und suche ich nun nach Alternativen. Mein Anlageberater empfiehlt mir:

2/3 in "Targo Privat-Rente Komfort" (mit Nettoverzinsung von 2 %)

1/3 in ETF Staatsanleihen "iShares Euro Government Bond"

Ist diese Anlage sinnvoll?" Ich möchte risikolos anlegen.

 

Stefanie Kühn: Bei der Targo Privat-Rente Komfort hätten Sie bei einer Einmaleinzahlung 100% Kapitalgarantie. Eine Verzinsung ist darüber hinaus offenbar nicht garantiert. Versicherungen kämpfen mit dem gleichen Problem wie Sie: Sie müssen Anlagen finden, die eine akzeptable Rendite bringen und dabei so wenig Risiko wie möglich eingehen. Dazu haben Sie bei einer Versicherung aber die Kosten. Über die wurden Sie im gesetzlich vorgeschriebenen Produktinformationsblatt informiert.

Der ishares Euro Government Bond ETF ist ein sehr kostengünstiger Rentenfonds mit Fokus „Staatsanleihen Europa“. Die Restlaufzeiten der Anleihen sind nicht eingeschränkt, können also beliebig lang oder kurz sein. Staatsanleihen aus Ländern mit guter Bonität sind grundsätzlich eine „sichere Anlageklasse“, hier sind allerdings auch Länder weniger guter Bonität vorhanden. Im letzten Jahr hätten Sie mit diesem ETF eine mehr als zufriedenstellende Rendite erzielt.

Beachten Sie bitte aber den Mechanismus bei Anleihen, den man als Anleger verstehen muss, um später nicht enttäuscht zu sein. Wenn Sie eine Anleihe (oder einen Anleihen-ETF) besitzen und die Zinsen am Markt steigen, möchte niemand mehr „ihre“ Anleihe kaufen, da es ja am Markt dann Anleihen mit höherem Zinskupon gibt. Der Kurs der Anleihe wird also fallen, damit die Anleihe wieder attraktiv wird. Umgekehrt steigen die Anleihekurse bei sinkenden Zinsen (genau das ist 2019 passiert), da dann ja jeder die alten mit dem höheren Zinskupon kaufen möchte. Sollten die Zinsen also irgendwann steigen, dann müssen Sie u.U. mehrere Jahre mit Kursverlusten aussitzen. Bei einem ETF ist das schwieriger „auszuhalten“, da Sie nicht ein Enddatum, wie bei einer einzelnen Anleihe haben. Bei einer Anleihe hätten Sie ja einen Rückzahlungstermin X mit einem Kurs von 100%, sofern der Emittent dann nicht pleite ist. Bei einem ETF befinden sich viele Anleihen mit unterschiedlichen Enddaten im Portfolio, so dass ein solcher ETF auch jahrelang im Minus bleiben kann.

Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen als sichere Anlage die bereits öfters beschriebene Festgeldtreppe. Durch unterschiedliche Laufzeiten sichern Sie sich eine gewisse Flexibilität, würden aber im Falle von Zinssteigerungen auch immer mit einem Fünftel (oder Drittel, je nachdem wie viele Stufen Sie wählen), an höheren Zinsen partizipieren. Würden Sie eine kleine Aktienquote beimischen (10-15% „gehen eigentlich immer“), könnten Sie über diesen Teil der Anlage auf lange Sicht höhere Renditechancen erwarten.

 

18.02.2020

Willi H.: "Mein Bankberater drängt mich schon seit Wochen, dass ich folgende Wertpapiere verkaufen soll, da sie bald nichts mehr wert sind. Es handelt sich um folgende Papiere: DWS I.- ESG EO BDS SH. LD (LU0145656475), CS EUROREAL (DE0009805002) und DWS FDS-DWS ZINSEINK. (LU0649391066). Hat er Recht? Was soll ich tun?"

 

Stefanie Kühn: Die beiden Fonds DWS ESG BDS und DWS Zinseinkommen sind Fonds, die in Anleihen investieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr Bankberater gesagt hat, dass beide bald nichts mehr wert sind. Möglicherweise spielte er auf den Mechanismus bei Anleihen an, den man als Anleger kennen sollte. Bei steigenden Zinsen fallen die Kurse, bei fallenden Zinsen steigen die Kurse (die Fonds erzielen also eine gute Wertentwicklung, wie z.B. erneut in 2019). Rentenfonds sollten daher kritisch betrachtet werden, wenn man davon ausgeht, dass die Zinsen nicht ins Bodenlose fallen können und weitere Kurssteigerungen daher eher nicht zu erwarten sind. Studien zeigen, dass ein Prozent Zinssteigerung Kursverluste von ca. 7% bei mittleren Anleihelaufzeiten ausmachen würden. Das ist nicht das, was Anleger von „sicheren“ Rentenfonds erwarten. Der DWS ESG Bonds besitzt kürzere Laufzeiten bei den von ihm gehaltenen Anleihen, so dass die Auswirkungen hier vermutlich nicht ganz so hoch sind – trotzdem ist ein solcher Fonds aufgrund des niedrigen Zinsniveaus gepaart mit den Kosten des Fonds wenig erfolgsversprechend. Die besser kalkulierbare Alternative zu Rentenfonds ist z.B. eine Festgeldtreppe (Festgelder verschiedener Laufzeiten).

Der CS Euroreal ist während der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten und befindet sich seitdem in der Abwicklung. Derzeit befinden sich laut Homepage noch drei Immobilien im Bestand (Stand 12.12.19).

Der Fonds wird z.B. an der Börse Hamburg gehandelt. Hier erhält der Anleger heute (13.01.2020) ca. 4,70 Euro. Nach der letzten Ausschüttung im Dezember ist der Kurs gesunken. Sollten weitere Ausschüttungen (z.B. nach dem Verkauf einer weiteren Immobilie) folgen, wird der Kurs um die Höhe der Ausschüttungen sinken.

Ob ein Verkauf über die Börse lohnt oder Sie einfach die komplette Abwicklung abwarten, kann ich so nicht beurteilen. Dies hängt von Ihrer Stückzahl, den Depotkosten pro Jahr sowie den etwaigen Kosten beim Verkauf über die Börse ab.

 

23.01.2020

Inge W.: "Seit 2008 habe ich Anteile des Immobilienfonds CS Euroreal, WKN 980500, im Depot. Zum 30.4.2017 hat die Credit Suisse Asset Management angekündigt, das Immobilien-Sondervermögen zu kündigen, aufzulösen und auszuzahlen. Außer dass die Hausbank mehrmals angerufen hat, um die Anteile mit einer Mini-Gutschrift auszubuchen, wurde mir kein ordentliches Angebot zum Verkauf gemacht, obwohl m.E. noch Immobilien vorhanden sein müssten. Wenn nichts mehr da wäre, hätte ich am 18.12.2019 keine Ertragsgutschrift mehr erhalten dürfen. Können Sie mir bitte sagen, ob es diesen Immobilienfonds jetzt noch gibt oder nicht? Was sollte ich Ihrer Meinung nach tun. (Zu Ihrer Information, ich bin bereits über 80 Jahre alt)."

 

Stefanie Kühn: Der CS Euroreal ist während der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten und befindet sich seitdem in der Abwicklung. Zum 01.05.2017 ist das Verwaltungsmandat auf die Commerzbank übergegangen. Diese ist bemüht, den Fonds nun komplett abzuwickeln. Derzeit befinden sich laut Homepage noch drei Immobilien im Bestand (Stand 12.12.19).

Der Fonds wird z.B. an der Börse Hamburg gehandelt. Hier erhält der Anleger heute (13.01.2020) ca. 4,70 Euro je Anteil. Nach der letzten Ausschüttung im Dezember ist der Kurs gesunken. Sollten weitere Ausschüttungen (z.B. nach dem Verkauf einer weiteren Immobilie) folgen, wird der Kurs um die Höhe der Ausschüttungen sinken. Kurssteigerungen sind nur zu erwarten, falls die verbliebenen Immobilien im Wert steigen.

Ob ein Verkauf über die Börse lohnt oder Sie einfach die komplette Abwicklung abwarten, kann ich so nicht beurteilen. Dies hängt von Ihrer Stückzahl, den Depotkosten pro Jahr sowie den etwaigen Kosten beim Verkauf über die Börse ab. Die Ausbuchung könnte u.U. auch lohnen, nämlich dann, wenn die laufenden Kosten die Rückzahlungen „auffressen“.

 

 

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