Private Finanzplanung Kühn
Private Finanzplanung Kühn

Fragen und Antworten zu Testament und Erbvertrag (II)

Gudrun S.: "Mein Mann und ich haben ein Berliner Testament. Haus und Konto laufen auf beider Namen. Brauche ich im Erbfall einen Erbschein oder sollen wir das Testament notariell beglaubigen lassen? Was ist günstiger von den Gebühren?"

Markus Kühn: Wenn einer von Ihnen stirbt, wird das Grundbuch insoweit unrichtig, da dann nur noch der längerlebende Ehegatte Eigentümer des Hauses ist. Die Berichtigung des Grundbuches kann der überlebende Ehegatte durch Vorlage einer Ausfertigung eines Erbscheins oder einer beglaubigten Abschrift eines notariellen Testaments mit nachlassgerichtlicher Eröffnungsniederschrift veranlassen. Bei einem notariellen Testament ist also in der Regel kein Erbschein erforderlich. Ob notarielles oder eigenhändiges Testament und Erbschein letztlich günstiger ist, kommt auch auf den Nachlass an. Die zu erhebende Gebühr für ein notarielles Testament einschließlich Beratung bestimmt sich nach dem Reinvermögen - also vorhandene Vermögensgegenstände abzüglich Schulden - des Testierenden. Beispielsweise beträgt eine Gebühr bei einem Wert von 100.000 Euro 207 Euro, bei 200.000 sind es 357 Euro und bei 500.000 Euro 807 Euro. Für ein gemeinschaftliches Testament fällt eine doppelte Gebühr an. Das notarielle Testament wird immer amtlich verwahrt, ein eigenhändiges Testament können Sie gegen eine Gebühr beim Amtsgericht hinterlegen. Die Rücknahme des notariellen Testaments aus der amtlichen Verwahrung durch den Testierenden führt zur Unwirksamkeit des notariellen Testaments, es muss dann also ein neues Testament erstellt werden. Das kann zu zusätzlichen Kosten führen, da ein Testament mitunter mehrmals geändert wird, wenn sich die Ziele und Lebensumstände des Testierenden ändern. Ein eigenhändiges Testament, das nicht amtlich verwahrt wird, kann hingegen leicht durch ein neues ersetzt werden. Auch bei einer Rücknahme eines eigenhändigen Testaments aus der amtlichen Verwahrung bleibt dieses wirksam, bis ein abweichendes Testament erstellt wird. Die Gebühren für den Erbschein bestimmen sich ebenfalls grundsätzlich nach dem Reinnachlass. Hier entsteht je eine Gebühr für den notariellen Antrag und die Gerichtskosten. Wird dem Nachlassgericht glaubhaft gemacht, dass der Erbschein nur zur Verfügung über Grundstücke oder zur Berichtigung des Grundbuches gebraucht wird, so wird die Gebühr hingegen nur nach dem Wert der im Grundbuch eingetragenen Grundstücke berechnet. Für das Bankkonto benötigen Sie in der Regel keinen Erbschein. Hier genügt grundsätzlich die Ausfertigung des Testaments nebst Eröffnungsniederschrift.

 

Brigitte R: "Es gab in unserer Familie ein Testament, in dem unsere drei Kinder von ihrem Erbonkel (Bruder des Großvaters) und dessen Frau im gleichzeitigen Todesfall als Erben eingesetzt waren. Sollte nur einer von beiden überleben, so sollte diese/r zunächst alles erben. Gemeinsam unterschrieben von ihm und der Erbtante (seiner Ehefrau). Dieses Testament wurde nie widerrufen. Wir erfuhren auch erst durch das Amtsgericht davon, als der Onkel verstorben war. Nun hat allerdings die überlebende Erbtante eine Frau adoptiert, angeblich deshalb, dass diese Alleinerbin sein soll. Damit sollten die Nichten und der Neffen ihres verstorbenen Mannes als Erbberechtigte ausgeschaltet werden. Ist das rechtens?"

Markus Kühn: Treffen Ehegatten in einem gemeinschaftlichen Testament Verfügungen, von denen anzunehmen ist, dass die Verfügung des einen nicht ohne die Verfügung des anderen getroffen sein würde, so liegen sogenannte wechselbezügliche Verfügungen vor. Solche Verfügungen können nach dem Tod eines Ehegatten von dem anderen grundsätzlich nicht mehr widerrufen werden. Der Überlebende kann also nicht mehr abweichend testieren, es sei denn, das Testament sieht eine entsprechende Änderungsbefugnis vor. Der überlebende Ehegatte kann allerdings seine wechselbezüglichen Verfügungen – hier die Einsetzung Ihrer Kinder als Schlusserben – anfechten, wenn nach der Errichtung des gemeinschaftlichen Testaments neue Pflichtteilsberechtigte hinzukommen, deren Vorhandensein ihm bei der Errichtung des Testaments nicht bekannt war oder die erst später pflichtteilsberechtigt geworden sind. Wenn die Erbtante eine Frau adoptiert, wird diese erb- und pflichtteilsberechtigt. Die Erbtante kann dann innerhalb eine Jahres ihre wechselbezüglichen Verfügungen anfechten. Das hätte dann zur Folge, dass zugleich auch die Verfügungen des Erbonkels unwirksam würden und nachträglich gesetzliche Erbfolge nach dem Erbonkel einträte. Dann würden - wenn der Erbonkel keine eigenen Kinder hatte und im Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebte - neben der Ehefrau auch seine Eltern oder falls diese nicht mehr leben, deren Abkömmlinge (Geschwister des Erbonkels) zu einem Viertel erben. Über ihr eigenes Vermögen könnte die Erbtante dann frei verfügen und die Adoptivtocher als Alleinerbin einsetzen. Die Erbtante hätte kein Anfechtungsrecht, wenn dies im gemeinschaftlichen Testament der Ehegatten ausgeschlossen wurde.

 

Karl S.: "Eine liebe Bekannte, die vor einem Jahr verstorben ist, hat in ihrem Testament acht Vermächtnisse an acht Personen erstellt, ohne einen Enderben zu benennen. Die Vermächtnisnehmer sind langjährige Freunde der Verstorbenen, da sie keinerlei Verwandtschaft hat. Die Vermächtnisse bestehen aus verschiedenen Geldbeträgen. Verbindlichkeiten sind außer den anfallenden Kosten für den Testamentsvollstrecker und Nachlassgericht nicht vorhanden. Laut Aussage des Nachlassverwalters muss ein Enderbe benannt sein. Jetzt hat das Gericht fünf Vermächtnisnehmer als Erben bestimmt (als Vorschlag) die prozentual evtl. alle noch anfallende Verbindlichkeiten übernehmen sollen. Wenn einer der Benannten das Erbe ausschlägt, verliert er dann den Anspruch auf seinen Vermächtnisbetrag?"

Markus Kühn: Eine Nachfolge in Einzelgegenstände kennt unser Recht nicht. (Nur) der Erbe ist Gesamtrechtsnachfolger des Erblassers. Der Vermächtnisnehmer ist nicht Erbe, sondern besitzt gegen den Nachlass bzw. gegen den Erben nur einen schuldrechtlichen Anspruch. Ein Testament benötigt daher mindestens einen Erben. Bei einem unklaren Testament muss das Nachlassgericht im Erbscheinsverfahren zunächst versuchen, den Erblasserwillen zu ermitteln und insbesondere festzustellen, wer Erbe geworden ist. Wenn die Ermittlung des Erblasserwillens im Testament nicht gelingt, gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch Auslegungsregeln, wie unklare testamentarische Formulierungen im Zweifel zu verstehen sind. Darüber hinaus kann aber auch im Erbscheinsverfahren vor dem Nachlassgericht ein Vergleich geschlossen werden, was im von Ihnen geschilderten Sachverhalt vermutlich der Fall ist. Wenn in diesem Vergleich unter Beteiligung eines Benannten dieser als Erbe festgelegt wird, warum soll er dann ausschlagen? Er hat doch vorher den Vergleich geschlossen, aufgrund dessen er Erbe wird. Ein Vermächtnis steht ihm dann m.E nicht mehr zu. Denn er ist ja nicht Vermächtnisnehmer, sondern war nach dem Vergleich Erbe. Bitte beachten Sie, dass dies aber nur eine erste Einschätzung des geschilderten Sachverhaltes sein kann und eine eingehende rechtliche Beratung nicht ersetzen kann.

 

Marianne K.: "Ich hatte im Zuge einer bevorstehenden Scheidung einen Ehevertrag mit meinem jetzt geschiedenen Mann gemacht, in dem unser bisher gemeinsames Haus im Verzicht auf seine sämtlichen Altersruhegelder mir ganz überschrieben wurde. Allerdings wollte mein Mann sicherstellen, dass das Haus an unsere beiden gemeinsamen Kinder weitervererbt wird. So haben wir dem Ehevertrag einen entsprechenden Erbvertrag hinzugefügt. Ich arbeite jetzt Vollzeit, komme aber mit meiner Rente nicht auf den Betrag, auf den ich hätte normalerweise kommen müssen, wenn ich die 15 Jahre weiter gearbeitet hätte.  Ich bin wieder verheiratet. Jetzt meine Fragen zu folgendem Passus im Erbvertrag: "Falls das Anwesen verkauft wird, ist vermächtnisweise der Verkaufserlös Vermächtnisgegenstand, soweit er nicht für einen angemessenen Unterhalt nach Eintritt in das Rentenalter verwandt wurde." Kann das Haus nur mit Beginn meiner Rente verkauft werden? Was bedeutet "...angemessener Unterhalt..."? Wie sieht das nun aus, wenn ich vor meinem jetzigen Mann sterben sollte? Wie kann ich mich dann versichern, dass auch in dem Falle meine Kinder das Haus erben und nicht die Pflichtteilsregelung greift?"

Markus Kühn: Ohne Kenntnis des gesamten Erbvertrags würde ich den von Ihnen zitierten Passus so deuten, dass Sie berechtigt sein sollen, das Haus jederzeit zu verkaufen. Das ist bei einem Erbvertrag nach dem Gesetz auch grundsätzlich immer so: Zu Lebzeiten kann ein Erblasser verfügen, wie er will. Der Vertragserbe hat keine Möglichkeit, dies zu unterbinden.

Ihren Kindern soll als Vertragserben bei Ihrem Tod ein Anspruch auf den Verkaufserlös zustehen, wenn Sie das Haus verkaufen. Sie dürfen aber nach Eintritt ins Rentenalter einen Teil des Erlöses für sich als „angemessenen Unterhalt“ verwenden. In Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zur Objektivierbarkeit der Unterhaltsberechnung dürfte dies dahin zu verstehen sein, dass unter Berücksichtigung der individuellen Lebensverhältnisse der Ex-Ehegatten keine übertriebene Sparsamkeit, aber auch kein übertriebenes Konsumverhalten beim Unterhalt gemeint ist. Aber selbst wenn Sie mehr als den angemessenen Unterhalt bis zu Ihrem Tod für sich verwenden, können Ihre Kinder faktisch nichts dagegen tun.

Durch den Erbvertrag sind Sie aber insoweit gebunden, dass Sie keine dem Erbvertrag widersprechende letztwillige Verfügung treffen können. Wenn Sie vor Ihrem jetzigen Ehemann versterben, könnte dieser einen Pflichtteilsanspruch gegen die Erben, also Ihre Kinder, geltend machen, da er insoweit enterbt wäre. Da der Pflichtteilsanspruch nur ein Geldanspruch ist, könnte Ihr Mann aber nicht das Haus von den Erben verlangen – falls Sie es bis dahin noch nicht veräußert haben.

 

Helga S.: "Es existieren zwei Testamente, sie sind wortgleich, und offensichtlich zeitgleich angefertigt worden. Nur eines davon macht die zweite Ehefrau zur Alleinerbin, das andere die Tochter. Welches davon ist gültig, oder sind beide ungültig?"

Markus Kühn: Grundsätzlich wird durch die Errichtung eines Testamentes ein früheres Testament insoweit aufgehoben, als das spätere mit dem früheren in Widerspruch steht. Deshalb soll ein Erblasser in einem eigenhändigen Testament auch das Datum der Errichtung angeben. Wäre also hier klar, welches Testament das jüngere ist, wäre auch klar, dass damit die Erbeinsetzung im anderen (älteren) Testament aufgehoben wurde. Aufgrund Ihrer Fragestellung vermute ich, dass die beiden Testamente eine gleiche Datumsangabe beinhalten. Dann gelten beide Testamente als gleichzeitig errichtet. Da sie sich widersprechen, heben sie sich gegenseitig auf. Ist nur eines der beiden Testamente mit einem Datum versehen, hat dieses den Vorrang vor dem undatierten, sofern bei diesem der Zeitpunkt der Errichtung auch nicht anderweitig nachweisbar ist.

 

Jutta T.: "Ich bin 85 Jahre alt und besitze eine Eigentumswohnung und Barvermögen von nahezu gleichem Wert, das ich zu gleichen Teilen an meine beiden Kinder vererben möchte. Es ist mein ausgesprochener Wille, dass mein Erbe ausschließlich meinen eigenen Abkömmlingen, also Tochter und Sohn sowie Enkeltochter zugute kommt. Wie kann ich ausschließen, dass das von mir und meinem bereits verstorbenen Mann erarbeitete Vermögen in fremde Hände kommt? Dies wäre ja der Fall, wenn meine Kinder frühzeitig versterben würden, und das Geld dann in die Hände von deren Partnern bzw. Abkömmlingen käme.“

Markus Kühn: Wenn Sie die Erbfolge über mehrere Erbfälle und Generationen beein­flussen wollen, könnten Sie in Ihrem Testament die Konstruktion einer Vor- und Nacherbschaft wählen. Dies führt zu einer mehrfachen Beerbung dergestalt, dass zunächst der Vorerbe und danach der Nacherbe Erbe des Erblassers werden. Der Vorerbe wird also nur Erbe auf Zeit und die Erbschaft, die im Nacherbfall (häufig beim Tod des Vorerben) an den Nacherben herauszugeben ist, stellt beim Vorerben ein Sondervermögen dar. Der Vorerbe vererbt bei seinem Tod somit sein Eigenvermögen an die von ihm Bedachten, das Sondervermögen hingegen fließt an den Nacherben. Dinge, die der Vorerbe mit Mitteln der Vorerbschaft erwirbt oder als Ersatz für die Zerstörung oder Beschädigung von Erbschaftsgegenständen erhält, gehören automatisch zur Nacherbschaft. Sie könnten also Ihre Kinder als Vorerben und die Enkelin als Nacherbin einsetzen. Die Vor- und Nacherbschaft ist aber rechtlich kompliziert und der Vorerbe unterliegt diversen Beschränkungen. Wenn Sie Ihre Kinder daher in einem Testament durch die Einsetzung eines Nacherben beschränken wollen, sollten Sie sich bei der Umsetzung rechtlich beraten lassen. Ein als Erbe berufener Pflichtteilsberechtigter, hier also Ihre Kinder, kann den mit der Nacherbschaft beschränkten Erbteil ausschlagen und dafür den Pflichtteil verlangen.

 

Zlatko Z.:"Mein Frau hat zwei Kinder und ich habe eins mit in die Ehe gebracht. Alle sind erwachsen und mittlerweile aus dem Haus. Wir wohnen in ihrem Elternhaus, das ihr überschrieben wurde und in dem ihre Eltern(85+79) lebenslanges Wohnrecht besitzen (Nießbrauch). Ich dagegen besitze ein Haus in Kroatien (strebt EU Beitritt an). Was passiert, wenn jeweils der eine verstirbt, mit den Immobilien laut gesetzlichem Erbrecht? Was sollte man tun (Testament?)"Markus Kühn: Sofern Sie und Ihre Frau kein Testament machen, kommt das gesetzliche Erbrecht zur Anwendung. Das würde beim Erstversterben Ihrer Frau bedeuten, dass Sie und die Kinder Ihrer Frau eine Erbengemeinschaft bilden würden und nur gemeinschaftlich über die Immobilie Ihrer Frau verfügen könnten. Sofern sich die Miterben nicht einigen können, kann letztlich auch jeder Miterbe eine Teilungsversteigerung beantragen, bei der die Immobilie versteigert wird, um anschließend den Erlös zu verteilen.

Markus Kühn: Wenn Sie kroatischer Staatsangehöriger sind und zuerst sterben würden, würden nach dem dann anzuwendenden kroatischen Erbrecht Ihre Frau und Ihr Kind zu gleichen Teilen erben und ebenfalls eine Erbengemeinschaft bilden. Sobald durch das Nachlassgericht die Quoten der einzelnen Erbteile festgestellt worden sind, kann auch hier jeder Erbe jederzeit die Erbauseinandersetzung verlangen. Wollen Sie und Ihre Frau Erbengemeinschaften verhindern, empfiehlt es sich, dass Sie beide ein Testament errichten, das den Formerfordernissen Ihres jeweiligen Heimatstaates entspricht. So kann zum Beispiel nach deutschem Recht eine Erbengemeinschaft dadurch verhindert werden, dass nur eine Person Erbe und weitere, dem Erblasser nahestehenden Personen, Vermächtnisse erhalten. Dabei sollte aber auch das Pflichtteilsrecht beachtet werden.

Für Erblasser, die nach Mitte 2015 sterben, wird in den meisten EU-Staaten eine neue EU-Erbrechtsverordnung gelten. Dann wird Hauptanknüpfungspunkt für das anwendbare Recht nicht mehr die Staatsangehörigkeit sein, sondern die gesamte Rechtsnachfolge unterliegt grundsätzlich dem Recht des Staates, in dem der Erblasser im Zeit­punkt seines Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Ein Erblasser kann aber auch sein Heimatrecht als anwendbares Erbrecht wählen. Die Verordnung wird vermutlich die Abwicklung internationaler Nachlässe in der EU vereinfachen.

 

Edgar G.: "Wir haben ein Berliner Testament errichtet. Da unser einziges Kind bereits verstorben ist, haben wir als Schlusserben unsere (einzigen) beiden Enkelkinder (= leibliche Kinder unserer verstorbenen Tochter) eingesetzt. Es stellt sich die Frage, ob auch Enkelkindern ein Pflichtteilsanspruch zusteht, den sie (bzw. die gesetzlichen Vertreter, solange die Enkelkinder nicht volljährig sind) nach dem Tode eines Ehegatten einfordern können? Falls ein "Pflichtteilsanspruch besteht, bitten wir um Mitteilung, wie wir den Zugriff auf diesen Anspruch bis nach dem Tod beider Ehegatten verhindern können."

Markus Kühn: Abkömmlinge eines Erblassers, also seine Verwandten in gerader absteigender Linie (Kinder, Enkel, Urenkel), können einen Pflichtteil verlangen, wenn sie durch ein Testament von der Erbfolge ausgeschlossen sind. Dies aber nur dann, wenn nicht die in der Linie vorgehenden Abkömmlinge vorhanden und erbberechtigt sind. Durch Ihr Berliner Testament werden im ersten Erbfall Ihre Enkel, die erbrechtlich an die Stelle ihrer verstorbenen Mutter treten, enterbt. Sie könnten also einen Pflichtteil geltend machen. Sicher verhindern können Sie dies nur, wenn Ihre Enkel vor dem ersten Erbfall einen notariellen Pflichtteilsverzicht erklären würden. Solange Ihre Enkel minderjährig sind, müsste dem der gesetzliche Vertreter, vermutlich also der Vater, zustimmen und es wird die Genehmigung des Familiengerichts erforderlich sein. Nicht so sicher wie ein Pflichtteilsverzicht wäre eine sogenannte Pflichtteilsstrafklausel. Mit einer solchen können Sie im Testament anordnen, dass derjenige Pflichtteilsberechtigte, der im ersten Erbfall den Pflichtteil fordert, auch beim Tod des längerlebenden Ehegatten nur den Pflichtteil erhalten soll, also dann auch nicht Schlusserbe wird.

 

Charlotte G.: " Meine Tante, 89 Jahre alt und seit Jahren verwitwet, hat keine Kinder und auch keine Verwandten mehr -außer den Nichten und Neffen ihres verstorbenen Ehemannes, wozu ich auch gehöre. Seit dessen Tod kümmere ich mich um sämtliche Belange meiner Tante und habe auch alle Vollmachten für Konten, Krankenkasse usw. - sowie eine Vorsorgevollmacht. Vor einigen Jahren verfasste sie noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte handschriflich ein Testament zu meinen Gunsten - wo u.a. auch die Auflösung ihres Nachlassses durch mich gewünscht ist. Die übrigen Nichten und Neffen sind anteilsmäßig begünstigt. Das Testament befindet sich somit allein in meinen Händen. Leider leidet meine Tante in letzter Zeit zunehmend an altersbedinger Demenz und hat nun schon einige Male darüber nachgedacht, ihr Testament zu Gunsten anderer Personen zu ändern - was natürlich nicht in meinem Sinn ist, da ich sie nach wie vor voll betreue. Wie ist es nun, falls der Todesfall eintritt und es taucht ein neues Testament auf, von dem ich nichts weiß? Kann ein bereits vor Jahren abgefasstes Testament evtl. noch beim Notar bzw. AG hinterlegt werden?“
Markus Kühn: Selbst wenn das vor Jahren abgefasste Testament beim Amtsgericht hinterlegt würde, würde dies nicht die darin festgelegte Erbregelung auf alle Zeiten zementieren. Die Hinterlegung dient nur der Sicherstellung, dass ein Testament nicht verschwindet oder vernichtet wird und beim Tod des Erblassers auch eröffnet wird. Gibt es weitere Testamente Ihrer Tante müssten das alte und alle weiteren Testamente bei ihrem Tod beim Nachlassgericht abgeliefert werden. Dazu ist nach § 2259 BGB jeder verpflichtet, der ein Testament im Besitz hat und vom Tod des Testierenden Kenntnis erlangt. Grundsätzlich ist von der Testierfähigkeit einer Person auszugehen, eine Störung der Geistestätigkeit bildet die Ausnahme. Normalerweise ist ein selbständiges Beweisverfahren vor dem Nachlassgericht über die Testierfähigkeit eines noch lebenden Erblassers unzulässig. Sie müssten daher bei Beantragung des Erbscheins Tatsachen vortragen und gegebenenfalls unter Beweis stellen, dass Ihre Tante bei der Erstellung späterer und zu Ihren Ungunsten ausfallender Testamente nicht mehr testierfähig war und diese Testamente daher nichtig sind, um eine Ermittlungspflicht des Nachlassgerichtes auszulösen. In einem gegebenenfalls erforderlichen Rechtsmittelverfahren wären Sie grundsätzlich beweispflichtig für die vorgebrachte Testierunfähigkeit. Soweit Sie aufgrund der Vorsorgevollmacht dazu berechtigt sind, könnten Sie auch jetzt schon zumindest versuchen, entsprechende Feststellungen durch den behandelnden Arzt Ihrer Tante zu erlangen.

 

Hermine K.: "Meine Mutter und mein Stiefvater haben 1978 ein gemeinschaftliches Testament vor dem Notar gemacht, in dem sie sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzten. Mein Stiefvater ist nach diesem Testament aber nur Vorerbe, ich bin Nacherbin. Beim Tod meiner Mutter im Jahr 2002 wurde das Testament eröffnet. 2011 wurde ich bedrängt, dass das elterliche Reihenhaus verkauft werden konnte, ich stand im Grundbuch, was ich zuvor gar nicht wusste. 2011 habe ich auch erfahren, dass mein Stiefvater meinen Cousin als Erben eingesetzt hat. Ich habe nie einen Pflichtteil (nach dem Tod meiner Mutter) verlangt und auch kein Geld bekommen. Ist das rechtens?“
Markus Kühn: Wenn ein Vorerbe über ein zur Erbschaft gehörendes Grundstück verfügt, ist diese Verfügung im Falle des Eintritts der Nacherbfolge insoweit unwirksam, als sie das Nacherbenrecht beinträchtigt.  Zwar kann ein Vorerbe von dieser Beschränkung befreit werden (sog. befreiter Vorerbe), er kann aber dennoch nicht unentgeltlich über das Grundstück verfügen. Zur Sicherung des Nacherben wird dazu ein Nacherbenvermerk im Grundbuch eingetragen. Vor der Löschung dieses Vermerks ist der Nacherbe stets vom Grundbuchamt anzuhören. Aufgrund der angeordneten Vor- und Nacherbschaft war hier vermutlich ein solcher Vermerk im Grundbuch und Sie wurden als Nacherbe gehört und von Ihrem Stiefvater zur Zustimmung zur Veräußerung gedrängt. Aufgrund Ihrer Zustimmung war die Grundstücksveräußerung grundsätzlich wirksam. Ein gemeinschaftliches Testament kann von dem längerlebenden Ehegatten, hier also Ihrem Vater, nur in Ausnahmefällen wirksam geändert werden. Nämlich dann, wenn die darin getroffenen Verfügungen nicht wechselbezüglich sind oder für den Längerlebenden eine Abänderungsklausel geregelt wurde. Ist im Testament die Anordnung der Vor- und Nacherbschaft als wechselbezüglich bestimmt, kann Ihr Stiefvater dies nicht mehr einseitig abändern und Sie werden Nacherbin hinsichtlich des von Ihrer Mutter verbliebenen Vermögens, wenn Sie ihn überleben. Allerdings dürfte die Abwicklung der Nacherbschaft praktisch sehr kompliziert werden. Über sein eigenes Vermögen könnte Ihr Vater wirksam in einem eigenen Testament verfügen, wenn die Bestimmung des Erben auf den Tod des Letztversterbenden nicht als wechselbezüglich, sondern als einseitige Verfügung angeordnet ist.
Einen Pflichtteil hätten Sie verlangen können, wenn Sie den durch die Einsetzung als Nacherbin beschränkten Erbteil ausgeschlagen hätten. Die Ausschlagungsfrist begann, als Sie von der Beschränkung Kenntnis erlangt haben und betrug sechs Wochen.

 

Gerda J.: "Mein Bruder und ich sind beide über 70 Jahre alt, ledig und ohne Kinder. Wir besitzen ein Zwei-Familienhaus in bester Lage, das wir an eine Angestellte vererben oder verschenken wollen. Wie machen wir das richtig? Wie hoch sind die Steuern?"
Markus Kühn: Eine pauschal richtige Lösung kann ich Ihnen in diesem Rahmen nicht bieten, da verschiedene Gesichtspunkte zu berücksichtigen und mit Ihren Zielen abzustimmen sind. Einige Punkte möchte ich Ihnen hier aufzeigen: Eine lebzeitige Übertragung von Vermögenswerten sollte grundsätzlich nur dann in Betracht gezogen werden, wenn diese auch bei unvorhergesehenen Ereignissen, wie beispielsweise einer längeren Pflegebedürftigkeit, nicht benötigt werden. Insbesondere muss sichergestellt sein, dass Sie jederzeit liquide bleiben. Bei einer schenkweisen Übertragung könnte jeder von Ihnen Ihrer Angestellten alle zehn Jahre 20.000 Euro schenkungsteuerfrei zukommen lassen. Darüber hinausgehende Zuwendungen müsste diese mit einem Steuersatz von 30% versteuern. Das gleiche gilt bei einem Erwerb von Todes wegen. Zu klären wären insbesondere die Eigentumsverhältnisse. So sollte sichergestellt sein, dass es bei Erbschaft oder Schenkung nicht zu unerwünschten Streitigkeiten mit der Angestellten als Bruchteilseigentümerin kommen kann. Es könnte bei Schenkungen beispielsweise durch besondere Vereinbarungen über die Verwaltung und die Aufhebung der Gemeinschaft sichergestellt ggwerden, dass die Angestellte nicht die Verwaltung des Grundbesitzes behindern oder gar die Teilungsversteigerung betreiben kann. Insbesondere bei einer testamentarischen Gestaltung kämen Wohnungs- oder Nießbrauchsrechte für den längerlebenden Geschwisterteil in Betracht. Auch könnte – soweit nicht bereits geschehen - daran gedacht werden, das Haus in Wohnungseigentum aufzuteilen, so dass jeder von Ihnen sein Eigentum frei vererben/verschenken kann, ohne dass der andere durch den neuen Eigentümer beeinträchtigt werden kann.

 

Hans D.: " Ich habe mit meiner ersten Frau ein Berliner Testament abgefasst, in dem unsere gemeinsame, nun 36 Jahre alte Tochter als einzige Erbin eingesetzt ist. Nun bin ich zum zweiten Mal verheiratet und frage mich, wie ich meine jetzige Frau am Erbe beteiligen kann. Kann ich ihr Teile meines Vermögens zu Lebzeiten überschreiben? Muss ich meine Tochter dazu bringen, auf einen Teil des Erbes verzichten?"
Markus Kühn: Ich gehe davon aus, das Ihre erste Frau gestorben ist, die Ehe also nicht durch Scheidung beendet wurde. Mit dem Tod des erstversterbenden Ehegatten erlischt bei einem Berliner Testament das Recht des anderen Ehegatten sogenannte wechselbezügliche Verfügungen des Testaments zu widerrufen, wenn nicht explizit etwas anderes geregelt wurde. Zu den wechselbezüglichen Verfügungen zählt insbesondere die Einsetzung gemeinsamer Kinder als Schlusserben. Das bedeutet, dass Sie grundsätzlich nicht mehr wirksam zugunsten Ihrer jetzigen Frau testieren können. Ihre Testierfreiheit hätten Sie durch Ausschlagung der Erbschaft nach Ihrer Frau wiedererlangen können. Eine andere Möglichkeit wäre eine Selbstanfechtung Ihrer eigenen wechselbezüglichen Verfügungen im Berliner Testament wegen Hinzutretens eines neuen Pflichtteilsberechtigten (Ihre neue Ehefrau). Die Frist für eine solche Anfechtung wäre ein Jahr nach Eheschließung. Sie muss gegenüber dem Nachlassgericht abgegeben werden und bedarf der notariellen Beurkundung. Die Rechtsfolgen einer solchen Anfechtung sind in Rechtsprechung und Literatur umstritten. Nach einer Auffassung kann danach rückwirkend auf den ersten Todesfall die gesetzliche Erbfolge eintreten, Ihre Tochter würde dann also rückwirkend Miterbin nach Ihrer ersten Ehefrau werden. Zu Lebzeiten können Sie grundsätzlich uneingeschränkt über Ihr Vermögen verfügen, also durch Schenkungen die Erbaussichten des Schlusserben schmälern. Nach Ihrem Tod könnte aber Ihre Tochter von dem Beschenkten die Herausgabe der Geschenke fordern, wenn Sie diese Schenkungen in der Absicht gemacht haben, die Schlusserbin zu beeinträchtigen, wenn also kein anerkennenswerter Grund für Ihre Schenkungen bestand.

 

Marianne W.: " Ich bin geschieden und habe zwei Kinder (31 und 28 Jahre alt) und besitze eine abbezahlte Eigentumswohnung. Nachdem mein 1. Kind einen Pflichtteilsverzicht beim Notar unterzeichnet hat (er wurde mit Bargeld ausbezahlt) würde ich dem 2. Kind die Wohnung vererben. Reicht die Formulierung im Testament: "Hiermit setze ich mein 2. Kinde als Alleinerben meiner Eigentumswohnung ein"? Ich will verhindern, dass das 1. Kind doch noch seinen gesetzliches Viertelanteil einfordern kann."
Markus Kühn: Sofern Sie in einem formwirksamen Testament Ihr zweites Kind als Alleinerben einsetzen, kann ihr erstes Kind keinen Pflichtteil mehr von dem Alleinerben fordern. Zwar steht einem enterbten Kind grundsätzlich ein Pflichtteil zu, das gilt aber nicht, wenn es notariell darauf verzichtet hat. Zwingende Formvorschrift für das eigenhändige Testament ist, dass es eigenhändig geschrieben und unterschrieben ist. Daneben sollten Ort und Datum im Testament angegeben sein. Unser Recht kennt keine Nachfolge in Einzelgegenstände, sondern ein Erbe ist Gesamtrechtsnachfolger des Erblassers. Daher sollte ein Testament zumindest bei mehr als einem Erben immer eine Erbeinsetzung nach Quoten enthalten. Da Ihr zweites Kind wohl Alleinerbe Ihres gesamten Vermögens sein soll und nicht nur ein Vorrecht hinsichtlich der Wohnung haben soll, sollten Sie nur formulieren, dass es Alleinerbe ist und den Zusatz „meiner Eigentumswohnung“ weglassen. Um sicherzustellen, dass das Testament nach Ihrem Tod nicht abhanden kommt oder unberechtigt vernichtet wird, empfiehlt sich, dies in die amtliche Verwahrung beim Amtsgericht zu geben.

 

Martin M.: "Meine Mutter (88) macht sich Gedanken über die Vererbung Ihres Vermögens (Bankguthaben). Es gibt einen Sohn und eine Tochter und einen erwachsenen Enkelsohn (Sohn der Tochter). Meine Mutter möchte auf keinen Fall, dass der Enkel etwas erbt. Gibt es eine Möglichkeit testamentarisch festzulegen, dass die Tochter erben kann, aber sollte der Erbfall nach deren Ableben eintreten, der Enkelsohn nichts erben kann?"
Markus Kühn: Ihre Mutter kann im Testament ihre Tochter einsetzen und eine andere Person als den Enkel als Ersatzerben bestimmen. Ein Ersatzerbe ist nicht Nachfolger des Erben, sondern ist statt des Erben berufen. Er erbt also nur in dem Fall, dass der Erbe vor oder auch nach dem Erbfall (zum Beispiel durch Ausschlagung der Erbschaft durch den Erben) wegfällt. Ohne eine Ersatzerbenbestimmung im Testament kämen bei Vorversterben der Tochter die gesetzlichen Auslegungsvorschriften zur Anwendung. Danach würde hier davon ausgegangen werden, dass der Enkel an die Stelle seiner Mutter tritt und danach Erbe wird.
Davon zu unterscheiden ist die Einsetzung eines Nacherben. Will Ihre Mutter sichergehen, dass der Enkel vom Vermögen Ihrer Mutter auch nichts auf dem Weg erhält, dass zunächst die Tochter und dann der Enkel von der Tochter erbt, könnte Ihre Mutter die Tochter zur Vorerbin und eine dritte Person zum Nacherben bestimmen. Dann erbt der Sohn nicht das Vermögen von seiner Mutter, das diese von Ihrer Mutter erhalten hat. Die Einsetzung von Vor- und Nacherben beschränkt den Vorerben aber unter Umständen stark und ist rechtlich kompliziert. Der von Ihnen geschilderte Fall kann mit der oben geschilderten einfachen Einsetzung eines Ersatzerben geregelt werden.

 

Ilona H.: "Mein Mann und ich haben uns für das Berliner Testament entschieden.
Muss das Testament unbedingt vom Notar bestätigt werden?
Genügt eine schriftliche Festlegung von uns?"
Markus Kühn: Ein Berliner Testament, mit dem sich Ehegatten gegenseitig als Alleinerben und nach dem Tod des Letztversterbenden in der Regel ihre Kinder als Schlusserben einsetzen, muss nicht von einem Notar gefertigt werden, um wirksam zu sein. Es ist formwirksam, wenn es von einem Ehepartner handschriftlich verfasst wird und beide Ehegatten es unter Angabe von Ort und Datum unterschreiben. Beim Berliner Testament gibt es einige Fallstricke, wie zum Beispiel Pflichtteilsansprüche von Abkömmlingen, mögliche Erbschaftsteuernachteile oder die grundsätzliche Nichtabänderbarkeit nach dem Tod eines Ehegatten. Eine Beratung und Unterstützung durch einen Rechtsanwalt oder Notar bei der Testamentsgestaltung ist daher grundsätzlich empfehlenwert.

 

Nikolaus H.: "Meine Lebensgefährtin ist 72 Jahre alt und ich bin 70 Jahre alt. Wir wohnen seit 30 Jahren in meinem Haus. Ich habe keine Kinder. Ich möchte, falls ich zuerst sterbe, dass meine Lebensgefährtin lebenslang unentgeltlich in meinem Haus wohnen kann. Reicht dazu ein handgeschriebene Verfügung oder muss ein solches Wohnrecht notariell gemacht werden?"
Markus Kühn: Sie können auch in einem handschriftlichen Testament ein Wohnungsrechtsvermächtnis anordnen. Damit können Sie sicherstellen, dass Ihre Lebensgefährtin nach Ihrem Tod in der bisherigen Wohnung wohnen bleiben kann, ohne dass das Eigentum an der Wohnung an Ihre Partnerin übergeht. Sie können also in dem Testament anordnen, dass eine andere Person als Ihre Lebensgefährtin Erbe wird und den Erben mit dem Wohnungsrechtsvermächtnis belasten. Aufgrund eines solchen Vermächtnisses hätte dann Ihre Lebensgefährtin einen Anspruch auf Eintragung des Wohnrechts im Grundbuch nach Bewilligung von Seiten des Erben. Dieser Erfüllungsanspruch des Wohnungsrechtsvermächtnisnehmers kann gegebenenfalls auch noch zusätzlich gesichert werden durch verschiedene Gestaltungen wie z.B. einer Vollmacht des Vermächtnisnehmers über den Tod des Erblasser hinaus zur Erklärung der Einigung und Abgabe der erforderlichen Grundbucherklärungen oder der Einsetzung des Vermächtnisnehmers zum Testamentsvollstrecker zum Zwecke der Erfüllung des Wohngsrechtsvermächtnisses.

 

Günther S.: "Meine Frau und ich haben uns im Testament gegenseitig zu alleinigen Erben eingesetzt. Erbe des Letztverstorbenen soll unser Sohn sein. Meine Frage diesbezüglich, kann im Testament verfügt werden, dass bei Beanspruchung des Pflichtteilanspruches nach Ableben eines Ehegatten, (z.B. durch eine Pflichtteilsklausel), der Schlusserbe (Sohn) enterbt wird? Gibt es eine zeitgliche Begrenzung, für ein mit eigener Hand geschriebenes Testament?

Markus Kühn: Bei dem von Ihnen verfassten sogenannten Berliner Testament wird Ihr Sohn im ersten Erbfall faktisch enterbt. Er könnte daher einen Pflichtteilsanspruch - das ist ein Geldanspruch - gegen den überlebenden Ehegatten geltend machen, was zu Liquiditätsproblemen für den Längerlebenden führen kann. Der Pflichtteilanspruch kann sicher nur durch einen notariellen Pflichtteilsverzicht Ihres Sohnes vermieden werden. Eine von Ihnen angesprochene testamentarische Pflichtteils(straf)klausel hätte aber zumindest eine Abschreckungswirkung. Diese kann so ausgestaltet werden, dass Ihr Sohn im zweiten Erbfall enterbt und damit wiederum nur den Pflichtteil erhält, wenn er bereits im ersten Erbfall seinen Pflichtteil geltend macht. Bedenken Sie dabei, dass der überlebende Ehepartner nach dem Eintritt dieser Bedingung (Geltendmachung des Pflichtteils) grundsätzlich nicht mehr reagieren und anderweitig testieren kann, wenn er sich z.B. mit dem Sohn versöhnt. Denn er ist nach dem Versterben des Ehepartners grundsätzlich an das gemeinsame Testament gebunden. Im Testament könnte daher auch eine Befreiung von der Bindungswirkung im Falle der Geltendmachung des Pflichtteilsanspruchs festgelegt werden. Dann kann der Überlebende selbst entscheiden, ob er Ihren Sohn von der Erbfolge ausschließt, wenn dieser den Pflichtteil im ersten Erbfall geltend macht. Eine „Verfallsdauer“ für ein handschriftliches Testament gibt es nicht. Grundsätzlich sollte man aber regelmäßig prüfen, ob der im Testament verfasste Wille noch den aktuellen Zielen und Wünschen entspricht.

 

Willi G.: „Meine Frau und ich sind Niederländer und haben vor unserer Hochzeit 1974 einen nach niederländischem Recht notariell beurkundeten Ehevertrag mit Gütertrennung unterschrieben. Nun ist es an der Zeit ein Testament zu machen, auch weil wir zusammen ein Haus haben. Unser Wille wäre das „Berliner Testament“. Können wir dieses Vorhaben unmittelbar anhand eines gemeinschaftlichen Ehegattentestament realisieren oder müssen wir zunächst den oben genannten Ehevertrag beachten und ihn - vor einem niederländischen Notar? - widerrufen, aufheben oder ändern lassen (z.B. in Gütergemeinschaft)? Zweite Frage: Muss das Testament nach dem Staatsangehörigkeitsprinzip dem niederländischen Recht entsprechen oder kann es nach deutschem Recht errichtet werden? Letzteres würde unseren Kindern, die ebenfalls hier leben, sehr entgegenkommen."
Markus Kühn: In einem Testament können niederländische Erblasser eine Rechtswahl vornehmen und deutsches Recht wählen, wenn sie in Deutschland ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. Die Rechtswahl muss der Form einer letztwilligen Verfügung genügen und das gewählte Recht bestimmt dann auch die materielle Wirksamkeit. Sie können also grundsätzlich in einem Berliner Testament deutsches Recht wählen und entsprechend nach deutschem Recht testieren. Wenn Sie kein notarielles Testament errichten wollen, muss das private Testament zumindest handschriftlich geschrieben, mit Datum versehen und von Ihnen beiden unterschrieben sein, um formwirksam zu sein. Da Erbrecht mit internationalem Bezug oft komplexe Fragestellungen aufwirft, sollten Sie sich aber anwaltlich beraten lassen.

 

Heidrun P.: "Folgende Situation: Ein Ehepaar hat eine Tochter. Die Ehefrau/Mutter ist 1997 verstorben. In einem Berliner Testament war vereinbart worden, dass der Überlebende mit dem Vermögen tun kann, was er möchte. Die Tochter ist verheiratet (zwei Mal geschieden), hat aus erster Ehe ein Kind und verstarb nun 2012. Nun ist also nur noch die Enkelin da. Hat diese einen Anspruch auf das Vermögen ihres Großvaters? Dieser hat beim Amtsgericht ein Testament hinterlegt, in dem die Enkelin nicht vorkommt. Ist das in Ordnung so oder steht ein Familiendrama ins Haus?"
Markus Kühn: Da ich den genauen Wortlaut des Berliner Testamentes nicht kenne, kann ich nur eher allgemein antworten: Bei einem Berliner Testament setzen sich in der Regel Ehegatten gegenseitig als Alleinerben und ihre Abkömmlinge als Schlusserben nach dem letztversterbenden Ehegatten ein. In der Praxis stellt sich häufig die Frage, ob die Ehegatten wechselbezüglich verfügt haben, das heißt, ob die einzelnen Verfügungen der Ehegatten im Testament voneinander abhängen und nur mit Rücksicht auf die jeweils anderen getroffen wurde. Eine Wechselbezüglichkeit wird gesetzlich vermutet, wenn sich Ehegatten gegenseitig bedenken und ihre Abkömmlinge Schlusserben sein sollen. Nach dem Tod eines Ehegatten ist der andere dann grundsätzlich an dieses Testament gebunden, zumindest soweit es wechselbezügliche Verfügungen betrifft. Wurde also die Tochter im Berliner Testament als Schlusserbin eingesetzt, kann der überlebende Ehegatte nicht mehr durch ein eigenes Testament einen anderen Erben einsetzen. Eine Klausel, wonach „der Überlebende mit dem geerbten Vermögen tun kann, was er möchte“, ist wohl eher dahingehend auszulegen, dass der Ehemann nur lebzeitig, nicht auch von Todes über das ererbte Vermögen verfügen kann. Dann wäre aber weiterhin die Tochter Schlusserbin beim Tod des Ehemanns gewesen. Haben die Ehegatten keinen Ersatzschlusserben bestimmt, wird gesetzlich vermutet, das Abkömmlinge des Schlusserben an seine Stelle treten, wenn der Schlusserbe ein Abkömmling der Erblasser war. In diesem Fall würde also die Enkelin Erbin werden.

 

Christine F.: "Mein Mann und ich haben ein Haus gekauft, jeder hat die Hälfte an Eigenkapital erbracht und der Rest wird finanziert. Beide haben wir in die 2.Ehe volljährige Kinder mitgebracht und möchten nur auf das Haus bezogen eine Regelung finden bei der die 50/50 Zuteilung bleibt, d.h. ich habe einen Sohn und mein Man einen Sohn und eine Tochter (also 25/25). Wir möchten sicherstellen, dass im Erbfall der Partner, aber auch das Kind/Kinder ihren Anspruch haben.
z.b. wenn ich versterbe, möchte ich, dass das Erbe für meinen Sohn, also 50 des Haus auch für Ihn bleibt. Jedoch soll mein Mann, bis zu seinem Lebzeiten auch abgesichert sein. Wenn allerdings mein Sohn erstmal 25% bekäme und mein Mann verkauft, möchte ich, dass er seine restlichen 25% erhält. Was raten Sie mir?"
Markus Kühn: In einem Testament können Sie auch regeln, was mit dem Haus passieren soll, wenn einer von Ihnen stirbt. Eine Nachfolge in Einzelgegenstände kennt aber unser Recht nicht. Der Erbe ist Gesamtrechtsnachfolger des Erblassers, tritt also in dessen Rechtsstellung ein und zwar als Alleinerbe allein, als Miterbe mit anderen Erben zu einem Bruchteil. In einem Testament sollte daher immer geregelt sein, wer Erbe zu welcher Erbquote sein soll. Erbengemeinschaften mit mehreren Erben können überdies immer zu Problemen und Streitigkeiten führen, insbesondere wenn Immobilien im Nachlass sind. Das kann man vermeiden, wenn man einen Alleinerben einsetzt und anderen Personen mittels eines Vermächtnisses etwas zuwendet. Der Vermächtnisnehmer ist kein Erbe, sondern hat einen schuldrechtlichen Anspruch auf Erfüllung des Vermächtnisses gegen den Erben. Sie könnten beispielsweise in einem gemeinschaftlichen Testament den jeweiligen Ehegatten als Alleinerben einsetzen und Ihren Kindern mittels Vermächtnissen Geldansprüche in Höhe des Wertes Ihrer Hausanteile zukommen lassen. Sie könnten den Kindern auch die Grundstücksanteile vermachen und dem anderen Ehegatten Wohnrechte vorbehalten. Es kommen viele weitere rechtliche Gestaltungen (u.a. auch Vor- und Nacherbschaft) in Betracht, die hier nicht alle dargelegt werden können. Sie sollten sich daher anwaltlich beraten lassen. Wichtig ist, dass genau festgestellt wird, was Ihnen besonders wichtig ist, um die optimale Regelung zu finden.

 

Karina K.: "Ich bin alleinstehend, geschieden und habe keine Kinder. Im Falle meines Ablebens wäre mein einziger Bruder (er ist verheiratet und hat einen 15jährigen Sohn) der alleinige Erbe. Unsere Eltern sind bereits verstorben. Aufgrund meines sehr negativen Verhältnisses zu meiner Schwägerin möchte ich unter allen Umständen vermeiden, dass sie im Falle meines Ablebens an der Erbschaft partizipiert. Gibt es eine Möglichkeit dies testamentarisch auszuschließen, ohne möglichst meinen Bruder zu benachteiligen?
Kann ich zum jetzigen Zeitpunkt bereits meinen noch nicht volljährigen Neffen als Alleinerbe einsetzen? Wer würde dann den Nachlass verwalten?"

Markus Kühn: Um sicherzustellen, dass nach dem Tod Ihres Bruders Ihre Schwägerin nicht das Vermögen erben kann, dass er von Ihnen geerbt hat, könnten Sie Ihren Bruder als Vorerben und Ihren Neffen als Nacherben einsetzen. Die Vor- und Nacherbschaft ist aber ein kompliziertes Rechtsinstitut, das den Vorerben in seiner Handlungsfreiheit bezüglich des Nachlasses stark einschränkt. Sofern Sie keine sogenannte befreite Vorerbschaft anordnen, kann der Vorerbe überdies unter anderem auch nicht über ein zur Erbschaft gehörendes Grundstück verfügen und unentgeltliche Verfügungen über Nachlassgegenstände vornehmen.
Sie könnten auch Ihren minderjährigen Neffen als Alleinerben einsetzen. Das geerbte Vermögen würde dann – sofern Sie nichts weiter regeln - von seinen Eltern verwaltet. In bestimmten Fällen ist für Verwaltungsmaßnahmen der Eltern eine Genehmigung des Familiengerichts erforderlich, zum Beispiel bei diversen Grundstücksgeschäften oder Verfügungen über das Gesamtvermögen und nicht nur einzelne Nachlassgegenstände. Von der Vermögenssorge der Eltern ausgeschlossen ist insbesondere das Vermögen, das ein Testamentsvollstrecker verwaltet oder hinsichtlich dessen der Erblasser die Verwaltung durch die Eltern ausgeschlossen hat. Sie können in einem Testament auch nur ein Elternteil, hier also die Schwägerin, von der Vermögensverwaltung für Ihren minderjährigen Neffen ausschließen. Dann dürfte das Nachlassvermögen nur Ihr Bruder verwalten und insoweit Ihren Neffen vertreten.

 

Michael S: Da ich bereits im gesetzten Alter bin (fast 90), geht mir natürlich mein bereits verfasstes Testament durch den Kopf. Habe ich alles richtig gemacht? Ich ging bis dato davon aus. Mein Eigentum ist bereits vom Notar auf die Nachfolge umgeschrieben. Da kann nichts mehr passieren. Mein „Privates" habe ich geregelt und den Rest über ein handgeschriebenes von mit verfasstes Testament. Leider habe ich im handgeschrieben Testament nicht den Satz eingefügt, „im Vollbesitz meiner geistigen Kraft, und bzw. aus freien Willen".
Dies war für mich ja selbstverständlich, sonst hätte ich es ja nicht so geschrieben.
Können sich für meine von mir benannten Erben, durch die Unterlassung dieses oben genannten Satzes, Schwierigkeiten oder sogar Streitigkeiten unter den Erben ergeben?

Markus Kühn: Für die formelle Wirksamkeit eines eigenhändigen Testamentes gibt es nur wenige zwingende Vorschriften: Es muss eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein. Ist dies nicht der Fall, führt dies zur Formnichtigkeit des Testamentes. Ferner sollte das Testament eine Datums- und Ortsangabe enthalten. Dies ist zwar keine zwingende Formvorschrift, aber aus Beweisgründen dringend zu empfehlen. Die von Ihnen angeführten Eingangsformeln sind kein zwingender Bestandteil eines Testamentes. Grundsätzlich ist jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, testierfähig, es sei denn, er ist infolge einer Störung der Geistestätigkeit, Geistesschwäche oder von Bewusstseinsstörungen nicht in der Lage, die Bedeutung der von ihm abgegebenen Erklärung zu erkennen. Die Testierfähigkeit muss im Zeitpunkt der Errichtung des Testamentes vorgelegen haben. Bis zum Beweis des Gegenteils ist ein Erblasser als testierfähig anzusehen. Wer sich auf die Testierunfähigkeit des Erblassers beruft, trägt daher im Erbscheinsverfahren die Feststellungslast beziehungsweise die Beweislast in einem Zivilprozess. Solange also an Ihrer Testierfähigkeit keine Zweifel bestehen, können sich Schwierigkeiten oder Streitigkeiten unter Ihren Erben eher ergeben, wenn das Testament ansonsten unklar formuliert ist - nicht aber, weil eine bestimmte Formulierung nicht verwendet wurde.

 

Marita B.: "Mein Mann und ich sind geschieden und in zweiter Eher miteinander verheiratet. Mein Mann hat einen Sohn aus erster Ehe, ich habe zwei Töchter aus erster Ehe. Unsere Immobilie, sowie das Barvermögen sollen an diese 3 Kinder als Schlusserben zu gleichen Teilen (jeweils 1/3) vererbt werden. Zu diesem Zwecke müssten wir gegenseitig den zuletzt Versterbenden als Alleinerben einsetzen. Unser Wunsch ist es, dass unsere Kinder nach dem Ableben des Erstversterbenden auf ihren Pflichtteil verzichten, um dann als Schlusserben zu gleichen Teilen zu erben. Wie kann dieser Wunsch von uns notariell festgelegt werden? Werden diese 3 Kinder grundsätzlich im Erbrecht wie unsere 3 gemeinsamen Kinder behandelt?"

Markus Kühn: Bei dem Gestaltungsziel von Ihnen und Ihrem Mann, eigene und Stiefkinder nach dem Tod des Letztversterbenden gleichzubehandeln, bietet sich die von Ihnen angedachte Lösung in Form eines sogenannten Berliner Testamentes an. Bei diesem setzen sich die Ehegatten zunächst als Alleinerben und die Kinder als Schlusserben des Letztversterbenden ein. Zu beachten ist dabei, dass gesetzliche Erben jeweils nur die eigenen Kinder von Ihnen oder Ihrem Ehemann wären. Das bedeutet, dass im ersten Erbfall (nur) die Kinder des Erstversterbenden Pflichtteilsansprüche gegen den längerlebenden Ehegatten hätten. Denn die Kinder des Erstversterbenden werden durch die Einsetzung des Ehegatten im ersten Erbfall im rechtlichen Sinne enterbt. Nach dem Tod des zweiten Ehegatten werden dann die drei Kinder Miterben zu je 1/3. Würden Sie zuerst sterben, hätte der Sohn Ihres Mannes darüber hinaus bei Versterben Ihres Mannes einen Anspruch auf den Zusatzpflichtteil gegen Ihre Kinder, da seine Miterbenquote von 1/3 geringer wäre als sein Pflichtteil nach seinem Vater von ½. Das sicherste, um diese unerwünschten Folgen von vornherein auszuschließen, wäre, mit den Kindern jeweils einen notariellen Pflichtteilsverzichtsvertrag zu schließen.

 

Traudl H.: "Ich habe eine Schwester , die von unseren Eltern das Elternhaus übernommen hat. Meine Mutter ist 2010 verstorben. Meine Eltern haben mich durch ein handgeschriebenes Testament und notarisch zur Alleinerbin eingesetzt. Meine Frage: Wie viel bekommt meine Schwester nach dem Tod meines Vaters?"

Markus Kühn: Gesetzliche Erben Ihres Vaters wären Sie und Ihre Schwester zu gleichen Teilen. Wenn aufgrund eines Testamentes Sie alleine erben, Ihre Schwester also enterbt wird, steht ihr ein Pflichtteilsanspruch zu. Dies ist ein Geldanspruch in Höhe von einem Viertel des Nachlasswertes. Das Elternhaus gehört dabei nicht zum Nachlass, da es ja bereits Ihrer Schwester gehört. Ansonsten ist grundsätzlich der Verkehrswert des Nachlasses (also z.B. der Wert weiterer Immobilien, Wertpapiere, Konten, Schmuck, etc. ) zu ermitteln und ein Viertel dieses Wertes müssten Sie Ihrer Schwester auszahlen. Das geschenkte Elternhaus muss sich Ihre Schwester nur dann auf den Pflichtteil anrechnen lassen, wenn Ihre Eltern eine solche Anrechnung bei der Schenkung bestimmt haben. Eine nachträgliche Anrechnungsbestimmung, zum Beispiel im Testament, ist nicht möglich. Sollte das verschenkte Elternhaus allerdings nahezu das einzige Vermögen Ihrer Eltern gewesen sein, käme ggf. auch ein Ergänzungsanspruch von Ihnen gegenüber Ihrer Schwester in Betracht.

Aus Ihrer Frage ist überdies nicht klar ersichtlich, ob Sie auch schon Alleinerbin Ihrer Mutter waren. Dann hätten Ihr Vater und Ihre Schwester Pflichtteilsansprüche gegenüber Ihnen. Möglicherweise hatten Ihre Eltern aber ein Berliner Testament, wonach sie sich zunächst gegenseitig und nach dem Tode des Letztversterbenden Sie als Schlusserbin eingesetzt haben. In diesem Fall hätten sowohl Ihre Schwester als auch Sie Pflichtteilsansprüche gegen den Vater, da Sie und Ihre Schwester im ersten Erbfall durch die Einsetzung Ihres Vaters als Alleinerben enterbt waren.

 

Klaus P.: "Meine Eltern möchten Ihren Besitz zu Lebzeiten notariell an Ihre drei Kinder zu gleichen Teilen vererben. Es geht dabei um ein Haus und ein Grundstück. Das Haus ist ein Zweifamilienhaus mit ausgebautem Dachgeschoss. Meine zwei Geschwister (46 und 39 Jahre) bewohnen den ersten Stock und das Dachgeschoss, zahlen lediglich Nebenkosten, keine Miete. Zur Renovierung des Hauses haben sie jedoch finanziell beigetragen. Ich selbst (44) lebe seit ca. 13 Jahren nicht mehr im elterlichen Haus und habe mir eine selbst bewohnte Eigentumswohnung aus eigenen Mitteln gekauft.
Meine Eltern möchten nun, dass jeder der drei Kinder eine Wohnung bekommt. Welchen Anspruch haben meine Geschwister mir gegenüber bzgl. der von ihnen geleisteten Zahlungen zur Renovierung des Hauses? Können sie die volle Summe ansetzen oder muss hier auch Abnutzung oder geldwerter Vorteil zum Abzug gebracht werden? Meine Eltern möchten, dass der Wert des Grundstückes vor Erschließung geteilt und zu gleichen Teilen vom Grundstückserben ausgezahlt wird. Muss hier nicht der Verkehrswert abzüglich der Erschließungskosten zu Grunde gelegt werden?"

Markus Kühn: Ich verstehe Sie so, dass Ihre Eltern ein notarielles Testament oder einen Erbvertrag errichten wollen und noch im Erdgeschoss des zu vererbenden Hauses wohnen. Sollen einzelne Wohnungen in einem Haus separat vererbt werden, bietet sich häufig zunächst die Begründung von Wohnungseigentum an, um die einzelnen Einheiten auch unabhängig voneinander übertragen zu können. Ansonsten käme als Variante die Vererbung des Hauses an Sie und Ihre Geschwister als Erbengemeinschaft oder nur an einen von Ihnen zusammen mit der Einräumung von Wohnrechten an den einzelnen Wohnungen in Betracht. Ein Anspruch Ihrer Geschwister gegenüber Ihnen wegen der Zahlungen zur Renovierung besteht unmittelbar nicht. In Betracht käme höchstens, dass ein solcher Anspruch gegen Ihre Eltern im Erbfall teilweise auf Sie als Erben übergeht. In der Regel werden bei einem solchen Zusammenleben wie von Ihnen beschrieben, aber keine rechtlichen Bindungen und Ausgleichspflichten gewünscht. Soll einer von ihnen das Grundstück allein erben und mit einem Vermächtnis beschwert werden, den anderen beiden Geschwistern einen Ausgleichsbetrag zu zahlen, sind Ihre Eltern grundsätzlich frei in der Bestimmung der Höhe des Vermächtnisses. Sie können also den jetzigen Grundstückswert (vor Erschließung) als Bemessungsgrundlage festlegen.

 

Horst T.: "Eine Frau hat ihren beiden Neffen zu Lebzeiten ihre Besitztümer geschenkt. Lediglich die Aufteilung des Bargeldes ist hälftig in einem Testament geregelt. Einer der beiden Neffen ist vor seiner Tante verstorben. Geht sein Anteil „Bargeld“ automatisch auf seinen Erbberechtigten (z.B. Sohn oder Vater) über?"

Markus Kühn: Das kommt darauf an, wie das Testament formuliert ist. Ist das Testament unklar formuliert, weil kein Erbe eingesetzt wurde, sondern nur einzelne Gegenstände oder nur „Bargeld“ zugewendet wurden, ist zunächst durch Auslegung zu ermitteln, was die Erblasserin gewollt hat. Wollte Sie die Neffen als Erben einsetzen oder wollte sie beispielsweise hinsichtlich ihrer gesetzlichen Erben – sofern es vor und neben den Neffen solche gibt – gesetzliche Erbfolge und nur hinsichtlich des Bargeldes ein Vermächtnis für die Neffen? Nach der gesetzlichen Regelung ist im Zweifel nicht anzunehmen, dass jemand Erbe sein soll, wenn ihm nur einzelne Gegenstände zugewendet werden. Verfügt ein Erblasser jedoch über sein Vermögen, indem er praktisch sein gesamtes Vermögen nach einzelnen Vermögensgegenständen aufteilt, ist in der Regel anzunehmen, dass er eine Erbeinsetzung bezweckt hat.

Hat die Tante ihre Neffen in der Weise eingesetzt, dass sie die gesetzlichen Erben ausschließen, soll es dabei auch bleiben, wenn ein Erbe wegfällt. Dann treten die gesetzlichen Erben der Erblasserin auch nicht an die Stelle des vorverstorbenen Testamentserben. Vielmehr wächst sein Erbteil dann den übrigen eingesetzten Erben – hier dem anderen Neffen – an. Hat die Erblasserin im Testament noch Raum für die gesetzliche Erbfolge gelassen, tritt die Anwachsung nur hinsichtlich des gemeinschaftlichen Erbteils ein. Die Erben des Neffen erben jedenfalls nicht automatisch. Hier zeigt es sich, wie wichtig es ist, ein Testament eindeutig zu formulieren. Die Tante hätte auch regeln sollen, was passiert, wenn ein Neffe vorverstirbt.

 

Martin F.:"Ich (verheiratet, 2 Kinder) beabsichtige, mittels Testament eines meiner Kinder zu enterben. Wie kann ich verhindern, daß meine Frau, die diesen Schritt mißbilligen wird, aus ihrem Erbteil das enterbte Kind beschenkt und damit das Testament praktisch unwirksam macht?"

Markus Kühn: Da Sie von einem Erbteil Ihrer Frau sprechen, gehe ich davon aus, dass Sie planen, Ihre Frau und eines Ihrer Kinder als Erben einzusetzen. Eine naheliegende Möglichkeit wäre, Ihre Frau nur als Vorerbin einzusetzen und beispielsweise Ihr Kind, das auch Erbe werden soll, als Nacherben. Das hätte zur Folge, dass das mit der Nacherbschaft belastete Erbe Ihrer Frau bei ihr ein Sondervermögen bilden würde, sich also nicht mit ihrem eigenen Vermögen vermischen würde. Im Nacherbfall, beispielsweise bei Tod Ihrer Frau, würde der Nacherbe dann das Sondervermögen von Ihnen und daneben noch aus dem eigenen Nachlass Ihrer Frau erben. Als Vorerbin dürfte Ihre Frau nicht unentgeltlich über Erbschaftsgegenstände verfügen, da diese oder zumindest ein entsprechender Gegenwert grundsätzlich für den Nacherben erhalten bleiben sollen. Ausgenommen davon sind Schenkungen, durch die einer sittlichen Pflicht oder einer auf den Anstand zu nehmenden Rücksicht entsprochen wird. Darunter würde aber grundsätzlich nicht der Ausgleich der Enterbung durch Schenkungen von Ihrer Frau als Vorerbin an das enterbte Kind fallen. Überlegen Sie aber bitte gut, ob Sie Ihre Frau mit einer Nacherbschaft belasten wollen. Denn die Nacherbfolge schafft komplizierte Rechtsverhältnisse mit Verfügungs- und Verwaltungsbeschränkungen sowie unter anderem schwieriger Lastenverteilung zwischen Vor- und Nacherben. Vielleicht können Sie mit Ihrer Frau auch eine Art Kompromiss finden, wie Sie ein Kind beispielsweise in einem gemeinschaftlichen Testament bevorzugen können.

 

Anita S.:"Wenn ich einen Punkt des Testamentes ändern möchte, muss ich dann das ganze Testament neu schreiben?"

Markus Kühn: Aufgrund Ihrer Fragestellung gehe ich davon aus, dass Sie ein eigenhändig geschriebenes und unterschriebenes - also kein notariell errichtetes - Testament ändern wollen. Eine Änderung durch den ursprünglichen Ersteller mit Hilfe von Zusätzen oder Nachträgen ist grundsätzlich möglich, wenn bestimmte Formerfordernisse eingehalten werden: Als Testierer können Sie jederzeit ohne erneute Unterschrift offensichtliche Unrichtigkeiten (beispielsweise Schreibfehler) berichtigen oder Streichungen vornehmen. Werden außerhalb des Textes des ursprünglichen Testamentes, also unter der Unterschrift oder auf einem gesonderten Schriftstück Änderungen vorgenommen, müssen diese ebenfalls handschriftlich erfolgen und unterschrieben werden und es sollte das Datum der Änderung angeben werden, damit auch die Änderung formwirksam ist. Bei einem gesonderten Schriftstück sollten Sie überdies Bezug auf das zu ändernde Testament nehmen.

 

Willy J.:"Es liegt ein Testament vor, in dem die Ehepartner sich gegenseitig zum Alleinerben erklären. Kinder sind keine da. Der Ehemann ist verstorben, das an die Ehefrau verebte Vermögen beträgt ca. € 200.000,-. Nun ist im Testament verfügt, dass nach dem Tod des Ehepartners, in diesem Falle der Ehefrau, das restliche Vermögen an die gesetzlichen Erben fallen soll. Kann die Ehefrau diese Bestimmung mit den gesetzlichen Erben in einem neuen Testament ändern?

Markus Kühn: Haben Ehegatten in einem gemeinschaftlichen Testament sogenannte wechselbezügliche Verfügungen getroffen, entsteht mit dem Ableben des erststerbenden Ehegatten eine Bindungswirkung, die der Längerlebende nicht durch ein neues Testament ändern kann, es sei denn, es wurde eine Abänderungsmöglichkeit ausdrücklich festgeschrieben. Wechselbezüglich sind solche Verfügungen der Ehegatten, die mit Rücksicht auf die jeweils andere Verfügung getroffen wurden und die miteinander stehen und fallen sollen. Damit soll das Vertrauen des Erstversterbenden in die Beständigkeit der Verfügungen des anderen über den Tod hinaus geschützt werden. Nach § 2270 Abs. 2 BGB ist eine solche Verfügung im Zweifel anzunehmen, wenn sich die Ehegatten gegenseitig eingesetzt haben. Auch gleichlautende Verfügungen beider Ehegatten sprechen stark für eine Wechselbezüglichkeit. Ist danach hier die Einsetzung der gesetzlichen Erben im Schlusserbfall wechselbezüglich, kann die Ehefrau keine Abänderung der Schlusserben zu Lasten der Bedachten vornehmen. Auch zu Lebzeiten kann die Ehefrau dann in der Regel nicht wirksam unentgeltlich verfügen. Die benachteiligten Schlusserben hätten dann im Erbfall Herausgabeansprüche gegen die Beschenkten.

 

Anton K.:"Meine Frau und ich (75, 78) wollen uns gegenseitig testamentarisch als Alleinerben einsetzen. Die drei Töchter meiner Frau aus erster Ehe sollen unser Vermögen erben. Nun ist uns nicht klar, ob denn, wenn ich der Letztverfügende wäre, meine angeheirateten Töchter, die noch ihre leiblichen Vater haben, in vollem Umfang erbberechtigt sind und mit welchen Freibeträgen sie rechnen können. Neben Barvermögen ist ein Haus auf einem Erbbaugrundstück vorhanden."

Markus Kühn: In dem von Ihnen angedachten sog. Berliner Testament können Sie Ihre drei Stieftöchter wirksam als Schlusserben nach dem Längerlebenden einsetzen. Sofern Sie selbst keine eigenen Kinder haben, gäbe es auch keine Pflichtteilsberechtigten, die Pflichtteilsansprüche gegenüber den Stieftöchtern haben könnten. Erbschaftsteuerlich steht jeder Tochter/Stieftochter ein Freibetrag von 400.000 Euro zu. Beachten Sie auch: Sollte Ihre Frau vor Ihnen versterben, könnte bei einem einfachen Berliner Testament jede ihrer Töchter, die dann durch die Einsetzung von Ihnen zum Alleinerben enterbt wäre, Pflichtteilsansprüche gegen Sie geltend machen. Dabei handelt es sich um einen Geldanspruch gegen den Erben in Höhe der Hälfte der gesetzlichen Erbquote, also abhängig vom Güterstand Ihrer Ehe je 1/8 oder je 1/12 des Nachlasswertes. In einem Berliner Testament sollte unter anderem für den Fall, dass sich beispielsweise das Verhältnis zum Schlusserben „abkühlt" auch an Regelungen gedacht werden, inwieweit der Längerlebende das gemeinschaftliche Testament noch abändern kann.

 

Wilma S.:"Mein Mann hat 1996 von seiner Mutter ein Doppelhaus geerbt - als Vorerbe. Seine beiden Söhne sind als Nacherben eingesetzt. Muss mein Mann ein Testament verfassen bzw. einen notariellen Übertrag vornehmen? Wie viel Erbschaftsteuer müssen die Söhne nach dem Tod meines Mannes zahlen? Bewohnt wird das Haus durch einen Sohn zur Miete und durch einen Fremdmieter."

Markus Kühn: Vor- und Nacherben beerben beide, wenn auch zeitlich nacheinander, den Erblasser, hier also die Mutter Ihres Mannes. Mit dem von Ihrer Schwiegermutter letztwillig vorgesehenen Ereignis, das hier vermutlich der Tod Ihres Mannes ist, tritt der Nacherbfall ein. Der Vorerbe hört auf, Erbe zu sein und die Erbschaft fällt den Nacherben an. Ein Testament oder ein notarieller Übertrag durch Ihren Mann als Vorerben auf Ihre Söhne ist damit insoweit nicht notwendig. Erbschaftsteuerlich wird der Nacherbe allerdings grundsätzlich so behandelt, als erbe er vom Vorerben. Ob und gegebenenfalls wie viel Erbschaftsteuer Ihre Söhne beim Tod Ihres Mannes zahlen müssen, hängt insbesondere vom Verkehrswert des Nachlasses Ihres Mannes einschließlich des Doppelhauses ab. Dabei wird das zu Wohnzwecken vermietete Doppelhaus nur mit 90% des Wertes angesetzt. Darüber hinaus steht jedem Sohn ein persönlicher Freibetrag von 400.000 Euro zu. Sofern danach noch ein steuerpflichtiger Erwerb übrig bleibt, ist dieser bis 75.000 Euro mit 7%, bis 300.000 Euro mit 11%, bis 600.000 Euro mit 15% und bis 6 Mio. Euro mit 19% zu versteuern.

 

Stefan K.:"Ich möchte gerne einen 51%-igen Anteil von einer GmbH bei welcher ich 100%-iger Anteilseigner bin an eine Stiftung gegen wiederkehrende Leistungen übertragen. Die restlichen 49% will ich auf meinen Sohn übertragen. Angenommen der Wert der GmbH ist nach dem Stuttgarter Verfahren 1 Million - wie verhält sich dann die Steuerschuld bei Geber und Empfänger? Und welche monatlichen wiederkehrenden Leistungen würden sich bei meinem Lebensalter von 65 Jahren errechnen?"

Markus Kühn: Diese Leserrubrik kann eine umfassende (steuer-)rechtliche Beratung zu einer komplexen Gestaltung wie der von Ihnen geplanten Anteilseinbringung in eine Stiftung nicht ersetzen. Dennoch einige Gedanken dazu: Handelt es sich bei der Stiftung um eine gemeinnützige Stiftung, ist diese von den meisten Steuern befreit. Bei der Errichtung oder späteren Zustiftung fällt dann keine Erbschaft- oder Schenkungsteuer an. Wer eine gemeinnützige Stiftung errichtet und mit Kapital ausstattet, kann einen Betrag von 1 Mio. Euro als Sonderausgaben bei seiner Einkommensteuer geltend machen. Eine gemeinnützige Stiftung darf bis zu einem Drittel Ihrer Vermögenserträge für den angemessenen Unterhalt des Stifters verwenden, der Empfänger muss diese Leistungen aber auch versteuern. Bei der lebzeitigen Übertragung von Vermögen auf eine nicht gemeinnützige Stiftung fällt hingegen grundsätzlich Schenkungsteuer an.
Dabei kommt regelmäßig die ungünstigste Steuerklasse III zur Anwendung, die bis zu einem steuerpflichtigen Erwerb von 6 Mio. Euro einen Steuersatz von 30% zur Folge hat und nur einen Freibetrag von 20.000 Euro vorsieht. Der Wert der Zuwendung bestimmt sich nach dem neuen Erbschaftsteuerrecht grundsätzlich nach deren Verkehrswert, der grundsätzlich nicht mehr nach dem Stuttgarter Verfahren ermittelt wird. Möglicherweise kommt für die Übertragung der GmbH-Anteile auch die Steuerbefreiung von begünstigtem Betriebsvermögen in Betracht, wozu diverse Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Ihrem Sohn stünde überdies ein persönlicher Freibetrag von 400.000 Euro zur Verfügung. Bis zu diesem Wert bliebe die Schenkung der Anteile an ihn steuerfrei.

 

Alex H.: "Ich musste meinen Erbverzicht beim Notar unterschreiben. Hier hieß es, dass auch meine Geschwister dies tun werden, damit keiner den anderen verklagt.Ich habe bisher als einzige verzichtet und habe die Befürchtung, dass ich über den Tisch gezogen werde, es wird jeder einzeln zum Notar mit meinen Eltern gehen und keiner hat Akteneinsicht.Ich habe einen kleinen landwirtschaftlichen Grund bekommen und einen 20/100Teil von dem Gewerbegrund meiner Eltern. Die Firma bekam mein Bruder und 2010 nochmal 100.000€ aufs Konto. Die anderen erben das Wohnhaus und ein paar Quadratmeter Wiesengrund. Darf der Notar mit dieser Aussage nur mich unterschreiben lassen oder muss er darauf bestehen, dass die anderen, wie besprochen, auch verzichten müssen? Wenn nein, kann ich auf die Aufhebung des Verzichtes bestehen bzw. dagegen angehen?"
Markus Kühn: Sowohl ein Erbverzicht, mit dem auf das gesetzliche Erb- und Pflichtteilsrecht verzichtet wird, als auch ein Pflichtteilsverzicht, der im Falle einer Enterbung die Geltendmachung eines Pflichtteilsanspruches ausschließt, stellen für den Verzichtenden ein Wagnis dar. So werden beispielsweise spätere unerwartete Vermehrungen des Vermögens des Erblassers nicht mehr zugunsten des Verzichtenden berücksichtigt. Der Verzichtende muss abwägen, ob er seine gesetzlichen Ansprüche für den zukünftigen Erbfall behält oder lieber gegen eine sofortige Gegenleistung auf künftige Ansprüche verzichtet. Da der Erbverzicht einen Vertrag zwischen Erblasser und Verzichtendem darstellt, ist er einseitig unwiderruflich. Der Notar beurkundet den Verzichtsvertrag zwischen Erblasser und Verzichtendem, wobei gleichzeitige Anwesenheit der Beteiligten nicht erforderlich ist. Auf die Einhaltung interner Abreden der Famile des Erblassers muss er nicht bestehen. Sofern „Geschäftsgrundlage" Ihres Verzichtes war, dass Ihre Geschwister unter den von Ihnen beschriebenen Bedingungen auch einen Erbverzicht abgeben und dies nicht zutrifft, könnte möglicherweise eine Anfechtung Ihres Verzichts wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung für Sie in Betracht kommen. Dazu bedürfte es aber einer eingehenderen Prüfung, zu der Sie gegebenenfalls anwaltliche Hilfe hinzuziehen sollten. Immerhin haben Sie doch bei Unterzeichnung des Verzichts gewusst, was Sie als Gegenleistung dafür erhalten. Eine einvernehmliche notarielle Aufhebung des Erbverzichts zwischen Ihnen und Ihren Eltern wäre natürlich ebenfalls möglich.

 

Ludwig W.: "Meine Frau und ich haben ein Berliner Testament gemacht. Damit unser volljähriges Kind bei meinem Tod keinen Pflichtteil fordern muss, habe ich einen Bausparvertrag abgeschlossen, bei dem unser Kind als Begünstigter im Todesfall eingetragen ist. Das heißt, bei meinem Tod wird der Bausparvertrag auf das Kind umgeschrieben. Der Saldo auf dem Bausparkonto entspricht derzeit in etwa dem Pflichtteil. Wird bei meinem Tod das Bausparkonto automatisch auf den Pflichtteil angerechnet, oder müssen wir die Anrechnung ausdrücklich im Testament festlegen?"

Markus Kühn: Durch ein Berliner Testament, bei dem sich die Ehegatten gegenseitig als Alleinerben und ihre Kinder erst als Schlusserben nach dem längerlebenden Ehegatten einsetzen, kommt es im ersten Erbfall zu einer Enterbung des Kindes. Diesem steht dann grundsätzlich ein Pflichtteilsanspruch – das ist ein Geldanspruch in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils - gegen den noch verbliebenen Elternteil zu. Bei dem Bausparvertrag haben Sie vermutlich die Konstruktion eines sogenannten Vertrages zugunsten Dritter gewählt. Hierbei erwirbt der Begünstigte den Anspruch aus dem Bausparvertrag im Todesfall unmittelbar und nicht über den „Umweg" des Nachlasses. Wenn keine Anrechnung des Bausparvertrages auf den Pflichtteil bestimmt ist, könnte Ihr Kind die Leistungen aus dem Bausparvertrag also zusätzlich zum vollen Pflichtteilsanspruch erlangen. Eine Anrechnungsbestimmung muss vor oder spätestens bei der Zuwendung getroffen werden, aus Beweissicherungsgründen am besten schriftlich. Eine nachträgliche Anrechnungsbestimmung im Testament ist nicht möglich. Wenn Sie verhindern wollen, dass Ihr Kind im ersten Todesfall Pflichtteilsansprüche geltend macht, könnten Sie auch an Pflichtteilsstrafklauseln im Testament denken. Ganz ausschließen lässt sich der Pflichtteilsanspruch aber nur durch einen notariellen Pflichtteilsverzicht Ihres Kindes. Haben Sie auch bedacht, was passiert, wenn Ihre Frau und nicht Sie erst versterben?

 

Bianca K.:"Wir haben vor der Ehe einen notariellen Ehevertrag geschlossen, der aussagt, dass beim Abbleben des einen Partners der andere Alleinerbe wird. Mein Mann (80) meint, wenn er mich überlebt, dann könnte es durchaus sein, dass er geistig evtl. nicht mehr in der Lage ist selbstständig ein Testament zu erfassen. Ist es möglich, dass er für diesen Fall - er überlebt mich und ist geistig nicht mehr fit - vorausschauend ein Testament beim Nachlassgericht hinterlegt?"

Markus Kühn: Durch einen Erbvertrag wird der Erblasser insoweit daran gehindert, ein wirksames, von den Regelungen des Erbvertrags abweichendes Testament zu errichten, als dies das Recht des vertragsmäßig Bedachten beeinträchtigen würde. Es kommt also zunächst dararuf an, was genau Sie und Ihr Mann im Erbvertrag geregelt haben, da sich danach bestimmt, inwieweit Sie jeweils weitere Regelungen in einem neuen Testament treffen können. Grundsätzlich wären sogenannte wechselbezügliche Anordnungen nach dem Tod eines Ehegatten nicht mehr änderbar, es sei denn, dies wäre entsprechend geregelt worden. Das beträfe solche Regelungen, die in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis stehen, bei denen also der eine Ehegatte eine Anordnung mit Rücksicht auf die Verfügung des anderen Ehegatten getroffen hat. Haben sich Ehegatten beispielsweise gegenseitig als Alleinerben und ihre Abkömmlinge als Schlusserben nach dem länger lebenden Ehegatten eingesetzt, kann der länger Lebende nicht mehr zu Lasten der Kinder letztwillig verfügen und einen neuen Lebensgefährten als Erben einsetzen, da die Einsetzung der Kinder wechselbezüglich war. Sofern Sie in Ihrem Erbvertrag keine weiteren Regelungen getroffen haben und sich nur gegenseitig als Alleinerben eingesetzt haben, kann Ihr Mann schon jetzt ein wirksames Testament erstellen. Denn wenn Sie bei seinem Tod nicht mehr leben, können Sie durch seine testamentarischen Regelungen als im Erbvertrag Bedachte auch nicht beeinträchtigt sein. Stirbt er zuerst, gilt hingegen grundsätzlich die Regelung des Erbvertrages, wonach Sie Alleinerbin werden.

 

Bernd W.: "Ich habe zwei Fragen zur Testamentgestaltung:
1. Erbvorschüsse aus vergangenen Jahren, die auf die zukünftige Erbschaft angerechnet werden sollten, werden meines Wissens neuerdings anders behandelt. Was kann man tun, um zwischen Erblasser und Erben die ursprüngliche beabsichtigte Wirkung, d.h. vollständige Anrechenbarkeit, zu erhalten?
2. Meine Frau und ich wollen ein Testament so verfassen, dass unsere Kinder (aus verschiedenen Ehen) erst dann in den Genuss der jeweiligen Erbschaft kommen, wenn wir beide verstorben sind. Was muss man tun? Formulierungsbeispiele?"

Markus Kühn: 1. Zum 01.01.2010 gab es mit dem Gesetz zur Änderung des Erb- und Verjährungsrechts einige Änderungen im Erbrecht. Die ursprünglich geplante Gesetzesänderung, dass die Anrechnung von lebzeitigen Schenkungen auf den Pflichtteil des Beschenkten oder die Ausgleichung von Schenkungen unter Abkömmlingen auch noch nachträglich im Testament getroffen werden kann, wurde überraschenderweise aber nicht umgesetzt. Es ist daher weiterhin so, dass eine nachträgliche Anrechnungsbestimmung oder Ausgleichungsanordung im Testament nicht zulässig ist. Dies muss wie bisher also spätestens bei der Schenkung zwischen Schenker und Beschenktem vereinbart werden und sollte aus Beweissicherungszwecken schriftlich geschehen.
2. Sie könnten ein sog. Berliner Testament verfassen, in dem Sie und Ihre Frau sich gegenseitig zum alleinigen Vollerben und Ihre Kinder als Schlusserben nach dem Tod des Längerlebenden einsetzen. Bei der Formulierung eines Testamentes müssen die individuellen Gestaltungsziele der Erblasser berücksichtigt werden, so dass Formulierungsbeispiele den Rahmen dieser Rubrik sprengen würden. So wäre zum Beispiel zu bedenken, dass die Kinder des Erstversterbenden nach dessen Tod Pflichtteilsansprüche geltend machen könnten und diese das mögliche Gestaltungsziel der Absicherung des überlebenden Ehegatten massiv gefährden könnten. Auch sollte bedacht werden, inwieweit der längerlebende Ehegatte berechtigt sein soll, die Regelungen des gemeinschaftlichen Testaments abzuändern, wenn sich beispielsweise ein Kind später schlecht gegenüber ihm verhält oder er einen neuen Lebenspartner findet. Weitere Gestaltungsfelder des Testaments könnten die Sicherung des (Ausbildung-)Unterhalts der Stiefkinder oder die Ausschaltung von Erbansprüchen des geschiedenen Ehegatten sein.

 

Peter M.: "Im Falle meines Todes möchte ich gerne meinem Großneffen meine Eigentumswohnung vererben, aber seiner Mutter (meiner Nichte) lebenslanges Nutzungsrecht einräumen. Genügt hierfür ein handschriftlicher Vermerk auf dem offiziellen Testament? Wo werden solche Verfügungen aufbewahrt? Und für wen würde wie viel Erbschaftsteuer anfallen?"

Markus Kühn: Sie könnten beispielsweise Ihren Großneffen als Erben einsetzen und für Ihre Nichte im Wege eines
Vermächtnisses das Recht auf eine lebenslange unentgeltliche Nutzung der Wohnung einräumen. Dies können Sie entweder selbst in einem von Ihnen handschriftlich verfassten oder in einem notariellen Testament verfügen. Beim notariellen Testament hat der Notar zu veranlassen, dass das Testament unverzüglich in besondere amtliche Verwahrung beim Amtsgericht gebracht wird. Ihr privatschriftliches Testament können Sie an einem für Sie (und Ihre Erben) erreichbaren Platz aufbewahren. Wer es nach Ihrem Tod findet, ist verpflichtet, es beim Nachlassgericht abzuliefern. Wollen Sie sichergehen, dass Ihr privatschriftliches Testament auch gefunden wird und der Finder es nicht „verschwinden" lässt, können Sie es auch bei jedem Amtsgericht in Verwahrung geben. Die Kosten der Hinterlegung bestimmen sich nach dem Nachlasswert. Sie können sich hinterlegte privatschriftliche Testamente jederzeit vom Verwahrungsgericht zurückgeben lassen. Das Testament behält seine Gültigkeit. Im Gegensatz dazu wird ein notarielles Testament durch eine Rücknahme aus der Verwahrung unwirksam.
Die Erbschaftsteuer bemisst sich nach dem Wert der Bereicherung des Erwerbers. Der Wert des Wohnrechts ihre Nichte bemisst sich dabei nach einem von ihrem Alter abhängigen Kapitalwert. Der (Verkehrs-)Wert der Bereicherung Ihres Neffen mindert sich entsprechend um die Wohnrechtsbelastung der Eigentumswohnung. Beiden steht ein Freibetrag von 20.000 Euro zu. Ein verbleibender Betrag ist je nach Höhe mit einem Steuersatz zwischen 15 und 30% von Ihrer Nichte und mit 30% von Ihrem Großneffen zu versteuern.

 

Xaver B.: "Wir(75 und 74) haben eine schuldenfreie Haushälfte mit Garten und Garage, die wir selbst bewohnen. Diese Immobilie haben wir gemeinsam während unserer Ehe erworben.
Jedoch aus steuerlichen, taktischen Gründen wurde das Anwesen
nur auf den Namen meiner Frau im hiesigen Grundbuchamt eingetragen. Der momentane Wert liegt zur Zeit bei ca 500 000.- €.
Jetzt meine Frage: Muß ich beim vorzeitigen Ableben meiner Gattin
die volle Erbschaftssteuer bezahlen? Oder ist es besser, wenn wir
ein Testament erstellen, in dem vermerkt ist, daß unser einziger
Sohn und ich das Erbe je zur Hälfte aufteilen?"

Markus Kühn: Wenn Ihre Gattin kein Testament hätte, würden Sie und Ihr Sohn je zur Hälfte das Haus erben. Sofern es sich bei dem Haus im Wesentlichen um das gesamte Vermögen Ihrer Gattin handelt, wäre dies nach derzeitiger Rechtslage aus erbschaftsteuerlichen Gesichtspunkten unproblematisch, da schon die allgemeinen Freibeträge für Sie (500.000 €) und Ihren Sohn (400.000 €) über dem vererbten Vermögen von je 250.000 € lägen. Problematischer wäre dann, dass Sie und Ihr Sohn dann eine Miterbengemeinschaft bilden würden, bei der jeder mit seiner Erbquote an dem Haus beteiligt ist. Das gleiche würde auch gelten, wenn Sie und Ihr Sohn in einem Testament einfach nur je zur Hälfte als Erbe eingesetzt würden. Ihr Sohn könnte die Auseinandersetzung der Miterbengemeinschaft verlangen, was dazu führen würde, dass Sie ihn gegebenenfalls gegen Übertragung seines Anteils am Haus auszahlen müssten. Wenn dies für Sie nicht möglich bzw. finanzierbar ist, müsste das Haus schlimmstenfalls teilungsversteigert und der Erlös geteilt werden, Sie müssten aus „Ihrer" Immobilie ausziehen. Um diese Situation zu vermeiden, sind verschiedene Ansätze denkbar, die im Einzelnen aber von Ihren Wünschen und Ihrer persönlichen und finanziellen Situation abhängen. Zu denken wäre hier beispielsweise an eine lebzeitige Übertragung des Familienheims oder eines Anteils daran an Sie. Eine solche Schenkung unter Ehegatten ist erb-/schenkungsteuerfrei und lässt den allgemeinen Freibetrag unangetastet. Auch eine Einsetzung von Ihnen als Alleinerbe Ihrer Frau belastet mit einem (Geld-)Vermächtnis für Ihren Sohn käme möglicherweise in Betracht. Überdies könnte Ihre Frau Ihnen auch ein lebenslanges Wohnrecht einräumen.

 

Irmgard K.: "Die Eltern meines Mannes und dessen Bruder hatten ihr Testament, wie es damals wohl üblich war, bei der Raiffeisenbank deponiert. Der Bruder übernahm das Elternhaus mit Geschäft. Der Vater starb 1972 und als 1999 die Mutter ins Altersheim kam, wurde uns noch von der Bank versichert, dass sich das Testament in ihren Händen bzw. im Tresor befindet. Als dann 2004 die Mutter starb, wurde uns mitgeteilt, dass die Raiffeisenbank im Lauf der Jahre das Aufbewahren von Testamenten aufgegeben hatte und die Testamente zurückgegeben wurden. Man konnte aber nicht in Erfahrung bringen an wen das Testament ging. Post hätte aber an den Betreuer meiner Schwiegermutter, einen Rechtsanwalt, gehen müssen. Was können wir tun?"

Markus Kühn: Wenn kein Testament der Mutter Ihres Mannes bei deren Tod bestand bzw. nicht mehr auffindbar ist, sind Ihr Mann und sein Bruder die beiden gesetzlichen Erben (vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Geschwister). Das bedeutet, dass diese als Miterben gemeinschaftlich zu gleichen Teilen am Nachlassvermögen der Mutter beteiligt sind. Ich denke, dass Sie vermuten, dass die Mutter in ihrem Testament aber eine andere Regelung zugunsten Ihres Mannes getroffen hätte. Je nachdem, ob Ihr Schwager das Elternhaus mit Geschäft seinerzeit von den Eltern geschenkt bekam oder entgeltlich erworben hat und abhängig davon wie die Erbfolge beim Tod des Vaters ausgestaltet war, wäre eine testamentarische Regelung durch die Mutter möglicherweise „gerechter" gewesen. Sofern Sie aber nicht wissen und auch nicht nachweisen können, ob und welche Regelung die Mutter tatsächlich getroffen hat, können Sie weder eine von der gesetzlichen Erbfolge abweichende Regelung gegenüber Ihrem Schwager beanspruchen, noch Ansprüche gegenüber der Bank oder dem Betreuer geltend machen. Denn Sie können ja keinen Schaden nachweisen, der Ihrem Mann möglicherweise durch das „Verschwinden" des Testamentes entstanden ist.
Grundsätzlich ist daher zu empfehlen, ein handschriftliches Testament beim Amtsgericht zu hinterlegen, um sicherzustellen, dass es im Todesfall auch vorliegt und eröffnet wird.

 

Anna K.: "Die Tochter meiner Tante (Cousine) ist alleinstehend und beabsichtigt ihr Vermögen mir zu vererben. Mir stellt sich nun die Frage, ist es günstiger alles mir alleine zu vererben oder mir und meinen vier Kindern zu gleichen Teilen? Was ergibt sich in beiden Fällen wenn ich das Erbe nicht erlebe? Die Cousine wünscht dass dann meine Kinder das Erbe erhalten sollen."

Markus Kühn: Aus erbschaftsteuerlicher Sicht kann es Sinn machen, das Erbe auf Sie und Ihre Kinder zu verteilen. Denn sowohl Ihnen als auch jedem Ihrer Kinder würde ein Freibetrag von 20.000 Euro zustehen, so dass je nach Höhe des vererbten Vermögens möglicherweise gar keine Erbschaftsteuer anfällt. Auch bei größerem Vermögen fällt bei einer Verteilung des Erbes voraussichtlich die Gesamtsteuerbelastung geringer aus, als wenn Sie zunächst alleine erben und später an Ihre Kinder weitervererben. Zu bedenken ist, dass bei einer einfachen Verteilung des Erbes, bei der alle Erben zu gleichen Teilen werden, Sie und Ihre Kinder eine Erbengemeinschaft bilden würden. Sämtliche Nachlassgegenstände, insbesondere Immobilien, gehören dann den Erben gemeinsam und sie können auch nur gemeinsam darüber verfügen. Das führt bei vielen Erbengemeinschaften leider immer wieder zu Streit. Persönliche Differenzen der Miterben können eine sinnvolle und friedliche Nachlassfortsetzung oder -auseinandersetzung verhindern. Dies kann man aber durch Gestaltungen im Testament verhindern. So könnten beispielsweise Sie Alleinerbin und Ihre Kinder Vermächtnisnehmer werden. Sofern Ihre Tante oder Ihr Onkel beim Tod Ihrer Cousine noch leben, hätten diese einen Pflichtteilsanspruch gegen Sie und gegebenenfalls weitere Erben. Im Testament kann Ihre Cousine für verschiedenste Fälle Ersatzerben bestimmen, so auch für den Fall, dass Sie vorversterben.

 

Hans P.:"Ich habe zusammen mit meiner Ehefrau, ein "Berliner Testament" erstellt. Sind diesbezüglich, nach den Änderungen im Erbrecht, Korrekturen erforderlich?"

Markus Kühn: Mit den zum 01.01.2010 in Kraft getretenen Änderungen wurden insbesondere die Regelungen zur Verjährung erbrechtlicher Ansprüche, zur Pflichtteilsentziehung, zur Berücksichtigung von Pflegeleistungen und zum Pflichtteilsergänzungsanspruch modifiziert. Pauschal kann man nicht sagen, dass deshalb Änderungen eines Berliner Testamentes, mit dem sich Ehegatten gegenseitig zu Alleinerben einsetzen, erforderlich sind. Erfahrungsgemäß empfiehlt es sich aber generell, alle drei bis fünf Jahre Testamente daraufhin zu überprüfen, ob Änderungen im Kreise der Bedachten, der Vermögenswerte, der Gesetzeslage oder der Regelungsziele eine Anpassung erfordern.
Ein Berliner Testament führt unter anderem dazu, dass Kinder der Ehegatten beim Tod des ersten Ehegatten enterbt werden, da der andere Ehegatte Alleinerbe wird. Daher können Kinder beim ersten Erbfall Pflichtteilsansprüche geltend machen. Sofern der Erblasser lebzeitig Schenkungen vorgenommen hat, kann dies zu einem Anspruch des Kindes gegen den Erben auf Ergänzung des Pflichtteils führen. Während nach der alten Rechtslage Schenkungen innerhalb von 10 Jahren voll auf den Ergänzungsanspruch angerechnet wurden, finden nach der neuen Rechtslage Schenkungen graduell immer weniger Berücksichtigung. Eine Schenkung im ersten Jahr vor dem Erbfall wird demnach voll in die Berechnung einbezogen, im zweiten Jahr jedoch nur noch zu 9/10, im dritten Jahr zu 8/10 usw.. Zu beachten ist allerdings, dass bei Schenkungen unter Ehegatten die Frist erst mit dem Tag der Auflösung der Ehe (durch Tod oder Scheidung) beginnt.

 

Monika H.:"Ich (48, einen Sohn aus einer früheren Beziehung)heirate dieses Jahr meinen italienischen Lebensgefährten (wir heiraten in Deutschland und haben unseren Wohnsitz in Deutschland). Ich bin seit 17 Jahren Allein-Eigentümerin eines Hauses, in dem wir wohnen. Bleibe ich nach der Heirat automatisch alleinige Eigentümerin des Hauses, weil ich das mit in die Ehe gebracht habe? Ist ein Ehevertrag notwendig bzw. notarielle Vereinbarung? Wie ist die rechtliche Lage ohne Ehevertrag? Oder anders gefragt: was muss ich tun, wenn ich Allein-Eigentümerin meines Hauses bleiben möchte? Was muss ich tun, wenn ich möchte, dass mein Sohn das Haus nach meinem Tod bekommt?"

Markus Kühn: Wenn Ehegatten keine gemeinsame Staatsangehörigkeit haben, so ist grundsätzlich das Recht des Staates maßgebend, in dem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder während der Ehe zuletzt gehabt haben, wenn einer von ihnen dort noch seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Bei Eheschließung und – was ich Ihnen nicht wünsche – bei einer späteren Scheidung wäre also bei einem gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland von Ihnen und Ihrem Ehegatten deutsches Recht anzuwenden. Wenn Sie nicht in einem notariellen Ehevertrag etwas anderes vereinbaren, leben Sie im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Danach bleibt während der Ehe jeder Ehegatte Alleineigentümer von Vermögen, das er in die Ehe einbringt. Erst bei Beendigung der Zugewinngemeinschaft (durch Scheidung, Tod oder Ehevertrag) kommt es zu einem Ausgleich. Derjenige Ehegatte, der unter Berücksichtigung seines Anfangsvermögen bei Beginn der Ehe den höheren Zugewinn erzielt hat, ist in Höhe der Hälfte der Differenz zum Zugewinn des anderen Ehegatten ausgleichspflichtig. Sie blieben also Alleineigentümerin Ihres Hauses, Ihr Ehegatte hätte lediglich einen auf Geldzahlung gerichteten Ausgleichsanspruch gegen Sie, wenn Sie einen höheren Vermögenszugewinn während der Ehe erzielen. Wenn Ihr Sohn das Haus allein erben soll, könnten Sie ihn mittels Testament zum Alleinerben einsetzen oder es ihm mittels eines Vermächtnisses zukommen lassen.

 

Michael P.: "Folgende Situation: Der Ehemann ist geschieden, hat aus dieser Ehe eine volljährige Tochter und ein Haus von seiner Mutter geerbt. Die Ehefrau ist ebenfalls geschieden und hat zwei volljährige Kinder. In zweiter Ehe sind beide mit gesetzlichem Güterstand verheiratet. Wie soll ein Testament des Ehemannes und der Ehefrau formuliert werden?"

Markus Kühn: Eine Testamentserrichtung ist immer eine ganz individuelle Sache. Es gibt keine Standardmuster, die beispielsweise je nach Güterstand, Grad und Anzahl der Verwandten des Erblassers alle möglichen Fallgestaltungen und Erblasserwünsche umfassen können. Da ich insbesondere die Ziele, die die Eheleute mit ihrem Testament verfolgen, nicht kenne, kann ich Ihnen hier nur einige Anregungen geben, was bei der Errichtung eines Testaments bedacht werden sollte: Wenn die Eheleute vermeiden wollen, dass ihre früheren Ehegatten an ihrem Nachlass partizipieren können, sollten sie bedenken, dass die früheren Ehegatten die gemeinsamen Kinder von Gesetzes wegen beerben können, wenn die Kinder selbst keine Abkömmlinge haben. Um dies zu vermeiden, kann beispielsweise die Anordnung einer Vorerbschaft für das Kind und einer Nacherbschaft einer anderen Person als dem Ex-Gatten in Betracht kommen. Auch die neuen Stiefkinderverhältnisse sind zu bedenken. Sollen alle Kinder gleichbehandelt werden oder soll jeder Ehegatte nur von seinen Abkömmlingen beerbt werden? Sofern im ersteren Fall ein sog. Berliner Testament gewählt würde, bei dem sich die Ehegatten gegenseitig zu Alleinerben und die Kinder zu Schlusserben nach dem Letztversterbenden einsetzen, müssen u.a. mögliche Pflichtteilsansprüche der Kinder berücksichtigt werden, die die Absicherung des längerlebenden Ehegatten gefährden könnten.

 

Hermann F.:"Folgender Sachverhalt: Es liegt ein gemeinsamer Erbvertrag mit einem Verfügungsverbot vor. Der Erbvertrag ist nicht im Grundbuch vermerkt. Das Verfügungsverbot wurde nachträglich mit der notariellen Eintragung eines Wohnrechts für einen Teil der am Erbvertrag beteiligten Personen verletzt. Hinzu kommt, dass für eine Person, die nicht am Erbvertrag ist, ebenfalls ein Wohnrecht eingetragen wurde. Nun meine Fragen: - Ist das vom Erblasser eingetragene Wohnrecht rechtens? - Wie können die nicht Begünstigten zu einem wertmäßigen Ausgleich kommen? - Besteht ein Anrecht auf Löschung des im Grundbuch eingetragenen Wohnrechts?"

Markus Kühn: Nach § 2286 BGB wird durch einen Erbvertrag das Recht des Erblassers, über sein Vermögen durch Rechtsgeschäft zu verfügen, grundsätzlich nicht beschränkt. Der Erblasser kann also weiterhin unter Lebenden über sein gesamtes Vermögen verfügen, auch unentgeltlich. Um Missbrauch zu unterbinden, gibt das Gesetz dem vertragsmäßig Bedachten nach dem Tod des Erblassers gewisse Ausgleichs- und Herausgabeansprüche, wenn Zuwendungen des Erblassers in der Absicht erfolgt sind, den Bedachten zu beeinträchtigen. Zusätzlich zum Erbvertrag kann sich der Erblasser zur Absicherung des erbvertraglich Bedachten verpflichten, lebzeitige Verfügungen zu unterlassen. Ein solcher Vertrag wirkt aber nur schuldrechtlich zwischen den Beteiligten und nimmt dem Erblasser gegenüber nicht am Erbvertrag beteiligten Dritten nicht seine Verfügungsfreiheit. Der Verfügungsunterlassungsvertrag begründet aber bei Verletzung der darin geregelten Unterlassungspflichten einen Schadensersatzanspruch gegen den Erblasser oder seine Erben, der grundsätzlich auch auf Rückgängigmachung der Verfügung geht. Gegen eine dritte Person, die nicht (Vertrags-)Erbe ist und zugunsten der der Erblasser mittels Wohnrechtseinräumung verfügt hat, kommen aber nur in Ausnahmefällen Schadensersatzansprüche in Betracht.

 

Sandra R.: "Ich (63) bin alleinstehend, habe keine Pflichtteilerben und besitze einige Eigentumswohnungen. Wie formuliere ich mein Testament, wenn ich Nichten, Großnichten, sowie Kinder von Freunden damit bedenken will, ohne dass es eine Erbengemeinschaft wird. Muss ich einen Alleinerben bestimmen, der dann die Verpflichtung hat, einzelne Wohnungen an andere herauszugeben?"

Markus Kühn: Mehrere Erben bilden immer eine Miterbengemeinschaft. Das bedeutet, dass die Miterben entsprechend ihrer Erbquote immer am gesamten Nachlass beteiligt sind und häufig Streitigkeiten vorprogrammiert sind. Wenn Sie vermeiden wollen, dass einzelne Personen Mitglied einer Erbengemeinschaft werden, können Sie diesen ein Vermächtnis zuwenden. Ein Vermächtnisnehmer hat (nur) einen Anspruch gegen den bzw. die Erben auf Übertragung des vermachten Gegenstandes, wie hier einer Eigentumswohnung. Geht es Ihnen nur darum, den von Ihnen genannten Personen bestimmte Eigentumswohnungen zuzuwenden, könnten Sie auch in einer Teilungsanordnung regeln, wie die Miterben den Nachlass gegenständlich zu verteilen haben. Wenn sich die Erben einig sind, können diese aber eine abweichende Aufteilung des Vermögens vornehmen. Beachten Sie: Eine Teilungsanordnung führt nicht zu einer Verschiebung der wertmäßigen Beteiligung der Erben am Nachlass und kann Ausgleichspflichten einzelner Miterben gegenüber anderen auslösen. Auch durch die Anordnung einer Testamentsvollstreckung könnten Sie Streitigkeiten unter Ihren Erben vermeiden und sicherstellen, dass Ihr letzter Wille vollzogen wird. Der Testamentsvollstrecker verteilt den Nachlass entsprechend dem Willen des Erblassers und kann auch zur Verwaltung des Vermögens oder einzelner Vermögenswerte eingesetzt werden.

 

Josef A.: "Ich bin verheiratet und lebe mit meiner Frau in Zugewinngemeinschaft. Wir haben gemeinsame Kinder. In unserem gemeinsamen Testament haben wir uns gegenseitig als Alleinerben eingesetzt sowie Nacherben bestimmt. Der Vorerbe hat allerdings das Recht, nach dem Tod des Erstverstorbenen das Testament zu ändern. Das Testament verwahren wir selbst. Besteht die Gefahr, dass nach dem Tod des Nachversterbenden das Testament von nicht bedachten Personen beseitigt werden kann, oder wird es vom Nachlassgericht nach dem ersten Erbgang registriert und kontrolliert bis zum zweiten Erbgang? Ist eine Hinterlegung beim Nachlassgericht Voraussetzung für eine korrekte Abwicklung beim zweiten Erbgang?"

Markus Kühn: Wer ein Testament im Besitz hat, das nicht in besondere amtliche Verwahrung gebracht worden ist, ist verpflichtet, dies unverzüglich, nachdem er vom Tod des Erblassers Kenntnis erlangt hat, an das Nachlassgericht abzuliefern. Dies würde zunächst für den Längerlebenden von Ihnen beiden gelten. Das Nachlassgericht eröffnet dann das Testament. Ein abgeliefertes, vorher nicht amtlich verwahrtes gemeinschaftliches Testament verbleibt nach der Eröffnung lediglich bei den Akten. Das Nachlassgericht prüft nicht die Wirksamkeit des Testamentes und kontrolliert von sich aus auch nicht, wann und ob der Nacherbfall eingetreten ist, also der längerlebende Ehegatte auch gestorben ist. Der Längerlebende von Ihnen kann aber grundsätzlich nach der Eröffnung des Testamentes nach dem Tod des Erstverstorbenen beantragen, dass das Testament in die besondere amtliche Verwahrung genommen wird. Dadurch wird die Eröffnung nach dem Tod des Letztversterbenden gewährleistet. Auch wenn der Längerlebende das Testament ändert, ist die amtliche Verwahrung ein empfehlenswerter Schutz gegen ein „Verschwindenlassen“ des Testamentes durch Personen, die sich so möglicherweise Vorteile hinsichtlich ihres Erbes oder des Erbes einer ihnen nahestehenden Person ausrechnen.

 

Anna H.: "Wir, ein Ehepaar ohne Kinder mit jeweils einer noch lebenden Mutter und Geschwistern, haben eine gemeinsame Eigentumswohnung und getrennte Konten. Wir wollen testamentarisch sicherstellen, dass den jeweiligen Vermögensanteil eines Ehepartners, wenn wir kurz nacheinander versterben - etwa durch einen Unfall - die jeweiligen Angehörigen erhalten. Es soll nicht das gesamte Eigentum an die Angehörigen des Letztverstorbenen übergehen. Wie müssen wir dazu das Testament formulieren?"

Markus Kühn: Sie könnten beispielsweise den jeweils überlebenden Ehegatten als Vor- und die Angehörigen des Erstversterbenden als Nacherben des Vermögens des Erstversterbenden einsetzen. Beim Tod des Längerlebenden erben dann die Nacherben das Vermögen des Erstversterbenden. Das Vermögen des Längerlebenden kann hingegen an seine Erben gehen. Eine solche Regelung kann aber für den Fall, dass Sie tatsächlich kurz nacheinander versterben, ungünstig sein, da in einem kurzen Zeitraum zwei steuerpflichtige Erbfälle vorliegen. Denkbar wäre daher auch eine Gestaltung, bei der nicht der überlebende Ehepartner, sondern die Angehörigen des erst versterbenden seine Vorerben, der (zunächst) überlebende Nacherben werden und der Nacherbfall nur eintritt, wenn der überlebende Ehepartner bspw. nicht innerhalb eines Monats nach dem Tod des erstversterbenden Ehepartners verstirbt. Verstirbt er innerhalb der Frist, entfällt die Nacherbfolge ersatzlos. Bedenken Sie aber bitte, dass ich hier nur einige Anregungen für die Regelungen eines speziellen Fall innerhalb eines Testamentes gehen kann. Der „Erfolg“ eines Testamentes hängt davon ab, dass sämtlich darin getroffenen Regelungen aufeinander abgestimmt sind, um das von Ihnen wirklich gewollte Ziel zu erreichen.

 

Helga R.: "Mein Mann (83, Rentner) und ich (65, Rentnerin und zusätzlich derzeit noch berufstätig) leben in Zugewinngemeinschaft und denken daran, ein "Berliner Testament" zu erstellen, in dem wir uns gegenseitig als Erben einsetzen. Unsere bestehenden und künftigen Ersparnisse setzen sich aus Versicherungssummen und Gehalt von meiner Seite zusammen. Mein Mann hat aus erster Ehe eine Tochter mit Familie und wir haben einen gemeinsamen Sohn mit Familie.

Angenommen, wir setzen uns gegenseitig als Erben ein, ist mein Mann Erbe des Ersparten, wenn ich vor ihm sterbe. Aber was ist, wenn danach mein Mann stirbt: Ist seine Tochter ebenso erbberechtigt wie unser gemeinsamer Sohn? Wie lässt sich dies verhindern? Wir möchten beide, dass unser Sohn die von mir erbrachten Ersparnisse erbt und nicht die Tochter meines Mannes. Und sollte mein Mann vor mir sterben, muss ich dann etwas an seine Tochter vererben, da wir ja in Zugewinngemeinschaft leben? Obwohl nachweislich sämtliche Ersparnisse aus meinen Leistungen der letzten Jahre stammen."

Markus Kühn: Bei dem von Ihnen angedachten Berliner Testament, bei dem Sie sich als Ehegatten gegenseitig als Vollerben und Ihren Sohn als Schlusserben einsetzen, geht das Vermögen des Erstversterbenden in das Vermögen des Überlebenden über und bildet mit dessen Vermögen zusammen eine Vermögensmasse. Für den Fall, dass Sie zuerst sterben, würde also Ihr Mann Ihr Alleinerbe. Ihr Sohn wäre für diesen ersten Erbfall enterbt, da ihm ohne Testament ein gesetzlicher Erbteil von ½ zustehen würde. Er könnte daher auch bei Ihrem Erstversterben den Pflichtteil in Höhe von ¼ von Ihrem Mann fordern. Beim späteren Tod Ihres Mannes würde seiner Tochter zumindest ein Pflichtteil in Höhe von ¼ am Gesamtvermögen Ihres Mannes, das dann auch Ihr Nachlassvermögen umfasst, zustehen. Wenn Sie dies nicht wollen, käme eine sog. Trennungslösung in Betracht. Danach würde der überlebende Ehegatte Vorerbe des Erstversterbenden und Ihr Sohn könnte Nacherbe werden. Bei dieser Lösung käme es nicht zu einer Verschmelzung Ihrer Vermögensmassen. Wenn Sie zuerst sterben, ist Ihr Mann nur Vorerbe Ihres Vermögens und besitzt daneben noch sein Eigenvermögen. Beim Tod Ihres Mann erhält Ihr Sohn Ihr Vermögen dann als Nacherbe und wäre daneben Erbe des Eigenvermögens Ihres Mannes. Die Tochter Ihres Mannes hätte nur ein Erb- bzw. Pflichtteilsrecht am Eigenvermögen Ihres Mannes.

Stirbt Ihr Mann zuerst, hätte seine Tochter einen Pflichtteilsanspruch in Höhe von ¼ seines - nicht Ihres - Vermögens gegen Sie als Erbin. Auch bei einer Zugewinngemeinschaft bleiben die Vermögensmassen der Ehepartner grundsätzlich getrennt. Nur bei Beendigung der Ehe hat der Partner mit dem geringeren Zugewinn einen Anspruch auf Ausgleich des Mehr-Zugewinns des anderen. Bitte beachten Sie, dass diese Ausführungen keine rechtliche Beratung ersetzen können.

 

Elke H.: "Mein Ehemann und ich haben uns als gegenseitige Alleinerben eingesetzt. Meine Kinder aus erster Ehe sind unsere Nacherben - mein Mann hat keine eigenen Kinder. Was passiert, wenn ich vor meinem Mann sterbe? Können wir in dem Testament (dies ist nicht beim Notar, sondern bei uns zu Hause) einen Passus vermerken, dass ausschließlich die Kinder nach seinem Tod den Nachlass bekommen? Es ist mir wichtig, dass meine Kinder das Grundstück, auf das wir unser Haus gebaut haben und auch diverse Kunstgegenstände, die ich mit in die Ehe gebracht habe, dies auch nach unserer beider Tod, erben."

Markus Kühn: Setzen sich Ehegatten gegenseitig als Alleinerben ein, ist zu unterscheiden zwischen der sog. Einheitslösung und der Trennungslösung. Bei der Einheitslösung geht das Vermögen des Erstversterbenden voll in das Vermögen des Überlebenden über. Die Erben des Längstlebenden (meistens die Kinder) werden als Schlusserben bezeichnet. Bei der Trennungslösung wird der überlebende Ehegatte hingegen nur Vorerbe, die Kinder Nacherben. Ich verstehe Sie so, dass Sie die Trennungslösung gewählt haben. Ein Vorerbe darf grundsätzlich über die zur Erbschaft gehörenden beweglichen Gegenstände entgeltlich verfügen, nicht hingegen über Grundstücke. Alles das, was der Vorerbe mit Mitteln der Erbschaft erwirbt, fällt aber in den Nachlass zugunsten des Nacherben. Um klarzustellen, dass alle von Ihnen und Ihrem Mann getroffenen Verfügungen im Testament wechselbezüglich, also für beide bindend sind, können Sie einen entsprechenden Passus in Ihr Testament aufnehmen. Auch könnten Sie im Testament auf das Selbstanfechtungsrecht nach § 2079 BGB analog verzichten, um sicherzustellen, dass der längerlebende Ehegatte nicht aufgrund Wiederverheiratung oder Erlangung eines weiteren Abkömmlings die Bindungswirkung des gemeinschaftlichen Testaments aufheben kann. Überdies empfehle ich Ihnen, Ihr Testament beim Amtsgericht zu hinterlegen. Diese Antwort ist nur eine erste Einschätzung aufgrund des kurzen Sachverhalts und kann eine rechtliche Beratung durch einen Anwalt oder Notar nicht ersetzen.

 

Maria P.: "Mein Mann (83 Jahre/45 Jahre verheiratet, jetzt getrennt) hat ein gemeinschaftliches Testament geschrieben. Dieses lautet: Seinen gesamten Nachlass bekommt sein Sohn. Weiterer Wortlaut: 'Möglicherweise gehört zu meinem Nachlass noch eine Darlehensverbindlichkeit gegenüber der Bausparkasse Wüstenrot aus einem Bausparvertrag, den ich für eine befreundete Familie als Beihilfe für deren Hausbau angenommen habe. Die Empfänger sind jetzt beide arbeitslos und nicht in der Lage, das Darlehen zurückzuerstatten. Das bei meinem Ableben noch bestehende Restdarlehen soll daher von meiner Ehefrau als meiner Erbin verzinst und getilgt werden; meine Ehefrau kann dies aus meiner Witwenrente bestreiten.' Ich bin jetzt über 80 Jahre und gesundheitlich angeschlagen. Meine Frage: Wie kann ich mich gegen diese Gemeinheit wehren?"

Markus Kühn: Zunächst kann ich Sie beruhigen: Man muss das missverständlich formulierte Testament wohl so auslegen, dass Ihr Mann seinen Sohn als Alleinerben eingesetzt hat. Dann müssen Sie bei seinem Tod auch nicht für irgendwelche Verbindlichkeiten - wie das Bauspardarlehen - Ihres Mannes einstehen. Der Alleinerbe tritt in die Rechte und Pflichten des Erblassers ein. Wenn Sie das Testament nicht mitunterschrieben haben, ist es auch kein gemeinschaftliches Testament.

Solange Sie mit Ihrem Mann noch rechtsgültig verheiratet sind, haben Sie bei dessen Tod einen Anspruch auf den Pflichtteil. Wenn Sie mit Ihrem Mann im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratet sind, beträgt dieser 1/8. Dazu kommt dann noch ein Anspruch auf den während der Ehezeit erzielten Zugewinn. Zur Berechnung dieses Anspruchs wird das jeweilige Anfangsvermögen beider Ehegatten dem jeweiligen Endvermögen gegenübergestellt. Hatten Sie einen geringeren Zugewinn als Ihr Mann, haben Sie einen Anspruch in Höhe der Hälfte des "Mehr-Zugewinns" Ihres Mannes. Der Pflichtteils- und Zugewinnausgleichsanspruch ist ein Geldanspruch gegen den Erben.

Wenn Sie mit Ihrem Mann einen Ehevertrag geschlossen haben und im Güterstand der Gütertrennung leben, haben Sie bei seinem Tod und bis dahin bestehender Ehe einen Pflichtteilsanspruch in Höhe von 1/4, aber keinen Anspruch auf Zugewinnausgleich.

Insbesondere wenn Sie keinen Ehevertrag haben, sollten sich überdies rechtlich beraten lassen, ob es nicht sinnvoll ist, sich von Ihrem Mann scheiden zu lassen und dann ggf. den Zugewinnausgleich und Unterhaltsansprüche gegen ihn geltend zu machen.

 

Hans F.: "Meine Frau und ich beabsichtigen die Errichtung eines gemeinschaftlichen Testaments. Wir wollen uns gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Schlusserben sollen unsere drei Kinder zu gleichen Teilen werden. Ich besitze u. a. zwei Immobilien, meine Frau eine. Falls ich als erster versterbe, sollen zwei Töchter je eine meiner Immobilien als Vermächtnis erhalten. Sollte meine Frau als erste versterben, so erhält die dritte Tochter die Immobilie meiner Frau als Vermächtnis. Wie ist bei den Immobilien für den Fall zu formulieren, wenn der zweite Ehegatte stirbt? Das Vermächtnis kann ja nicht mehr vollzogen werden. Können wir anordnen, dass unsere Kinder nicht ausgleichspflichtig sind, auch wenn die Immobilien verschiedene Werte haben?"

Markus Kühn: Da Sie neben den Immobilien noch anderes Vermögen besitzen, wollen Sie Ihren Töchtern wohl eine Doppelstellung als Erbe und Vermächtnisnehmer einräumen, um jeder eine Ihrer Immobilien zukommen zu lassen. Vermächtnisse sind keine Erbeinsetzungen, sondern begründen einen schuldrechtlichen Anspruch des Bedachten gegen den mit dem Vermächtnis Beschwerten. Grundsätzlich ist der Erbe mit dem Vermächtnis beschwert. Das wäre im von Ihnen beschriebenen ersten Erbfall also der überlebende Ehegatte, im zweiten Erbfall die Schlusserben. Im Unterschied zu einer sog. Teilungsanordnung wird der einem Erben mittels sog. Vorausvermächtnis zugewandte Gegenstand nicht auf den Erbteil dieses Erben angerechnet, der übrige Nachlass wird also entsprechend den Erbquoten so geteilt, als ob der Gegenstand einem Dritten zugewiesen worden ist. Eine Ausgleichspflicht entsteht insoweit nicht. Sie könnten also formulieren, dass im zweiten Erbfall die dritte Tochter die Immobilie Ihrer Frau bzw. die zwei Töchter Ihre zwei Immobilien als Vorausvermächtnis erhalten. Problematisch bei der von Ihnen gewollten Konstruktion des gemeinschaftlichen Testaments ist unter anderem, dass Ihre Kinder im ersten Erbfall gar nicht Erbe werden, wenn der überlebende Ehegatte Alleinerbe wird. Das bedeutet, dass Ihre Kinder „in Geld“ zu erfüllende Pflichtteilsansprüche gegen den überlebenden Ehegatten geltend machen könnten, die zu Liquiditätsproblemen bei ihm führen könnten. Deshalb sollten Sie hier auch bspw. eine Vor- und Nacherbschaftsgestaltung in Erwägung ziehen.

 

Christine S.: "Ich (62) bin nicht verheiratet und will ein Testament erstellen. Als Alleinerbin will ich meine Mutter einsetzen. Weiter habe ich noch eine Schwester und zwei Neffen. Was muss ich für diese Nacherben beachten, damit mein Schwager im Fall der Fälle nicht erbberechtigt ist und der Erbteil meiner Schwester "in unserer Familie" bleibt?"

Markus Kühn: Wenn Sie vermeiden möchten, dass Ihr Schwager im Todesfall Ihrer Schwester zusammen mit Ihren Neffen oder gar allein Erbe Ihres Vermögens wird, können Sie dies durch die testamentarische Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft sicherstellen. Sie könnten Ihre Mutter als Vorerbin, Ihre Schwester als Nacherbin und Ihre Neffen wiederum als Nacherben Ihrer Schwester einsetzen. Tritt dann der zweite Nacherbfall mit dem Tod Ihrer Schwester ein, geht das Vermögen nicht auf die Erben bzw. Pflichtteilsberechtigten Ihrer Schwester - zu denen auch Ihr Schwager gehören würde, sondern allein auf Ihre Neffen über. Für den Fall, dass Ihre Mutter vor Ihnen stirbt, könnten Sie ebenso Ihre Schwester als Vorerbin Ihrer Neffen einsetzen. Bei der Regelung der Vor- und Nacherbschaft ist zwischen einer nicht befreiten und einer befreiten Vorerbschaft zu differenzieren. Sofern Sie nichts anderes regeln, ist der Vorerbe durch starre gesetzliche Regeln in seiner Verfügungsmacht über das erhaltene Vermögen beschränkt. Er kann z.B. über ein zur Erbschaft gehörendes Grundstück nicht verfügen und keine unentgeltlichen Verfügungen über Nachlassgegenstände vornehmen. Auch könnten Sie durch die Anordnung einer Testamentsvollstreckung und eines Auseinandersetzungsverbots sicherstellen, dass Ihr Vermögen nach Ihrem Tod in Ihrem Sinne dauerhaft von einem Testamentsvollstrecker verwaltet wird.

 

Ingrid P.: "Mein Lebensgefährte ist verstorben und hat mir das Wohnrecht/Vermietungsrecht an seiner Wohnung in seinem Vermächtnis hinterlassen. Ich bin 71 Jahre alt. Seine Tochter hat mir zur Ablöse meines Wohnrechts die Zahlung von 25.000 Euro angeboten. Wie viel Steuern müsste ich darauf zahlen?

Ich selbst bin kinderlos und möchte meine eigene Wohnung dem hiesigen Tierheim vererben. Fallen in diesem Fall Erbschaftssteuern an? Außerdem würde mich interessieren, wie viel Prozent tatsächlich dem Tierheim zugutekommen und welche Verwaltungskosten entstehen."

Markus Kühn: Als Vermächtnisnehmerin haben Sie erbschaftsteuerlich den Kapitalwert des Wohn-/Vermietungsrechts zu versteuern. Sie können die Steuer statt in einmaliger Zahlung auch jährlich im Voraus vom Jahreswert des Wohnrechts entrichten. Bei einem Kapitalwert von 25.000 Euro müssten Sie auf den Vermächtniserwerb einmalig 3.366 Euro Erbschaftsteuern zahlen. Einkommensteuerlich würden eventuelle Vermietungseinkünfte Ihnen zugerechnet. Wenn Sie dieses Wohn-/Vermietungsrecht dann gegen eine Einmalzahlung veräußern, ist darin nach Ansicht der Finanzverwaltung lediglich eine nicht steuerbare Vermögensumschichtung zu sehen. Wenn Sie Ihre Wohnung einem als gemeinnützig anerkannten Tierschutzverein vererben, der ein Tierheim betreibt, ist dies grundsätzlich erbschaftsteuerbefreit. Um zu erfahren, welcher Prozentsatz von Spendengeldern für Verwaltungskosten verwendet wird - so verstehe ich Ihre letzte Frage -, müssten Sie sich an das jeweilige Tierheim wenden, das Sie bedenken wollen.

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