Private Finanzplanung Kühn
Private Finanzplanung Kühn

Finanz-Leserfragen Münchener Merkur 2010 und 2011

21.12.2011
Sebastian H.:
"Meinen beiden Töchtern möchte ich gerne jeweils den Betrag von € 10.000.- übereignen. Dabei möchte ich die Übergabe von Bargeld oder eines Sparbuches vermeiden. Ich habe mir etwa die Übergabe eines Sparbriefes o. ä. vorgestellt. Das Geld sollte bei Bedarf eher kurzfristig für eine evtl. Notsituation zur Verfügung stehen und möglichst noch einen kleinen Ertrag bringen. Erwarte ich eventuell zuviel?"

 

Stefanie Kühn: Sparbriefe oder Tagesgeldkonten eignen sich hervorragend für Anlagen, die kurzfristig oder mittelfristig zur Verfügung stehen sollen. Gute Tagesgeldkonten bieten Konditionen, mit denen zumindest der Inflationsausgleich noch geschafft werden kann.
Tagesgeldkonten sind täglich verfügbar, eventuell bietet es sich an, für jede Tochter einen Teil völlig flexibel anzulegen. Bei Sparbriefen oder Festgeldern gibt es unterschiedliche Laufzeiten, hier sollten Sie sich aufgrund Ihres Ziels „Notsituation absichern" nicht zu lange binden. Die derzeit recht niedrigen Zinsen laden sowieso nicht dazu ein. Die holländische NIBC Bank oder die Santander Direktbank sind Beispiele, wo Sie schon für Ihre Anlagesumme attraktive Zinsen bekommen.
Die BMW-Bank hat ein Online-Sparbuch mit einem derzeitigen Zins von 2,7% (Stand Nov. 11), das eine für Sparbücher typische drei-monatige Kündigungsfrist besitzt mit einer Verfügbarkeit von 2.000 Euro pro Monat. Dieses Angebot fiel mir spontan ein, als ich Ihre Frage las – auch wenn Sie eigentlich kein Sparbuch übergeben wollten. Da alles online passiert, ist dieses Kriterium aber auch erfüllt.
Zur Abwicklung: Sie könnten Ihre Töchter bitten, geeignete Konten zu eröffnen und Sie überweisen das Geld dann direkt dorthin.

 

29.11.2011
Regina M.:
"Meine Mutter (89) erhielt aufgrund der schlechten Anlageverzinsung von ihrer Sparkasse folgendes Angebot: Eine Anlage Ihres Geldes in ein Generationen-Depot der Bay. Vers. Kammer. Anlagedauer 12 Jahre – da das Höchstalter von 85 Jahren bereits überschritten ist, soll das Depot auf mich lauten. Vorteile  lt. Aussage des Mitarbeiters: gute Verzinsung, jederzeit Verfügbarkeit von Teilbeträgen, Versteuerung erst bei Entnahme von Beträgen, kein Anfall von Erbschaftssteuer, da das Geld bereits über mich läuft.Was halten Sie von der Anlage? Gäbe es nach Ihrer Meinung eine bessere und ist es richtig, dass das Geld zu meinen steuerlichen Beträgen gerechnet wird?"

 

Stefanie Kühn: In dem Moment, wo Ihre Mutter Geld auf Ihren Namen anlegt, handelt es sich um eine Schenkung, die der Schenkungsteuer unterliegt. Als Tochter haben Sie einen Freibetrag von 400.000 Euro (alle 10 Jahre). Es ist richtig, dass dann im Todesfall keine Erbschaftssteuer mehr anfällt, da das Vermögen Ihnen ja aufgrund der Schenkung schon gehört. Weitere Folgen wie beispielsweise ein Pflichtteilsergänzungsanspruch bei Geschwistern wären aber zu bedenken.
Im Grundsatz handelt es sich bei diesem Produkt um eine Kapitallebensversicherung mit Einmalanlage. Der Garantiezins beträgt derzeit noch 2,25% und sinkt zum Jahreswechsel auf 1,75%. Die meisten Lebensversicherungen schaffen Renditen zwischen 2,5 und 4% - Sie können sich sagen lassen, welche Renditen mit Lebensversicherungen der Bayerischen Versicherungskammer, die jetzt zur Auszahlung kommen, erzielt werden. Das und die in der Berechnung angegebene Hochrechnung mit dem derzeit gültigen Überschusssatz ist ein guter Maßstab, welche Rendite zu erwarten ist. Garantiert ist immer nur der Garantiezins und dieser wird nur auf den (unbekannten) Sparanteil gezahlt – also den Teil der eingezahlten Summe, der nicht für Abschluss- und Verwaltungskosten sowie Risikokosten verwendet wird.
Lassen Sie sich die Kosten genau beziffern, sowohl die einmaligen Abschlusskosten als auch die laufenden Verwaltungskosten. Dann ergibt sich die Antwort auf Ihre Frage, ob es bessere Anlagen gibt, meist sehr schnell.
Alternativen sind eine Schenkung an Sie und Anlage des Geldes gemäß Ihrer individuellen Situation und Ihrer Risikoeinstellung.

 

14.11.2011
Hermann D.:
"Die Umweltbank Nürnberg hat mir als Anlage für eine größere Summe die Windkraft-Firma Enertrag Energieinvest AG empfohlen. Die Firma wirbt mit einem Zinssatz zwischen 7 und 8 Prozent. Was halten Sie von dieser Firma? Hat Enertrag eine gute Bonität und ist eine Anlagezeichnung dort sicher?"

 

Stefanie Kühn: Wenn Sie Anleihen einer Firma erwerben, dann spielt die Bonität des Unternehmens eine entscheidende Rolle. Anleihen unterliegen nicht der gesetzlichen Einlagensicherung. In diesem Fall ist die Bonität besonders wichtig:
Die Anleihen der Firma werden laut dem Wertpapierprospekt nicht an der Börse gehandelt, der Anlagebetrag würde also über den Zeitraum 6 bzw. 7 Jahre festliegen (Schenkung/Vererbung ist aber möglich). In dieser Zeit haben Sie also praktisch keine Möglichkeit, auf eine veränderte Bonitätseinstufung o.ä. durch einen vorzeitigen Verkauf zu reagieren. Ein Totalausfall ist wie bei allen Anleihen möglich. Geht das Unternehmen pleite, können Sie hier jedoch nicht, wie bei Unternehmensanleihen, die börsennotiert sind, eventuell noch rechtzeitig die „Reißleine" ziehen und über die Börse mit Abschlag verkaufen .
Die Risiken der Anleihe sind im Wertpapierprospekt ausführlich beschrieben. Mir ist aufgefallen, dass sich die Emittentin ein vorzeitiges Kündigungsrecht vorbehält. Das bedeutet, das Unternehmen kann die Anlage zum Ende eines Laufzeitjahres kündigen, Sie aber nicht. Sollte das Unternehmen davon Gebrauch machen, können Sie eventuell Ihr Geld nicht zu vergleichbaren Konditionen am Kapitalmarkt anlegen.
Ein „offizielles" Rating der Anleihe oder der Emittentin habe ich auf der Homepage nicht gefunden, insofern müssen Sie selbst entscheiden, ob Ihr Risiko angemessen verzinst wird. Der hohe Zinssatz im Verhältnis zu den derzeitigen Marktgegebenheiten lässt darauf schließen, dass die Risiken nicht zu vernachlässigen sind.
Letztlich müssen Sie überlegen, ob eine solche Anlage mit fester Laufzeit und wohl keiner Möglichkeit des vorzeitigen Ausstieges zu Ihren sonstigen Anlagen passt. In einem sehr breit gestreuten Portfolio mit unterschiedlichen Risikoklassen würde man eher eine Anlage solcher Art dazunehmen, als wenn Sie mit nahezu 100% Ihres Anlagekapitals hier investieren möchten.

 

04.11.2011
Klaus D.:
"Ich habe eine Direktversicherung als Altersvorsorge abgeschlossen, die steuerlich begünstigt ist. Das heißt die Beiträge wurden direkt von meinem Gehalt abgezogen. Die Auszahlung ist zur Rente. Nun bräuchte ich jedoch ganz dringend Geld. Wie komme ich jetzt schon an das Geld aus der Versicherung?" 

 

Stefanie Kühn: Direktversicherungen sind eine Form der betrieblichen Altersvorsorge. Eine vorzeitige Kündigung ist möglich, die Auszahlung erfolgt aber frühestens mit 60. Insofern ist eine Kündigung hier mit einer Beitragsfreistellung gleich gestellt. Ihnen ist damit natürlich nicht geholfen. Eine Kündigung, wie Sie sie vielleicht von Lebens- oder Rentenversicherungen kennen (Auszahlung des Rückkaufswertes) gibt es also nicht. Sie können die Versicherung leider auch nicht beleihen oder verkaufen.
In der Vergangenheit gab es Urteile, die dies bestätigt haben, jedoch auch Urteile, die die Arbeitgeber, die nicht ausreichend auf diese Problematik hingewiesen haben, zu Schadensersatz verurteilt haben. Gegegebenenfalls wäre hier eine anwaltliche Beratung sinnvoll.

 

27.10.2011
Hubert B.:
"Wir haben am 18. November 1991 bei unserer Bank einen Vorsorgeplan unterzeichnet (Ansparzeit 20 Jahre, montaliche Einzahlung 200 DM). Das vereinbarte Ziel waren 100.500 DM, fällig am 15. November 2011 inklusive 20 Prozent Bonus. Laut heutiger Mitteilung und telefonischer Nachfrage erhalten wir, vorbehaltlich dem Abzug von Steuern, voraussichtlich 40.650,33 Euro. Wir kommen uns ganz schön betrogen vor. Wie sehen Sie das?"

Stefanie Kühn: Sie haben ein sogenanntes Bonussparen abgeschlossen. Das, was so großartig klingt – ein Bonus von bis zu 20% – wird in der Regel nur auf die jährliche Sparrate gezahlt. Der Rest, also das bereits angesparte Geld, wird mit einem oft recht mageren Zins versehen. Je länger die Laufzeit ist, umso großer also der „Batzen Geld", der gering verzinst wird. Daher sollte man grundsätzlich bei Bonussparverträgen immer die Rendite über die Laufzeit erfragen und sich von hohen Bonusbeträgen nicht blenden lassen.
Die Rendite Ihrer Anlage habe ich berechnet. Sie haben über die 20 Jahre eine durchschnittliche Rendite von ca. 4,7% erzielt. Ursprünglich prognostiziert waren ca. 6,7%. Diese Verschlechterung trägt dem allgemeinen Rückgang der Zinsen in den letzten Jahren Rechnung, vor dem Sie durch den variablen Basiszins dieses Produktes nie gefeit ist. Letztlich war Ihr Sparvertrag gerade in den letzten Jahren doch recht ordentlich verzinst, wenn Sie die 4,7% mit dem derzeitigen Zinsniveau vergleichen.

 

22.09.2011
Veronika S.
: "Ich habe eine Frage, die ich gerne von Stefanie Kühn beantwortet hätte und deren Beantwortung sicherlich viele Ihrer Leser auch interessiert: Wir möchten für unsere Kinder (2 und 7 Jahre) jeweils 50 Euro monatlich sparen und zusätzlich je 5.000 Euro mit langem Anlagehorizont und möglichst ökologisch-sozial sinnvoll anlegen. Könnten Sie bitte sowohl sicherheitsorientierte als auch riskantere Vorschläge machen?

 

Stefanie Kühn: Als sicherheitsorientierte Anlagen kommen Tages- und Festgelder in Frage. Hier finden Sie bei Banken wie der GLS-Bank, Umwelt- oder Ethikbank Angebote für Ihre Anlagesumme und den gewünschten Sparplan. Bei der derzeitigen Lage am Zinsmarkt empfehle ich Ihnen, keine zu langen Anlagezeiten zu vereinbaren, auch wenn Sie grundsätzlich einen langfristigen Zeithorizont haben.
Wenn Sie risikoreicher, dafür aber natürlich auch chancenreicher anlegen möchten, kommen Misch- oder Aktienfonds, die so investieren, dass bestimmte ökologische und ethische Vorgaben berücksichtigt werden. Dabei müssen Sie trotz oft imposanter Titel der Fonds diese genau ansehen. Es gibt keine einheitliche Regelung für die Kriterien und oft wird der sogannte Best-in-class-Ansatz verwandt. Das bedeutet, dass z.B. das Kriterium „Umweltfreundlichkeit" nicht absolut gemessen wird, sondern die Unternehmen einer Branche verglichen werden. Der Beste kommt dann in den Fonds. Fondssparpläne gibt es in der Regel ab 50 Euro im Monat. Zur Verbesserung der Rendite können Sie darauf achten, dass Sie möglichst kostenarm anlegen, d.h. keine oder geringe Depotgebühren zahlen und den Ausgabeaufschlag vermeiden.

 

23.08.2011
Max W.:
"Mir sind als Kapitalanlage Schiffscontainer der Firma P & R, Grünwald, angeboten worden. Hierzu habe ich ein paar Fragen. Welche Risiken sind mit diesem Investment verbunden? Wie hoch ist das Risiko einzuschätzen, sein Kapital zu verlieren? Mit welcher Rendite ist zu rechnen, umgerechnet auf normale Bankanlagen, da deren Zinsberechnungen auf der IRR-Methode beruhen?"

 

Stefanie Kühn: Eine Anlage in Schiffscontainer ist eine unternehmerische Beteiligung. Sie werden damit Mitunternehmer, das ist nicht per se schlecht, man muss nur wissen, was man sich einkauft. In diesem Fall kaufen Sie einen Container, den Sie vermieten. Diese Aufgabe übernimmt P&R für Sie für mindestens 5 Jahre. Danach können Sie den Container verkaufen (an P&R, aber wohl auch an andere). Als Mitunternehmer tragen Sie ein Totalverlustrisiko. Beteiligungen zählen zum sogannten grauen Kapitalmarkt. P&R hat eine recht lange Historie und es gab offenbar keinerlei Probleme.

Die speziellen Risiken bei den Container-Vermietungen liegen in einer eventuell veränderten weltweiten Nachfrage nach Containern, dem Ausfall des Mieters sowie P&Rs. Außerdem ist der Wiederveräußerungspreis nicht garantiert. Ob diese Risiken für Sie tragbar sind, kann pauschal nicht beantwortet werden.

Die IRR Rendite ist die gängige Renditeangabe für Beteiligungen und drückt die Rendite des durchschnittlich gebundenen Kapitals aus. Bei dieser Methode wird unterstellt, dass alle Ausschüttungen zum ursprünglichen Zins wieder angelegt werden, nicht aber zum Marktzins. Bei einer relativ kurzen Laufzeit mag diese Annahme jedoch nur zu geringen Verzerrungen führen. Wenn Sie den Gesamtkapitalfluss in Prozent von verschiedenen Anlagen über 5 Jahre betrachten, wird der Vergleich für Sie einfacher.

Wenn für Sie am Ende eine Rendite von 3,62% nach Steuern mit der IRR-Methode rauskommt (wie ich mir in einem Beispiel auf der Homepage der Gesellschaft ausgerechnet habe) sollten Sie sich fragen, ob Sie bereit sind, für diese Rendite die Risiken einer Beteiligung einzugehen. Zum Vergleich: Mit einem heute erzielbaren Festgeldangebot können Sie für 5 Jahre eine Nachsteuerrendite von 2,95% bei staatlicher Einlagensicherung bis 100.000 Euro erzielen.

 

11.08.2011
Karin H.:
"Seit vielen Jahren haben wir 210 Inhaber-Anteilsscheine von DWS Euro Spezial (Isin: DE0009769711). Schon kurz nach dem Kauf fiel der Kurs - unser jetziger Verlust liegt bei über 30 prozent. Nun haben wir eine Mitteilung unserer Bank bekommen, wonach am 30. Novemver 2011 unser Anteilsscheine mit dem DWS Inter Genuss (Isin: DE0008490988) verschmolzen werden. Auif mein Nachfragen hin, ob das ein Vor- oder Anchteil für uns ist bekam ich eine nichtssagende Antwort. Ich möchte aber auf keinen Fall noch höhere Verluste. Was ist dieses Inter Genuss? Und was soll ich machen?"

 

Stefanie Kühn: Der DWS Euro Spezial ist ein Fonds, der in europäische Genussscheine investiert, der DWS Inter Genuss investiert weltweit in Genussscheine. Laut Info auf der Homepage der DWS ist außerdem ein kostenfreier Tausch in den DWS Euro-Rendite-PLus, ein Fonds mit gleichem Anlageschwerpunkt möglich. Letzterer ist steuerlich dann aber als Verkauf und Neukauf zu werten, wohingegen die Fondsverschmelzung keinen steuerlich bedeutsamen Vorgang darstellt.

Ich bin nicht ganz sicher, wie Sie zu dem 30%igen Minus kommen. Dieses Minus erreiche ich ungefähr, wenn ich den Verlust vom Höchstkurs 2007 bis heute betrachte. Sie sollten jedoch dann mindestens viermal eine Ausschüttung erhalten haben. Einen Ausgabeaufschlag haben Sie hoffentlich nicht gezahlt, da der Fonds damals schon deutlich günstiger über eine Börse handelbar war.

Genussscheine sind keine risikolose Anlage, damit haben Sie sich sicherlich vor Kauf beschäftigt. Wenn Sie diese Risiken nicht mehr eingehen möchten, ist ein Festgeld sicherlich die bessere Alternative. Zumal Sie auch in den vergangen vier Jahren damit deutlich stressfreier und besser gefahren wären.

 

07.08.2011
Anna H.:
"Nachdem ich gerade meine Geldangelegenheiten neu ordnen will, kam mir eine Postwurfsendung der Prokon Unternehmensgruppe gerade recht. Darin werden Genussrechte als Kapitalanlage beworben. Im Internet bin ich nicht so ganz schlau geworden - können Sie mir sagen, ob das Unternehmen solide ist?"

 

Stefanie Kühn: Genusscheine sind gesetzlich nicht geregelte Wertpapiere. Je nach Ausgestaltung ähneln sie eher eine Aktie oder einer Anleihe. Der Genussschein der Prokon Unternehmensgruppe ähnelt eher einer Anleihe, da Sie einen festen Zins bekommen sollen. Genusscheine sind i.d.R. nachrangige Papiere, d.h. im Insolvenzfall des Unternehmens werden Ihre Forderungen nach den Forderungen „normaler" Kreditgeber befriedigt. Genau nachlesen müssen Sie auch, ob die Zinsen gezahlt werden, wenn das Unternehmen Verluste macht. Manche Genussscheine sind so ausgestaltet, dass sie nicht gezahlte Zinsen nachholen müssen.

Das alles muss man wissen, um zu beurteilen, ob der Zins einem angemessen für das Risiko erscheint, das man eingeht. Prokon selbst ist nicht unumstritten. Erst im Frühjahr diesen Jahres untersagte das Landgericht Itzehoe dem Unternehmen, irreführende Aussagen in der Werbung zu verwenden. So seien die Risiken nicht dargestellt. Wegen der irreführenden Werbung steht Prokon auf der Warnliste bei Finanztest.
Ob das Unternehmen so solide ist, dass es seine Versprechen auch in Zukunft erfüllen kann, vermag ich nicht zu sagen. Letztlich müssten Sie Kennzahlen wie den Verschuldungsgrad und die zugrunde gelegten Windprognosen für die Planzahlen prüfen. Wenn Sie diese Anlage dann als einen Baustein Ihrer Neuordnung vorsehen möchten, zählt sie sicherlich zu den risikoreicheren Anlagen in Ihrem Anlagemix.

 

02.08.2011
Lena P.:
"Mein Sohn, 32 Jahre alt, hat im Jahr 2002 bei der WWK eine "Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit" / Investmentfonds abgeschlossen, wo er 50 € monatlich bis zum Jahr 2039 einbezahlt. Der Fond heißt WWK Select Chance und die Versicherung beinhaltet auch eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung. Ist dieser Fonds sein Geld wert? Oder ist zu befürchten, dass nach 40 Jahren einzahlen das Geld weg ist?Die Berufsunfähigkeitsrente würde monatlich 158,20 Euro betragen. Da bei meinem Sohn zwischenzeitlich (2009) eine chronische, fortschreitende Krankheit (MS) diagnostiziert wurde, ist es möglich, dass er von dieser Rente einmal Gebrauch machen muss. Wäre es sinnvoll und möglich, die BU-Versicherung zu erhöhen? Wegen dieser Rente ist eine Auflösung der Lebensversicherung wahrscheinlich nicht ratsam, denn bei jedem neuen Abschluss (mit höherer BU-Rente) müsste mein Sohn ja seine Krankheit angeben."

 

Stefanie Kühn: Ihr Sohn wird aufgrund seiner Erkrankung wohl keine andere BU-Absicherung mehr bekommen. In keinem Fall darf er seine Krankheit bei einem Antrag verschweigen, da die Versicherung sonst im Leistungsfall nicht zahlen würde.
Sollte die Versicherung eine Dynamik besitzen, wäre das die einzige Möglichkeit, die Rente ohne Gesundheitsfragen noch leicht zu erhöhen. Manche Versicherungen haben außerdem zu bestimmten Ereignissen eine Möglichkeit der Erhöhung ohne Risikoprüfung vorgesehen (bspw. bei Geburt eines Kindes). Dieses könnte überprüft werden und ggf. genutzt werden.
Die Vorgeschichte spricht für ein Weiterführen der Versicherung.
Der Fonds, in den investiert wird, ist ein durchschnittlicher Aktien-DAchfonds. Da der Beitrag sehr gering ist, empfehle ich Ihnen, die Kosten bei der Versicherung (getrennt nach BU-Kosten und Verwaltungskosten) abzufragen, damit Sie abschätzen können, welche Summe in den Spar-Baustein fließt. Zusammen mit den letzten Jahresmitteilungen können Sie sich ein Bild machen, ob die Police insgesamt angemessen kalkuliert ist und entscheiden, wie Sie damit umgehen. U.U. können Sie die Kosten durch jährliche Zahlung optimieren. Weg wäre das Geld nur, wenn der Aktienfonds auf Null Euro sinken würde, was heißen würde, die Unternehmen, in die investiert wird, gehen alle Pleite.

 

23.07.2011
Jürgen W.:
"Ich stelle  mir die Frage, ob man in regenerative Energieträger investieren soll. Da kann man ja eigentlich nichts verkehrt machen (Risiko). Ideal wäre ein Fonds, der alle erneuerbaren Energieträger beinhaltet. Gibt es solche Produkte?"

 

Stefanie Kühn: Es gibt verschiedene Arten Geld in regenerative Energien anzulegen. Neben Beteiligungen, die aber immer auf einen speziellen Energieträger ausgerichtet sind, können Sie in Aktienfonds mit dem Schwerpunkt Neue Energien investieren. Sie haben dabei natürlich alle Risiken des Aktienmarktes, aber auch alle Chancen. Eine breite Streuung führt zu einer Risikosenkung, das sogenannte Marktrisiko bleibt aber. Das bedeutet, dass in einer schlechten Börsenphase (Baisse) sich auch diese Unternehmen wahrscheinlich nicht dem Trend entziehen können.

Breit aufgestellte Fonds aus der Sparte regenerative Energien gibt es beispielsweise in Form von ETFs (Exchange Traded Funds, indexnahe Fonds). ETFs sind günstiger als gemanagte Fonds – sowohl im Einkauf als auch bei den laufenden Kosten. Die Indizes, die abgebildet werden, reichen vom World Alternative Energy Index (Unternehmen aus Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Dezentralisierung der Energieversorgung (z.B. Mikroturbinen, Brennstoffzellen) bis zum Wilder Hill New Energy Global Innovation Index. Der Index umfasst Unternehmen, die hauptsächlich in den Bereichen umweltfreundliche und erneuerbare Energien sowie Technologien für sauberere Energienutzung aktiv sind.

Bei der Auswahl sollten Sie immer auch einen Blick in den letzten Rechenschaftsbericht werfen, um festzustellen, ob Sie sich mit den Unternehmen, in die investiert wird, identifizieren können. In der Vergangenheit hat sich schon so manches mal gezeigt, dass der Begriff Nachhaltigkeit doch sehr verschiedene Interpretationen zulässt.

 

04.07.2011
Angela H.:
"In zwei bis drei Jahren möchte ich in ein Seniorenheim ziehen. Meine Rente reicht gerade für die monatlichen Kosten. Das Reiheneckhaus, das ich derzeit bewohne, muss ich dann verkaufen. Ich erwarte einen Erlös von 350.000 Euro. Was mache ich mit dem Geld von dem ich jeden Monat 500 bis 1000 Euro brauchen werde? Ich möchte größtmögliche Sicherheit, keine hohen Zinsen. Und was mache ich, wenn eine Währungsreform kommt? Ist dann alles verloren? Ich könnte das Haus auch vermieten, möchte aber keine Arbeit damit haben."

 

Stefanie Kühn: Sicherheit bzw. Risiken von Geldanlagen sind in der heutigen Zeit nicht mehr „einfach" zu bestimmen. Sie sprechen selbst an, dass Sie auch für den Fall einer Währungsreform gerüstet sein möchten. Bis zur Finanzkrise galten zum Beispiel Staatsanleihen vieler Länder als „absolut" sicher. Zwar sind Bundesanleihen oder Einlagen bei Banken, die der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen (100.000 Euro pro Person und Bank) noch immer eine sichere Sache. Jedoch hat die Eurokrise gezeigt, dass a) europäische Länder zahlungsunfähig werden können, wenn sie nicht gerettet werden und b) dass dafür möglicherweise andere Länder enorme Lasten zu tragen haben.
Immobilien sind ein klassischer Sachwert. Wenn Sie eine akzeptable Miete erzielen können, die Ihnen die gewünschte Summe pro Monat einbringt (wovon ich bei diesem Verkehrswert ausgehe), ist das eine gute Möglichkeit zur Krisenvorsorge. Bei der Immobilie haben Sie natürlich auch die Möglichkeit, externe Dienstleister (Verwalter, Hausmeister...) zu beauftragen. Auch Gold wäre als „Krisenwährung Nummer Eins" ein Baustein in Ihrem Anlagemix, allerdings hätten Sie dann keine laufenden Erträge.
Unter diesen Gesichtspunkten sind auch Aktien (ob direkt oder in Form vom Fonds oder ETFs) als Anteile an Unternehmen (Sachwert) in Betracht zu ziehen, wenn es um die Suche nach einer krisen-sicheren Anlage geht. Gleichwohl müssen bei aktienbasierten Anlagen Schwankungen einkalkuliert werden.
Arbeit werden Sie mit Ihren Geldanlagen immer haben, wenn Sie akzeptable Ergebnisse erzielen möchten.

 

22.06.2011
Traudl. W.:
"Aus einer fondsgebundenen Lebensversicherung bei der Nürnberger erhalte ich zum 1.7.2011 nach 20 Jahren 16.430,58 €, wahlweise als Kapitalauszahlung. Nächstes Jahr werden aus einer weiteren fondsgebundenen LV bei der Nürnberger weitere 45.000 €, (nach derzeitigem Stand, Fondsentwicklung bleibt abzuwarten) fällig. Ich überlege:
a)  mir das Kapital auszahlen zu lassen und verzinst anzulegen (aber hohe Abgeltungssteuer, Sparerfreibetrag schon ausgeschöpft),
b) es als EK für einen Immobilienkauf zu verwenden, oder
c) in eine Sofortrentenversicherung,
Alternative 1) sofort (ich bin derzeit 55 Jahre alt und selbständig tätig)
Alternative 2) in 10 Jahren mit 65 Lj. GarantieRente mit Check in z.B. 12 weiteren Jahren (wie geht es mir gesundheitlich), ggf. i.V. mit der Möglichkeit einer späteren Kapitalauszahlung, abzuschließen
Auch die Nürnberger bietet eine Verrentungsmöglichkeit an. Vermutlich sind dort die Kosten geringer als bei einer fremden Versicherung mit Neuabschlußkosten?
Ich habe auch die Möglichkeit, den Betrag bei der Nürnberger zu belassen und dort 5 Jahre ruhen zu lassen. Bei der derzeitigen Erholung des „Frankfurter Effektenfonds", in den die Versicherung jetzt 20 Jahre geflossen ist, möchte ich lieber auf der sicheren Seite bleiben und mir den Betrag auszahlen oder verrenten lassen. Ich bin weniger der geduldige Typ für eine Fondsanlage."

 

Stefanie Kühn: Um Ihre Fragen zu beantworten, wäre eine grundsätzliche Strategieentwicklung für Sie sinnvoll. Da ich Ihren Stand möglicher anderer Anlagen nicht kenne, sind hier nur einige allgemeine Aussagen zu treffen.
1. Mit einer Eigenanlage bleiben Sie flexibel und können auf Ihre Bedürfnisse eingehen. Die Kosten können Sie sehr gut steuern und bei Festgeldern etc. auf gute Angebote eingehen.
2. Eine Eigentumswohnung bietet einen gewissen Inflationsschutz (wenn Sie eine Wohnung zu einem angemessenen Preis einkaufen), die Mieteinnahmen sind eine Art „Rente".
3. Eine Sofortrentenversicherung oder reine Rentenversicherung zu einem späteren Zeitpunkt ist, wie Sie selbst schon bedacht haben, mit neuen Abschlusskosten belastet. Es ist fraglich, ob ein Neuabschluss bei der Nürnberger Versicherung Lebensversicherungen mit günstigeren Abschlusskosten „belohnt" würde. Ob Sie in Ihren Aktienfonds bleiben, hängt von Ihrer Risikomentalität ab – Sie schildern sich als eher konservativ. Außerdem sind Ihre Ziele und Ihre sonstige Vermögenssituation entscheidend. Wie sehr brauchen Sie das Kapital für Ihre Altersvorsorge? Planen Sie das Geld zu einem fixen Zeitpunkt X ein? Haben Sie genügend lebenslang laufende Bausteine in Ihrer Altersvorsorge? Der Fonds selbst entwickelt sich derzeit ungefähr so wie der DAX.
4. Sollten Sie sich für eine Rentenversicherung entscheiden, achten Sie unbedingt auf die Höhe der Abschlusskosten, die garantierte Rente und darauf ein solides Unternehmen auszuwählen.Bedenken Sie dabei auch, dass es dabei i.d.R. keinen Ausstieg mehr gibt und Sie Ihr Geld lebenslang einem Unternehmen anvertrauen.

 

30.05.2011
Grit und Frank P.:
"Seit 2003 zahlen mein Mann und ich auf anraten unseres Versicherungsvertreters monatlich 100 € in die MetLife Europe (Pro-VorsorgePlus 4U)ein. Zur damaligen Zeit sollte dies zur Rentenvorsorge dienen. Die Jährlichen Bestätigungen der Beitragseinzahlung liefert uns Liberty Europe. Aufgeteilt sind diese Beiträge in 3 Fonds:- Templeton Growth (Euro) Fond A, Fodelity European Growth Fund und DWS Vermögensbildungsfons I. Wir tragen uns mit dem Gedanken diese Anlage zu kündigen, da sich auf dem Beitragskonto weniger als die Hälfte befindet. Unser Versicherungsvertreter rät uns davon ab, da diese Art von Vorsorge noch steuerfrei ist. Was raten Sie uns?"

 

Stefanie Kühn: MetLife ist in den USA der wohl größte Lebensversicherungskonzern. Der Pro-VorsorgePlus4U Vertrag zeigt grundsätzlich alle Merkmale einer fondsgebundenen Lebensversicherung. In den ersten Jahren haben Sie die Abschlusskosten bezahlt, so dass nicht der komplette Beitrag in die Fonds floss. Über die Kosten hat der Abschlussvermittler sicherlich vor der Unterschrift mit Ihnen gesprochen. Die Fonds selbst galten zum Abschlusszeitpunkt als gute Fonds. Heute gelten sie eher als durchschnittlich bis unterdurchschnittlich. Sie haben dann durch die Finanzkrise hindurch investiert, wobei die Fonds ihre alten Höchststände noch nicht wieder gesehen haben. Was können Sie nun tun? Der erste Punkte wäre, die laufenden Kosten zu überprüfen, um zu sehen, ob diese angemessen sind. Der zweite Schritt wäre eine Anfrage nach einem Fondswechsel. In der Regel führen Versicherer Listen, aus denen Sie Fonds aussuchen können. Auf Basis dieser Informationen können Sie dann abwägen, ob Sie wirklich aussteigen möchten oder die Versicherung nur beitragsfrei stellen oder möglicherweise in andere Fonds weiterzahlen möchten. Die Steuerfreiheit ist natürlich auch ein Argument, dass in die Entscheidung einfließen sollte.

 

18.05.2011
Günter C.:
"Meine Lebensversicherung wird im Juli 2011 fällig und ich (Jahrgang 1949) muss mich zwischen einer Einmalzahlung oder einer Rente entscheiden. Abgeschlossen habe ich die Versicherung 1999 als Einmalzahlung ohne Arbeitgeberanteile oder Staatshilfe. Zu welcher Auszahlungsvariante raten Sie mir - auch hinsichtlich der Krankenversicherung und Steuer?"

 

Stefanie Kühn: Die Entscheidung können Sie nur an Hand Ihrer Lebensumstände treffen. Gerne gebe ich Ihnen einige Gedankenansätze dazu.
1. Ich gehe davon aus, dass es sich um eine Rentenversicherung handelt, denn ansonsten würden Sie neue Abschlusskosten zahlen müssen. Dies würde zumindest mal stärker gegen eine Verrentung sprechen.
2. Wenn Sie bereits sehr viele lebenslang laufende Bausteine in Ihrer Ruhestandsplanung haben, würde ich eher die Kapitalleistung wählen. Sind Sie bspw. selbständig und haben sonst gar nichts „rentenmäßiges", ist die Rente eine gute Sache
3. Analysieren Sie Ihren Gesundheitszustand. Eine Rentenversicherung wird oft erst nach 14 oder mehr Jahren zu einer Rendite führen (vorher bekommen Sie quasi Ihr Geld zurück). Ist die Wette auf ein langes Leben eine Wette mit guten Chancen für Sie?
4. Die Rente ist steuerlich durchaus interessant. Ihre gesamte steuerliche Situation ist aber entscheidend, um zu beurteilen, ob dieses Argument „schlägt".
5. Ob auf Ihre Renten und Kapitaleinkünfte Krankenversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen, hängt i.d.R. davon ab, ob Sie freiwillig gesetzlich versichert sind oder nicht. Das gilt es zu analysieren.
6. Was haben Sie vor? Ihre Ziele weisen Ihnen vielleicht auch einen Weg. Wenn Sie gerade eine neue Immobilie kaufen wollen, brauchen Sie vielleicht eine Summe auf einmal. Eine Weltreise könnte auch so finanziert werden.

Dies sind nur einige Ideen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Keinen Punkt kann man separat sehen – die Entscheidung sollte unter Berücksichtigung aller Punkte und ggf. weiterer für Sie persönlich wichtigen Gegebenheiten fallen.

 

07.05.2011
Angelika S.:
"Mir liegt ein Angebot zur neuen Unternehmens-Anleihe der Solar Millenium AG, Nägelsbachstr. 33, 91652 Erlangen mit einem Festzins von 6% p.a. mit jährlicher Zinszahlung bei einer Laufzeit von 5 Jahren vor. Mindestanlage ab 1000 EUR. Was halten Sie von dieser Anleihe?"

 

Stefanie Kühn: Bei jeder Untenehmensanleihe gilt - sie ist nur so gut, wie das Unternehmen, das sie begibt. Geht das Unternehmen pleite, droht im schlimmsten Fall ein Totalverlust. Die Anleihe der Solar Millenium AG ist (noch) nicht börsennotiert, dies scheint laut Prospekt jedoch geplant zu sein. Dann wäre auch eine dauernde Wertstellung der Anleihe gegeben. Geschieht dies nicht, ist eine jederzeitige Veräußerbarkeit nicht gegeben.
Sicher sind 6,0% eine attraktive Rendite, jedoch kenne ich Ihre persönliche Finanzsituation und Risikoeinstellung nicht. Danach würde sich grundsätzlich beurteilen, ob der Renditeaufschlag zu einem einlagengesicherten Festgeld angemessen erscheint. Als Beispiel: für ein fünfjähriges Festgeld bei der Bank of Scotland erhalten Sie derzeit (Stand 4.5.11) 4,5%, bei der Santander Bank 4%. Bei diesen Angeboten ist britische bzw. deutsche Einlagensicherung gewährleistet.

 

09.04.2011
Theo O.:
"Im Mai erhalte ich (Jahrgang 1925) 20.000 Euro, die ich kurzfristig anlegen möchte. Nun habe ich ein Plakat der Degussa-Bank gesehen, die fürs Tages- bzw. Festgeld ca. 1,75 Prozent anbieten. Von dieser Bank habe ich aber noch nie gehört und einen Internetanschluss habe ich auch nicht. Was halten Sie davon. Meine HVB bietet mir immer nur Zertifikate oder Fonds an, die für mich aber nicht infrage kommen. Zuletzt den HVB 2,20% Euribor Cap Floater (WKN: HV2ACE). Was halten Sie hiervon?"

 

Stefanie Kühn: Die Degussa-Bank ist einst aus dem Gold- und Silberscheidegeschäft der ehemaligen Degussa entstanden. Sie bietet selbstverständlich die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Person und ist darüber hinaus Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken. Die Bank hat auch Filialen, nicht nur Online-Geschäft, allein für München und Umgebung habe ich drei genannt bekommen. Die Konditionen für Tagesgeld liegen bei 1,5% und für ein einjährigen Sparbrief bei 1,75%, wenn Sie Ihre Geld dort anlegen. Vergleichbar von den Konditionen, im Bereich für einen Jahressparbrief derzeit noch besser liegt die Santander-Bank, die auch Filialen betreibt. Dort würden Sie derzeit 2,1% bekommen (alles Stand 6.4.11).
Die von Ihnen angesprochene Anleihe hat einen variablen Zinskupon, was grundsätzlich in der momentanen Marktlage gut ist, und läuft noch bis 2016. Da beim Kauf und einem eventuellen vorzeitigen Verkauf Kosten entstehen, schmälert dies die Rendite. Unverhandelt werden meist 1% beim Kauf und Verkauf verlangt. Bei Anleihen besteht keine gesetzliche Einlagensicherung, Sie tragen also das Risiko dass der Emittent pleite geht.
Alles in allem erscheint mir ein kurzfristiges Festgeld Ihrem Alter und der momentanen Lage an den Märkten angemessen zu sein.

 

11.04.2011
Marianne T.:
"Seit 1. Juni 1998 zahle ich derzeit monatlich 104,69 Euro in eine Fondspolice der WWK (vereinbarter Investmentfond: Templeton Growth/Euro). Die Versicherung endet am 01.06.2023.Nach meiner Anfrage über den derzeitigen Wert der Versicherung, wurde mir ein Rückkaufswert von Euro 9.949,-- zum 1.11.2010 bestätigt oder eine beitragsfreie Versichungssumme von 13.970,00 Euro.
Die erworbenen Fondsanteile lagen am 01.06.2010 bei 1058,794 Stück
Rücknahmepreis pro Anteil: 8,88 Euro
Wert der erworbenen Fondanteile 9.402,09 Euro.

Ich befürchte, dass ich mit dieser Altersversicherung langfristig weiter Verluste einfahre. Soll ich sie kündigen,
und das Geld lieber in eine Riesterrente einzahlen? Ich bin jetzt 52 Jahre,seit 30 Jahren verheiratet, 2 Kinder, arbeite zur Zeit nur auf 400 Euro Basis, und bekomme eine voraussichtliche Rente von ca 270,00 Euro."

 

Stefanie Kühn: Zunächst empfehle ich Ihnen, folgende Dinge zu klären: Wie hoch sind die Kosten der Versicherung (Stückkosten/laufende Kosten/Kosten bei Beitragsfreistellung). Diese Information gibt Ihnen schon Aufschluss über den Betrag, der überhaupt monatlich in den „Spartopf" fließt. Kosten jenseits der 5% würde ich als kritisch ansehen. Dann erfragen Sie, ob auch andere Fonds bespart werden können. Ihr Fonds schwächelt seit langem und vielleicht gibt es eine schöne Alternative. Kommen Sie zu keinen befriedigenden Antworten, sollten Sie zumindest eine Beitragsfreistellung in Erwägung ziehen, auch wenn es sich um eine Versicherung nach altem Recht, also mit steuerfreier Auszahlung, handelt.
Ob sich eine Riester-Rente für Sie lohnt, hängt von vielen Faktoren ab. Wenn Sie Ihren Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung sowieso schon aufstocken, dann sind Sie riester-berechtigt und eine Einzahlung mit dem Mindestsparbetrag von meist 5 Euro ist eine feine Sache. Sie erhalten dann Ihre Zulage von 154 Euro bei einem Jahresbeitrag von 60 Euro. Verzichten Sie dabei aber auf eine Versicherung und wählen je nach Risikomentalität lieber einen reinen Fonds-Riester oder einen Banksparplan. Mehr als die Mindestsparsumme würde ich hier nicht einzahlen und stattdessen überlegen, ob Sie nicht selbst noch einen Fonds besparen.

 

31.03.2011
Heinrich S.:
"Für die Alterssicherung habe ich in einige Fonds investiert, welche sich bisher auch gut entwickelt haben. Leider habe ich auch am 6.6.2007 einen Betrag von 5000€ in ein Schrottpapier das Zertifikat von Merrill Lynch "Energie Alpha Express Zertifikat (WKN: ML0BUJ)" investiert.Die Idee des Energie Alpha Express Zertifikat von Merrill Lynch ermöglicht die Partizipation an der relativen Performance des Merrill Lynch Renewable Energy Index (MLEIRENE) gegenüber dem FTSE Global Energy TR Index (TGD07U), verbunden mit einer jährlichen automatischen Kündigungsmöglichkeit, einem 30%-igen Sicherheitspuffer und der Chance auf einen Kupon von 11%."

 

Stefanie Kühn: Eine Investition in ein solches Papier bedeutet immer, dass Sie auf eine ganz bestimmte Entwicklung setzen. Dabei ist es hier nicht so einfach wie „Sie glauben an steigende Kurse, also investieren Sie in einen weltweiten Aktienfonds", sondern Sie haben darauf gewettet, dass sich der eine Index besser als der andere entwickelt. Gelockt hat Sie vermutlich der relativ hohe Kupon.
Lassen Sie sich von dem Berater, der Ihnen dieses Zertifikat verkauft hat, die beiden Charts der Indizes übereinanderlegen. Überlegen Sie dann, wie hoch die Chance ist, dass Sie wieder in den 30% Sicherheitsbereich kommen. Derzeit scheint das nicht unmöglich zu sein. Die Rendite wäre dann für den verbleibenden Zeitraum natürlich hoch, da Sie statt der derzeit negativen Rendite dann zumindest den Nennwert in 2012 bekämen.

 

24.03.2011
Josef L.:
"Meine Tochter (27 J.) bespart seit Juni 2001 mit 50 Euro monatlich den DWS-Vermögensbildungsfonds I, der zur damaligen Zeit in dieser Rubrik oft empfohlen wurde. Leider ist seitdem die Entwicklung sehr schlecht, es ist gerade so, daß sie keinen Verlust gemacht hat. Die Anlage ist zur Altersvorsorge gedacht. Soll sie den Fonds kündigen und in einen anderen Fond investieren und wenn ja in welchen?"

 

Stefanie Kühn: In der von Ihnen genannten Zeit galt dieser Fonds als „sehr guter Aktienfonds". Heute würde ich ihn als durchschnittlich beschreiben. Gerade die Anteile, die vor 2009 gekauft wurden, sind in ihrer Wertentwicklung steuerfrei, d.h. würde man diese Anteile jetzt neu investieren, müsste der neue Fonds den Steuernachteil kompensieren, denn von diesem wäre von jedem gewonnenen Euro 25% zzgl. Soli und ggf. Kirchensteuer abzuziehen. Es ist natürlich prognostizierend immer schwer zu sagen, ob das ein Fonds schaffen wird. Die Sparplanrate könnte aber ab sofort in einen aus heutiger Sicht sehr guten Fonds oder einen Indexfonds (ETF) eingezahlt werden. Auch die Anteile, die nach 2009 gekauft wurden, könnten verkauft werden. So erreicht Ihre Tochter dann auch, dass Sie nicht „alle Eier in einen Korb legt". Ich empfehle Ihnen, sich regelmäßig zu informieren, ob die gewählten Fonds noch die Leistung zeigen, die Sie erwarten. Wenn Sie feststellen, dass ein Fonds längere Zeit schlechter als andere der gleichen Kategorie abschneidet, dann ist ein Fondswechsel immer eine Option.

 

19.03.2011
Jan D.:
"Wir sind Pensionär/Rentner im Alter von 73 und 77 Jahren, und möchten ab 1. April 2011 einen Betrag in Höhe von 80.000 Euro neu anlegen. Können Sie uns einen Rat geben, wie wir das unserem Alter entsprechend, am besten machen können?"

 

Stefanie Kühn: Wenn Sie eine größere Summe zur Neuanlage frei haben, dann empfehle ich Ihnen, sich zunächst zu überlegen, wozu das Geld dienen soll. Möglicherweise soll das Geld Zinsen bringen, die zusätzlich zur Rente und Pension regelmäßig für den Lebensunterhalt gebraucht wird. Dann ist eine Anlage von höchster Sicherheit notwendig. Oder das Geld soll als Absicherung dienen, eventuell für ein neues Auto, einen möglichen Pflegefall, Hausreparaturen etc.. Auch dann ist höchste Sicherheit wichtig. Wenn dieses Geld nur ein Teil des Vermögens ist, auf den vermutlich gar nicht zugegriffen werden muss, dann kann auch zumindest ein Teil etwas risikofreudiger angelegt werden. Während für die ersten beiden Fälle Tagesgelder und Festgelder verschiedener Laufzeiten in Frage kommen (derzeit aufgrund der Marktsituation jedoch eher kurzlaufende Festgelder), dürften im letzten Fall beispielsweise auch Aktien- und Mischfonds in einem größeren Umfang zum Einsatz kommen.
Wie die Gewichtung genau aussehen sollte, das kann nur unter Berücksichtigung Ihres Risikoprofils und auch Ihrer Erfahrung mit Geldanlagen bestimmt werden. Menschen, die mit Aktienanlagen nicht ruhig schlafen können, dürfen diese Anlageklasse auch durchaus weglassen. Das Alter selbst ist kein Grund, auf eine Aktienquote zu verzichten. Wenn Sie das Geld oder einen Teil davon nicht benötigen werden und Aktien-afin sind, dann spricht aus meiner Sicht nichts dagegen.

 

10.03.2011
Dieter W.:
"Wir möchten für unsere Enkelkinder, 3 ½ und 1 ½ Jahre, jeweils monatlich 50 Euro  anlegen und haben schon Bargeld von 4000.- bzw 2000.-€ auf der Bank allerdings mit 0% Zinsen. Wir haben einige langfristige Geldanlagen geprüft (bis zum 18. Lebensjahr der Enkel), haben aber nichts Interessantes gefunden und die Medien raten sowieso von längerfristigen Anlagen ab. Da sind wir auf die Bank of Scotland gestoßen. Die bietet 3,7% Zinsen bei einer Anlage auf 40 Monate, das würde uns sehr gefallen, aber in meinem Alter (67 Jahre) möchte ich absolut kein Risiko mehr eingehen. Was würden Sie uns raten?"


Stefanie Kühn: Derzeit bietet die Bank of Scotland für 48 Monate einen Zins von 3,7%. 4 Jahre sind eine lange Zeit. Sollten die Zinsen in dieser Zeit signifikant steigen, würden Sie sich spätestens dann ärgern, wenn Sie im Tagesgeld mehr Zinsen kommen. Die derzeitige Situation lässt Zinserhöhungen in nicht zu ferner Zukunft vermuten, so dass ich Ihnen zur Erhaltung der Flexibilität eher 1-2 Jahres-Festgelder empfehlen würde. Hier bietet die Bank of Scotland derzeit 3% (Stand 7.2.11).
Wichtig für die Entscheidung ist heutzutage die Frage nach der Einlagensicherung.
Die Bank of Scotland gehört dem britischen Einlagensicherungsfonds an. Durch diesen Fonds sind Einlagen der privater Anleger ab dem 31.12.2010 bis zu 85.000 Britischen Pfund zu 100 % geschützt. Dieser Schutz gilt auch für Sie als Anleger in Deutschland. Im Insolvenzfall der Bank wäre es vermutlich als Ausländer schwieriger, das Geld zu erhalten – allein die Sprache kann eine Barriere darstellen. Da Sie, wie Sie sagen „absolut kein Risiko" eingehen möchten, wäre eine Bank mit deutscher Einlagensicherung in Erwägung zu ziehen. Hier erhalten Sie derzeit etwas geringere Zinsen, bspw. bietet die Santander Bank 2,25% für ein 1-Jahres-Festgeld an.

 

05.03.2011
Gabriele F.: 
 Ich bin ein bißchen überfordert und brauche Rat: Ich habe bei HVB einen 14-jährigen Vertrag gemacht für WealthCap Immobilien Deutschland 32. (Immobilie in Düsseldorf, Mieter PriceWaterHouse). Laut HVB eine absolut sichere Geldanlage. Bin mir aber angesichts der vielen vergangenen Flops nicht mehr so sicher. Was meinen Sie?"

 

Stefanie Kühn: Offensichtlich haben Sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit anderen geschlossenen Fonds, denn um nichts anderes handelt es sich hier, gemacht. Absolut sicher sind geschlossene Fonds nie. Sie werden grundsätzlich Mitunternehmer. Wie im Kurzprospekt dargestellt, ist auch ein Totalverlust möglich. Das Laufzeitende hängt in der Regel von der Veräußerung ab, es kann also auch länger in Ihrem Besitz bleiben. Eine Kündigung ist frühestens 2022 möglich, vorzeitige Ausstiege sind aber oftmals nicht rentabel.
Beachten Sie, dass bei geschlossenen Fonds viele Menschen mitverdienen möchten (Vertrieb, Management...). Das ist natürlich gut und schön, die Frage ist aber, ist dabei so sicher, dass Sie die avisierte Rendite erzielen. In der Vergangenheit war das ja offenbar bei Ihnen nicht der Fall. Wenn Sie noch laufende Beteiligungen haben, bedenken Sie auch, ob die für Sie passende Anlagequote in Beteiligungen im Verhältnis zu Ihrem Gesamtvermögen nicht sowieso längst erfüllt ist.

 

26.02.2011
Klaus Z.:
"Ich möchte gerne 50.000 Euro als Altersvorsorge anlegen und bin auf eine interessante Anlage gestoßen: Die Firma USH S.A. Holding mit Sitz in Panama (www.ultra-sonic-holding.com.pa) und einer europäischen Repräsentanz in der Schweiz. Sie bietet bietet drei Schuldverschreibungsformen als  Anlagen an:

Strategie A, Anlagen  ab 5.000,-- € in zwei Zins-Varianten Grundverzinsung 8% oder mit Risikovorsorge 5% bei 30% von 5000 € Anlagen in Kapitalvorsorge (soll nach 10 Jahren wieder auf 100% der Anlage gewachsen sein).

Strategie B, Anlagen ab 10.000 € wie vor jedoch 10% und 7% bei 30% Kapitalvorsorge

Strategie C. Anlagen ab 50.000 € wie vor 15 und 12% bei 30% Kapitalvorsorge

Leider finde ich keine neutralen Bewertungen dazu. Können Sie mir sagen, zu welcher Risikogruppe diese Anlage gehört, wie sicher und zuverlässig diese ist? Mir geht es dabei nicht darum, Geld zu verstecken!"

 

Stefanie Kühn: Auch ich finde im Internet keinerlei Bewertung – ich finde nicht einmal einen Zugang zu der Seite. Unter Ihrem Link kommt eine Passwortabfrage, aber keine öffentlich zugängliche Seite. Ich finde einen Finanzdienstleister, der auf einen gleichnamigen Partner verweist und auch dort funktioniert der Link einfach gar nicht.

Das allein macht mich misstrauisch. Die Wörter Risikovorsorge und Kapitalvorsorge erklären sich mir durch obige Beschreibung nicht.

Eines jedoch lässt sich sagen. Im Festverzinslichen Bereich werden derzeit für keine Art der sicheren Anlage Zinsen zwischen 7% und 15% erzielen. Sicher definiere ich hier einmal frei unter dem Motto „gute Chance, das Geld inklsive versprochener Zinsen wiederzubekommen". In der Vergangenheit waren sehr hohe Zinsen oft Anzeichen für Schneeballsysteme.

Eine Anlage, über die man so wenige Möglichkeiten hat, sich zu informieren, ist mir grundsätzlich suspekt. In der heutigen Zeit sollte eine Internetrecherche zumindest mal eine öffentlich zugängliche Webpage als Ergebnis bringen.

Die Risikogruppe schätze ich als „hohes Risiko" ein und würde Ihnen eine solche Anlage nicht empfehlen.

 

17.02.2011
Franz E.:
"Die Ausgabeaufschläge beim Fondskauf sind meist verhandelbar und zuweilen verkaufen Direktbanken den einen oder anderen Fonds bei Verzicht auf Beratung sogar ohne Aufschlag. Alle Fondsverkäufer kassieren aber dennoch einen sogenannten "Kick Back", der sich auch ohne irgendeine Leistung bei jährlich 0,5 bis 0.8 Prozent über Jahre hinweg zu einer stolzen Summe addiert. Gibt es eine Möglichkeit sich als Anleger diesen "Kick Back" zu sparen?"


Stefanie Kühn: Die sogenannte Bestandspflegeprovision dient dazu, dass der, der Ihnen den Fonds verkauft hat, sich auch weiterhin um Sie kümmern soll. Soweit die Theorie. In der Praxis hat man manchmal das Gefühl, dass es zu der Situation kommt, dass von Fondsverkäufen abgeraten wird, um die Bestandsprovision nicht zu gefährden. Unter dem Motto „ist der Fonds erstmal verkauft, weiß man ja nicht, ob wieder in einen Fonds angelegt wird". Ein guter Berater verdient sich durch Marktbeobachtung und laufende Informationen für seinen Kunden sicherlich die Bestandsprovision.
Selbstverständlich gilt im Bereich der Finanzdienstleistung, dass Leistung nicht kostenlos ist.
Über einige Honorarberater können Sie bei Direktbanken wohl eine Erstattung der Kick-backs erzielen, dort zahlen Sie dann in der Regel aber eine Betreuungspauschale oder ähnliches.
Bestandspflegeprovisionen gibt es übrigens nicht bei den sogenannten Indexfonds, den ETFs (Exchange Traded Funds). Dieses rechtlich zu den Fonds zählende Produkt ist insgesamt sehr kostengünstig und transparent.

15.01.2011
Petra T.:
„Uns wurde von unserer Hausbank folgende Anlagen empfohlen:
Eine Allianz Vermögens Police mit einem Ausgabeaufschlag von 5%.
oder ein Wertpapier von einer norwegischen Bank WKN CZ225W. Rendite ca 3%.
Wir sind 67/62 Jahre alt und möchten für drei bis fünf Jahre 23 000 Euro anlegen. Wir sind nicht besonders risikofreudig. Käme für uns auch der internationale Rentenfonds Templeton Global Bond (WKN A0MNNM) in Frage?"


Stefanie Kühn: Die Allianz VermögensPolice ist nach Informationen der Homepage eine Lebensversicherung. Diese hat Abschlusskosten, die gewöhnlich am Anfang fällig werden und meist ca. 4% der gezahlten Beiträge betragen. Schon allein aus diesem Grund erscheint mir diese Anlageform nicht geeignet für Ihren Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren. Ein Ausgabeaufschlag kommt normalerweise bei einer Lebensversicherung nicht vor, so dass ich die von Ihnen genannten 5% nicht nachvollziehen kann.
Das angegebene Wertpapier ist eine Anleihe der Commerzbank in der Währung norwegische Kronen. Eine Anlage in einer fremden Währung – speziell in Ländern, die in der derzeitigen Situation als solide gelten, ist grundsätzlich eine überlegenswerte Anlageform. Jedoch kenne ich Ihr Gesamtvermögen nicht, so dass ich keine Aussage darüber treffen kann, ob das für Sie Sinn macht.
Der internationale Rentenfonds, den Sie ansprechen, ist ein guter Fonds dieser Anlageklasse. Er legt international in Anleihen an – nach dem letzten Rechenschaftsbericht hält er relativ viel Cash, ist weiterhin stark in Finnland, Deutschland, Frankreich, Mexiko, Indonesien, Polen und Brasilien investiert. Bei dieser Anlageform tragen Sie auch ein Währungsrisiko.
Sie sagen von sich, dass Sie nicht sehr risikofreudig sind – überlegen Sie auch, ob Sie nicht ein gutes Tagesgeldangebot nutzen. Das würde Ihnen Flexibilität und Sicherheit in dieser Zeit bringen. Den Templeton Global Bond Fund könnten Sie mit einer kleinen Summe beimischen, eventuell finden Sie auch ein gutes Angebot, bei dem ein kleines Depot den Zins steigen lässt.

10.01.2011
Werner R.:
"Übliche Banken bieten Einlagesicherungen zwischen 50.000 bis 100.000 €, während z.B. die VW-Bank gleich mit 1,305 Milliarden € pro Kunde (!) lockt. Als weiteres Beispiel sei die Isbank genannt mit einer Einlagensicherung von 50.000 € pro Kunde und darüber hinaus bis 19,23 Milliarden € pro Kunde. Ist die Geldeinlage bei VW besser gesichert als bei den üblichen Banken? Warum bietet die Isbank noch eine zweite Sicherheit an, die die erste Sicherheit um ein Mehrfaches abdeckt?"

 

Stefanie Kühn: Die gesetzliche Einlagensicherung beträgt derzeit 50.000 Euro, ab dem 31.12.10 100.000 Euro. Diese Sicherung haben alle deutschen Bank mit Sitz in Deutschland. Ausländische Banken können, je nach Sitz des Unternehmens abweichende Sicherungshöhen aufweisen.

Über diese gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus gibt es in Deutschland weitere Sicherungssysteme.
Bei den Sparkassen oder innerhalb der Gruppe der Genossenschaftsbanken besteht die sogenannte Institutssicherung. Geschützt sind dort nicht nur die Einlagen, sondern der Bestand des Instituts mit der Folge, dass auch Schuldverschreibungen von Genossenschaftsbanken und Sparkassen voll gesichert sind. Die deutschen Privatbanken (wozu auch die von Ihnen genannten Institute zählen) sind meistens dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. angeschlossen. Die Höhe der Einlagensicherung richtet sich dort nach dem Eigenkapital der jeweiligen Bank. Die Summen, die Sie genannt haben, beschreiben genau diese Sicherung. Eine „bessere" Sicherung besteht damit nur gegenüber allen Banken, die keinem zusätzlichem Sicherungssystem angehören.

Zu erwähnen bleibt aber immer, dass jede Sicherungseinrichtung nur so gut ist, wie diejenigen, die die Sicherungen begeben oder füreinander einstehen wollen.

20.12.2010
Susanne S.: 
"Im Jahr 2008 habe ich (Jahrgang 1974) über die Sparda Bank bei der Union Investment einen Riestervertrag ((Sparda)UniProfi Rente) abgeschlossen (Laufzeit 31 Jahre). Bisher habe ich Zulagen für mich und ein Kind (geboren 2008) erhalten und lediglich den Grundbetrag von 60 € im Jahr einbezahlt. Mit Geburt meines zweiten Kindes wurde ich nun von einem Vertreter der DEBEKA auf den Förderrentenvertrag der DEBEKA aufmerksam gemacht, der mir, laut Aussage des Versicherungsvertreters, bei gleicher Laufzeit eine im Vergleich zur UniProfi Rente höhere Rente mit steigenden Beträgen während der Auszahlungsphase garantieren kann.
Während die Union Investment-Rentenleistungen während der Auszahlungsphase wohl auch je nach Verzinsung des Kapitals in dieser Zeit fallen können.
Ein richtiger Vergleich der beiden Riesterverträge fällt mir aufgrund der unterschiedlichen Anlagearten aber sehr schwer.
Wie würden Sie diese bewerten bzw. würde ich von einem Wechsel zur DEBEKA profitieren oder entstehen mir Nachteile? In welchem Fall bezahle ich weniger Gebühren (Verwaltungsgebühr, Ausgabeaufschlag, Depotgebühre etc.)?  Was passiert mit meinem bisherigen Riestervertrag? Kann ich mir die bisherigen Einzahlungen und Zulagen (derzeitiger Wert 640,- €) übertragen lassen, soll ich den Vertrag beitragsfrei stellen lassen oder gibt es eine weitere Alternative?
Ich möchte noch anmerken, dass die Beratung durch verschiedene Bankmitarbeiter (UniProfiRente) bisher nicht zufriedenstellend war und ich die Wertvorstellung der DEBEKA einer ethischen, sozialen und ökologischen Kapitalanlage sehr gut finde."

 

Stefanie Kühn: Sie haben Recht, in diesem Fall werden Äpfel mit Birnen (Lebensversicherung mit Fondsriester) verglichen. Ein paar Gedanken von mir:
Ein Neuabschluss in Form einer Versicherung wird zu neuen Abschlusskosten führen. Der Vermittler will bezahlt werden. Diese werden auf die ersten Beitragsjahre verteilt – das kostet Rendite. Ferner sind erfahrungsgemäß die laufenden Kosten bei Versicherungen um ein Vielfaches höher als die Depotgebühr bei einem Fonds-Riester.
Ein Fonds-Riester arbeitet mit Annahmen für die Wertentwicklung, so wie es eine Versicherung bezüglich der Übeschüsse auch tut. Der sogenannte Garantiezins gilt übrigens immer nur für den Sparanteil, nicht für die gesamte eingezahlte Summe. Auch eine Fonds-Riester-Rente legt zu Beginn der Rentenphase fest, welcher Anteil lebenslang garantiert bezahlt wird, darunter wird die Rente dann auch nicht fallen.
Nach meinen Erfahrungen lohnt sich ein Riestervertrag in Form einer Versicherung nicht, die Kosten des Versicherungsmantels sind einfach zu hoch. Sicherlich haben Sie ein Angebot einer leistungsstarken Versicherung, trotzdem wäre es sinnvoll, dass Sie sich, wenn Sie das Risiko senken möchten, ein Angebot für einen Banksparplan eines guten Anbieters einholen.
Ein Übertrag ist möglich, aber in der Regel mit Kosten verbunden. Möglich wäre auch das Ruhenlassen eines Vertrages.


07.12.2010
Leonhard H.:
"Der Fonds Degi Europa (DE 0009807800) wird offensichtlich abgewickelt, wobei von einem Abwicklungszeitraum von etwa drei Jahren die rede ist. An der Börse sind derzeit rund 31 Euro pro Anteilsschein zu erreichen, im Depot der Bank erscheint ein Rücknahmepreis von rund 48 Euro. Ohne Grund wird dieser Immobilienfonds wohl nicht aufgelöst. Soll jetzt über die Börse verkaufen oder könnten die Preise noch klettern?"


Stefanie Kühn: Der Grund für die Auflösung des Fonds liegt darin, dass es in den letzten zwei Jahren nach der Schließung nicht gelungen ist, genügend Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Anleger wollten nur noch raus! Da Immobilien aber nicht von heute auf morgen zu verkaufen sind und es in den zwei Jahren offenbar nicht gelungen ist, entsprechend Objekte zu verkaufen, hat man sich für eine Abwicklung entschieden. Der Abschlag an der Börse zeigt Ihnen den momentanen Verkehrswert, den die Anleger für angemessen halten. Wie sich dieser weiter entwickelt ist offen. Die gesamte Diskussion über offene Immobilienfonds ist allerdings nicht ermutigend. Der Fehler dieser Anlageart liegt nach meiner Meinung im System. Eine im-mobile Anlageklasse täglich handelbar zu machen, passt nicht.
Ob bei der Abwicklung ein höherer Ertrag als der derzeitige Börsenwert erzielt wird – ich weiß es nicht. Es müssen bei diesem Fonds wohl noch 13 Objekte verkauft werden. Ein Verkauf unter Druck - der ja in der Öffentlichkeit, also beim potentiellen Käufer bekannt ist - bringt einen immer in eine schwächere Position.
Hinterfragen Sie vielleicht auch einmal, wann und wie Ihnen der Fonds verkauft wurde. Derzeit sind erste Prozesse anhängig, die klären sollen, ob es Schadensersatzansprüche gibt. Achten Sie gegebenenfalls darauf, dass etwaige Ansprüche Ihrerseits nicht verjähren.

19.11.2010
Elli S.:
"Ich bin verwitwet, 60 Jahre und beide Kinder sind flügge. Nun habe ich mein für mich zu großes Haus verkauft, lebe zur Zeit in Miete und bin auf der Suche nach einer kleinen Immobilie. Den Verkaufspreis von 300.000 Euro habe ich bei der HypoVereinsbank per Sparbuch ( Plus Sparen ) zu derzeit 1,050 % Zinsen zu 3 Monatigen Kündigung angelegt. Gibt es eine bessere Möglichkeit, obwohl ich den Betrag evtl. kurzfristig benötige ?"

Stefanie Kühn: Als Anlageform für kurzfristig benötigtes Geld eignen sich Tagesgelder (Gelder mit täglicher Verfügbarkeit) sowie Sparbücher, so wie Sie eines gewählt haben. Es gibt derzeit am Markt sowohl Neukunden-Angebote mit 2% im Tagesgeld für das erste halbe Jahr, als auch Online-Sparbücher mit 3-monatiger Kündigungsfrist bei derzeit 2% Zinsen p.a.. Als Beispiele seien an dieser Stelle die Diba und die BMW-Bank genannt. Während das Online-Sparbuch eine reines Internetbanking voraussetzt, gibt es bei den Direktbanken meist keineb Konditionenunterschied im Tagesgeldzins zwischen Online-Banking und Telefonbanking. Durch ein Aufteilen des Betrages auf mehrere Angebote von Direktbanken könnte der Durchschnittszins auch leicht über 2% ohne ein „Mehr" an Risiko geführt werden.


18.11.2010 
Karl-Heinz W.:
"Vor einigen Tagen erhielt ich ein Prospekt der Solar Millennium AG. Wie sicher ist das Unternehmen und die mittelfristige Anleihe? Siehe auch unter www.Anleihe-Solar.de

Festzins: 6,5% p. a.
Laufzeit: nur 5 Jahre
Zinszahlung: jährlich
Ausgabekurs: 100%, kein Aufschlag
Mindestanlagesumme: € 1000,--
beliebige Stückelung: in Schritten a € 1000,--

 

Stefanie Kühn: Bei jeder Untenehmensanleihe gilt - sie ist nur so gut, wie das Unternehmen, das sie begibt. Geht das Unternehmen pleite, droht im schlimmsten Fall ein Totalverlust. Die Anleihe der Solar Millenium AG ist nicht börsennotiert, so dass eine dauernde Wertstellung der Anleihe und eine jederzeitige Veräußerbarkeit nicht gegeben ist. Die Börse Stuttgart bietet mit dem Segment BondM speziell für Mittelständler die Möglichkeit, Anleihen handelbar zu machen. Diese Möglichkeit wird offenbar bislang nicht genutzt. Diese Anleihen zählen damit zu den „Graumarktanleihen".
Das Unternehmen hat zwar zuletzt positivere Nachrichten verkünden können, in diesem Jahr sind aber durch den plötzlichen Weggang des kurzfristigen Chefs Utz Claassen sowie Gewinnwarnungen auch negative Seiten aufgedeckt worden.
Sicher sind 6,5% eine attraktive Rendite, jedoch kenne ich Ihre persönliche Finanzsituation und Risikoeinstellung nicht. Danach würde sich grundsätzlich beurteilen, ob der Renditeaufschlag zu einem einlagengesicherten Festgeld angemessen erscheint.


04.10.2010
Klaus H.:
"Im Jahr 2007 habe ich den Templeton Growth Euro verkauft und alles auf den Multi Invest OP WKN 926200 angegt. Was der OP sehr gut gemacht hat, war der Ausstieg aus Aktien vor dem Crash. Jedoch muss ich seitdem auch zusehen, wie der Anlagebetrag immer weniger wird und es ist inzwischen sogar ein Minus von ca. € 30 000 aufgelaufen.Der Fonds ist derzeit ca. zu 30 Prozent in Aktien investiert, alles andere läuft in Geldmarktfonds, es fallen also Zinsen an und trotzdem verliert der Fonds immer mehr, Auf meine Anfrage an das Management, was denn mit Zinszahlungen wäre, habe ich keine Antwort bekommen.
Das sagt mir, das die Gebühren höher als die Zinseinnahmen sind.
Ich überlege, den Fonds zu verkaufen und das Geld bis Ende 2012 auf Festgeld anzulegen, zumal 2012 die Hypothek für unsere Wohnung fällig wird.
Was würden sie mir raten ?"

 

Stefanie Kühn: Ihre Entscheidung, 2007 vom Templeton in den Multi Invest OP zu wechseln, war weitsichtig. Richtig ist, dass der Multi Invest OP sehr gut durch die Krise kam. Den Aufschwung vom März 2009 an, hat er jedoch ausgelassen, im Gegenteil, es kam zu einem weiteren Absinken der Kurse. Der Multi Invest ist als Dachfonds mit zwei Gebührenebenen belastet – zum einen verdient das Dachfondsmanagement, zum anderen die Fonds, in die investiert wird. Wenn dann hauptsächlich in Geldmarktfonds angelegt wird und die Marktrendite zwischen 1 und 1,5% liegt, dann wird wahrlich Geld vernichtet. Der Fonds war außerdem durch ein Fehlinvestment in den Schlagzeilen. Hervorzuheben ist dabei aber, dass der Fondsmangager Eick nach meinen Recherchen die Aktien auf Kredit in sein eigenes Depot gekauft hat und nun den Schaden persönlich trägt. Der Fonds wurde also vor einem weiteren Schaden bewahrt. So etwas ist sicherlich sehr selten und verdient Respekt.
Ohne Ihre weitere Vermögenssituation zu kennen finde ich die Idee, den Fonds zu verkaufen grundsätzlich richtig. Immer, wenn Sie einen fixen Termin haben, an dem Sie das Geld benötigen, ist Festgeld eine gute Idee. Sie wissen dann, dass das Geld auch wirklich da ist und in Ihrem Fall das Darlehen abgelöst werden kann.


19.09.2010
Doris M.:
"Im Januar 2011 wird meine Zusatzversicherung fällig und ich muss mich bis Ende September entscheiden, ob ich eine Renten- oder Kapitalzahlung möchte. Was für Vorteile könnte ein Rentenzahlung für mich (Jahrgang 1949) bringen? Im Januar 2009 wurde mir bereits eine Firmendirektversicherung als Kapitalzahlung ausbezahlt und die GKV forderte daraufhin 1/120 des Betrags. Kann sie das bei einer Rentenzahlung auch fordern?"

 

Stefanie Kühn: Die Frage, ob Sie lieber das Kapital oder die Rente nehmen sollten, hängt sehr stark von Ihren persönlichen Zielen und Ihrer Versorgungssituation ab. Ein paar Gedankenanstöße gebe ich Ihnen gerne: Der Vorteil einer Rente ist, dass sie lebenslang gezahlt wird, sie deckt also das sogenannte „Langlebigkeitsrisiko" ab. Nachteil: Versterben Sie früh, erzielen sie keine positive Rendite (je nachdem, wie die Vererbbarkeit geregelt ist). Ihr Gesundheitszustand gibt Ihnen hier schon mal ein gutes Indiz, ob sich eine Rente überhaupt lohnen könnte. Die Kapitalzahlung bringt Ihnen mehr Flexibilität, Sie können das Geld anlegen und „von den Zinsen leben" oder aber es teilweise oder vollständig verzehren. Sie sind stärker selbst verantworlich. Die Vererbbarkeit können Sie frei regeln. Nachteil ist hier, dass Sie das Geld zu früh/zu schnell verzehren könnten und ab einem bestimmten Alter X ohne „Zusatzeinkommen" dastehen. Durch falsche Anlagen könnte ein Teil des Vermögens verlorengehen.

Ob Krankenversicherungsbeiträge auf Ihre Zusatz-Rente anfallen oder nicht, hängt von Ihrem Status in der Krankenversicherung ab. Sind Sie dort freiwillig versichert, zählt die Rente zu den Einnahmen, die „für den Lebensunterhalt verbraucht werden oder verbraucht werden können", wie es in den „Einheitlichen Grundsätzen zur Beitragsbemessung freiwilliger Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung" beschrieben ist. Sind Sie pflichtversichert, zählt es derzeit nicht dazu.

30.08.2010
Gerhard K.:
"Zum 1.1.2011 wird eine private LV auf Rentenauszahlung mit Kapitalwahl fällig (Abschluss 1.1997).
Die monatliche Rente von ca.125 € wird bis auf weiteres nicht benötigt. Mir ist bei Kapitalauszahlung eine Anlage
als KG-Beteiligung an einer Vermögensverwaltung mit Absicherung über eine Versicherungsrahmenpolice angeboten worden. Eine monatliche Entnahme bis 140 € mtl. kann auch später frei gewählt werden.Das Ganze wird mit einer 100% Kapitalgarantie zum Ende der Laufzeit angeboten.Wie wird das durch die Steuer beeinflusst? Wie könnte man alternativ die monatliche Rentenzahlung neu für späteren Bedarf anlegen?"

 

Stefanie Kühn: Mein erster Eindruck beim Lesen war Erstaunen – milde ausgedrückt. Sie sollen also eine aktuell nicht benötigte Kapitalauszahlung in ein neues – sicher mit einem „schönen" Agio versehenes – Modell stecken. Sie haben den Namen der KG-Beteiligung zwar nicht genannt, googelt man aber nach Angeboten, die Ihrer Beschreibung entsprechen, kommt man recht schnell zu Seiten von Rechtsanwälten, die Fonds dieser Art kritisch beurteilen. Liest man in solchen Prospekten, sieht man hohe Kosten, Blind-Pool-Charakter, Totalverlustrisiko, hohes Risiko durch die Hebelung mittels Fremdfinanzierung, empfohlene Laufzeiten von 20 Jahren etc. . Kurz, das Produkt scheint mir völlig ungeeignet als Folgeprodukt für eine Lebensversicherung. Ohne dieses Thema weiter zu vertiefen, rate ich Ihnen ab, Ihre Auszahlung in ein solches Produkt des sogenannten grauen Kapitalmarktes zu stecken. Offenbar waren Sie ja bereits misstrauisch, sonst hätten Sie keine Frage in dieser Rubrik gestellt.

Alternativ könnten Sie sowohl die Kapitalauszahlung als auch die Rente anlegen. Je nach Ihrem Sicherheitsbedürfnis könnten Sie Festgelder, Mischfonds oder Aktienfonds mischen. Da ja bereits die ursprüngliche Lebensversicherung Kosten produziert hat, rate ich Ihnen, jetzt besonders auf eine kostengünstige Anlage zu achten. Wenn Sie die Rentenzahlung wählen, wäre auch ein Fondssparplan denkbar. Damit mindern Sie das Risiko, genau am falschen Tag zu kaufen.

07.08.2010
Christian R.:
"Ich habe im dezember 2003 eine Eigentumswohnung gekauft. Mein Finanzberater riet mir, einen Kredit bei der DSL-Bank aufzunehmen. Dort tilge ich momentan mit 1 %. Zusätzlich meinte er, soll ich bei der Skandia eine Fondsrente abschließen und mit der den Kredit mit einem Einmalbetrag zusätzlich tilgen. Es handelt sich dabei um eine transparente Investment-Rente T.I.R Tarif FRC wo ich seit Dezember 2003 monatlich 210 EUR einzahle. Ich bin mitlerweile sehr skeptisch ob das der richtige Abzahlungsweg ist. Ob ich damit wirklich sovielGeld erwirtschafte? Oder ob es sinvoller ist, die Tilgung bei der DSL bank auf 2 oder 3 % erhöhen? Was können Sie mir raten?"


Stefanie Kühn: Grundsätzlich ist eine Finanzierung mit keiner oder niedriger Tilgung bei vermieteten Immobilien ein gängiger und oft sinnvoller Weg, da damit die Rendite des gebundenen Eigenkapitals optimiert werden kann. Aus Ihrer Frage geht jedoch nicht hervor, ob Sie die Immobilie selbst nutzen. Wenn dem so ist, dann gilt der Grundsatz „Soviel Eigenkapital wie möglich, so wenig Fremdkapital wie nötig". Eine Erhöhung der Tilgung wäre in jedem Fall sinnvoll. Ob dies jedoch während der Zinsbindungsfrist möglich ist, die vermutlich aber bis 2013 (10 Jahre) läuft, ist fraglich. Wenn Sie mehr tilgen möchten, Ihre monatlichen Überschüsse dazu nicht ausreichen, wäre eine Beitragsfreistellung der Rentenversicherung zu überlegen. Dafür müssten aber Kosten, genauer Erfolg der zugrunde gelegten Fonds und ggf. Fondswechselmöglichkeiten genau geprüft werden. Eine Kündigung der Rentenversicherung wird höchstwahrscheinlich nicht in Betracht kommen, da die Hauptkosten – die Abschlusskosten – inzwischen bezahlt sind und der Vertrag noch vor 2005, also mit Steuerfreiheit nach 12 Jahren, vereinbart wurde.
Sollte die Wohnung doch vermietet sein, empfehle ich zunächst eine Rentenversicherungsüberprüfung und nach Ablauf der Zinsbindung zu einer etwas höherenn Tilgung, um Ihre Sicherheit zu erhöhen. Wahrscheinlich können Sie allein aufgrund der gegenüber 2003 günstigeren Zinsen bei gleicher Belastung künftig mehr tilgen. Läuft die Zinsbindung 2013 aus, können Sie bereits jetzt beginnen, über eine Anschlussfinanzierung per Forward-Darlehen nachzudenken.

31.07.2010
Monika H.:
"Im Jahr 2006 habe ich folgende Beträge anglegt:
1. 30.000 Euro Multi-Axxion-Fonds f. dt. Stiftungen (LU0224199785), am 23. April 2010 umgetauscht in Multi-Axxion-Absolute Return Actions au Proteuer o.N. (LU0206060294)
2. 46.284 Euro in ABN Amro (ISIN LU01118022996) im Jahr 2008 umbenannt in Fortis Plan-Target Click Fund 2011 A, Laufzeit bis 31. Oktober 2011.
3. 35.000 Euro Allianz Index-Police Euro Stoxx50/S&P 500/Nikkei 225 Garantiezertifikat 2018, Laufzeit 2007 bis 2019, Garantieleistung rund 45.620 Euro.
Gedacht war ein Wachstum mit geringem Risiko (Kapitalerhalt). Wenn ich mir die Entwicklung der Kurse ansehe, habe ich aber nicht den Eindruck, dass das Kapital erhalten bleibt. Wie bewerten Sie die Fonds und die Index-Police? Soll ich verkaufen und den Erlös in Sparbriefen anlegen?"


Stefanie Kühn: Der Absolute Return Fonds fällt unter die Kategorie Mischfonds und besitzt keine Garantie. Durch ein Anlagestrategie, die grundsätzlich so ziemlich alle Anlagekategorien erlaubt, soll eine schöne Rendite erzielt werden. In den vergangenen drei Jahren betrug die Rendite hier jedoch nur 0,8% (Stand 20.6.10). In der Kategorie gab es deutlich bessere Fonds.
Der Fortis Fonds läuft inzwischen unter dem Namen BNP Paribas Plan-Target Click. Da die Fälligkeit ja in gut eineinviertel Jahren ist, sind jetzt bereits über 95% in Anleihen angelegt. Damit wird der versprochene Mindestwert gesichert. Dieser ist der höchste jemals erreichte Anteilswert, jedoch mit der Einschränkung, dass dies nicht mehr unbedingt gilt, wenn der Fonds schon zu 100% in festverzinsliche Wertpapiere angelegt ist. Vermutlich ist der höchste erzielbare Mindestwert dann jetzt bald erreicht, es sei denn, Anleihen würden noch einmal einen „Renditeturbo" einlegen. Da Wertsteigerungen im Fonds für Sie steuerfrei sind, weil Sie die Anteile vor 2009 erworben haben, müsste bei einem jetzigen Verkauf mit anschließender Anlage im Festgeld beachtet werden, dass die Zinsen mit Abgeltungsteuer belegt sind.
Die Allianz Index-Police bezieht sich im Gegensatz zu einer fondsgebundenen Rentenversicherung nicht auf Fonds sondern auf ein zwölf Jahre laufendes Zertifikat. Der Anleger erhält den Durchschnitt der erwähnten Indizes. Jedoch erhält er keine Dividenden. Da sich die Garantie auf das Ende der Laufzeit bezieht, ist eine vorzeitige Beendigung bei den Verläufen der Märkte in der Zeit seit Abschluss und aufgrund der bezahlten Abschlusskosten vermutlich mit einem echten Kapitalverlust verbunden. Die Garantie beträgt außerdem nicht 100% sondern 124%. Wenn Sie den Rückkaufswert erfragen können Sie mit diesem und dem Endwert die erzielbare Rendite von heute an errechnen. Ich vermute, dass sich eine vorzeitige Auflösung nicht lohnen wird.
Abschließend noch der Hinweis, dass Sie jegliche Garantie in komplexen Kapitalanlageprodukten immer bezahlen müssen (mit verringerter Partizipation an einer positiven Entwicklung, Verzicht auf Dividenden etc.). Eine klare Anlagetrennung in festverzinsliche Anlagen mit 100%iger Sicherheit und Kenntnis der Rendite sowie einem für Sie passenden Anteil für reine Aktieninvestments ist eine klarere und renditereichere Anlagestrategie.

12.07.2010 
Herbert S.: 
"Ich (59, eigenes Eigentum) habe im Jahr 2000, 10 000 DM in den Investmentfonds Deka Technologie CF investiert, inzwischen liegt der Wert nur noch bei ca 1300,- €. Was halten Sie von diesem Fonds und dessen Entwicklung? Wie soll ich mich verhalten? Derzeit benötige ich das Geld nicht, aber  in fünf bis sechs Jahren wenn ich in Rente gehe, bzw. die Einzahlungen einstellen muss? Darüberhinaus zahle ich jeden Monat 70.- € in den Deka Privatvorsorge sowie 5o.- € in den AriDeka und 100.- € in den Tempeleton Grth. Inc."

 

Stefanie Kühn: Die Antwort auf Ihre Frage möchte ich in zwei Teile unterteilen.

1. Ihre aktuelle Sparrate: Keiner der Fonds scheint mir geeignet. Die Fonds sind alle das, was man als durchschnittliche Fonds bezeichnet. Am Markt gibt es zahlreiche bessere Fonds. Außerdem werden Sie vermutlich den vollen Ausgabeaufschlag zahlen (von zum Teil über 5%), den Sie ja zunächst wieder „verdienen" müssen. Da Sie das Geld in absehbarer Zeit benötigen, ist das ein zusätzlicher Negativpunkt. Wenn sie ab dem Rentenbeginn einen Verzehr des Geldes planen, empfehle ich Ihnen, auch in festverzinsliche Anlagen zu am Markt Top-Konditionen zu investieren. Wenn Sie aktienbasierte Anlagen grundsätzlich mögen, wäre ein kleiner Aktienfondssparplan vertretbar (Kauf jedoch ohne oder mit reduziertem Ausgabeaufschlag).
2. Ihre Bestände: Alles, was Sie vor 2009 erworben haben, ist in seiner Wertentwicklung steuerfrei. D.h., wenn Sie jetzt verkaufen würden und in einen „Top-Fonds" investieren würden, würde dort die Wertsteigerung beim Verkauf mit Abgeltungsteuer belegt. Der neue Fonds müsste also den Steuernachteil kompensieren. Das würde auch für „Top-Fonds" schwierig werden. Alles, was Sie nach 2009 erworben haben, ist sowieso steuerpflichtig, sofern Gewinne anfallen, da würde ich einen Wechsel nicht scheuen. Achten sollten Sie aber wiederum darauf, dass Sie bei einem Neukauf keine großen Kosten verursachen.

Wenn dieses Vermögen neben dem Immobilienbesitz Ihr einziges liquides Vermögen ist, rate ich Ihnen dringend, im Bereich Liquidität/Festverzinsliche Anlagen einen Puffer aufzubauen und Verkäufe der bestehenden Fonds auch dort anzulegen. Ihre Anlagestruktur würde dadurch weitaus ausgewogener und Sie wären für Unvorhergesehenes besser gerüstet.

05.07.2010 
Brigitte L.:
"Ich, ( 59 J) bekomme in nächster Zeit meine Lebensversicherung im unteren fünfstelligen Betrag ausbezahlt und möchte gerne wissen, wie ich das Geld gut und relativ sicher anlegen kann, auch unter Berücksichtigung einer evtl. Inflation. Das Geld ist als Aufstockung zu meiner Rente gedacht. Ich wohne in meiner ETW, habe noch einige Arbeitsjahre vor mir und bin in folgenden Fonds investiert (jeweils unterer 5-stlg. Betrag):  Fidelity European Growth,  Nordea 1 Europ. Value, Dachfonds der GIP –Europa und International. Soll ich noch einen Teilbetrag in einem der genannten Fonds investieren und was halten Sie von einem Tagesgeldkonto. Die Versicherung bietet ein Gelddepot-Konto  mit derzeit 2,25 % bei täglicher Verfügung. Oder welche Alternativen gibt es noch? Ist eine lebenslange Rentenzahlung zu empfehlen?"

 

Stefanie Kühn: Wenn Sie Ihr Geld gut und relativ sicher anlegen möchten, empfiehlt sich eine Streuung des Vermögens. Sicherlich ist es sinnvoll, mit einem Teil des Geldes im Tagesgeldbereich zu bleiben. Das von der Versicherung angebotene Konto ist mit einem derzeit attraktiven Zins ausgestattet. Wenn die Zinsen ansteigen, sind Sie so flexibel, sich dann eventuell auch mit einem Teil des Geldes längerfristig zu binden. Die Zinsen stellen eine Art Zusatz-Rente für Sie dar. 10-20% des Geldes könnten Sie in einen Misch- oder Aktienfonds anlegen, um Renditechancen zu nutzen. Mit aktienbasierten Anlagen haben Sie ja bereits Erfahrung. Der Investitionszeitpunkt muss aber aufgrund der derzeitigen Entwicklungen besonders sorgsam gewählt werden. Ich würde Ihnen keinen der vorhandenen Fonds zur Aufstockung empfehlen, sondern die kostenminimierten Exchange Traded Fonds (ETF, das sind Indexfonds) oder einen wirklich guten Mischfonds – je nach Ihrer Risikobereitschaft. Achten Sie besonders auf die Kosten beim Einkauf. Sie haben heute die Möglichkeit über Direktbanken auch viele gemanagte Fonds kostenfrei oder zu den üblichen (minimierten) Börsenspesen einzukaufen.
Das ist mir grundsätzlich wichtig bei der Neuanlage: Meiden Sie Produkte mit hohen Abschlusskosten, wie eine private Rentenversicherung. Das gleiche Geld, für dass Sie vor Jahren ja schon einmal eine hohe Provision bezahlten, würde sonst wieder „verprovisioniert".


21.06.2010 
Josef P.:
"Ich möchte für meine Tochter (21) 20,000 euro für 10 Jahre anlegen und zwar sicher. Sie hat schon einen templeton,fidelity Fonds,eine lebensversicherung und einen Rentenfonds. Die Sparkasse meint, sie soll das Geld in ein schweizer portfolio chance anlegen. Was meinen Sie?"


Stefanie Kühn: Ich gehe davon aus, dass die Sparkasse ihre hauseigene standardisierte Vermögensverwaltung empfohlen hat, das Deka Dynamik-Depot Chance. Diese Variante kann bis zu 100% in Aktien anlegen und entspricht daher nicht Ihrem Wunsch nach Sicherheit. Für die Vermögensverwaltung tragen Sie außerdem Kosten von 2% „Eintrittsgebühr" sowie 0,5% jährliche Kosten. Dazu kommen die jährlichen Kosten der einzelnen Fonds, in die investiert wird. Diese können nochmal bis zu 1,5% p.a. ausmachen. Das muss erst einmal verdient werden, bevor Ihre Rendite beginnt.
Doch was ist eine sichere Anlage? Eine Anlage ohne Verlustrisiko würde ich sicher nennen. Letztlich wäre ein Festgeld oder ein gut verzinstes Tagesgeldkonto eine „sichere Anlage". Eine zu lange Zinsbindung würde der derzeitigen Marktsituation aber nicht gerecht werden. Sollte die Inflationsrate steigen und damit die Zinsen anziehen, würden Sie sich über Ihre „Minizinsen" ärgern. Ich empfehle Ihnen, das Geld derzeit im Tagesgeld oder maximal einem halbjährlichen Festgeld zu parken. Nach Ablauf der Verzinsung würde man abwägen, ob sich eine längere Zinsbindung lohnt. Möchten Sie doch ein wenig Risiko dazunehmen, könnten Sie mit einem Teil des Geldes in einen konservativen Mischfonds investieren.

06.06.2010 
Anneliese K.
: "Mir wurde von der Deutschen Bank ein Angebot gemacht, und zwar läuft es unter dem Titel "Best of Two"-Konzept, Dynamische Steuerung der Renten und Aktienallokation. Es gibt zwei Varianten: db PrivatMandat Fit Europa und db PrivatMandat Fit Europa Defensiv. Die Anlagepolitik: Der Anteilspreis kann Schwankungen nach unten und nach oben unterworfen sein (kein Kapitalschutz und keine Gewähr für die Erreichung des Anlageziels). Die Umsetzung der Anlagepolitik erfolgt unter Zuhilfenahme des sog. "Best of Two"-Konzepts, das zur Identifizierung von Trends in den Anlageklassen "Aktien und Renten" führen soll. - Keine Depotgebühren, Ausgabeaufschlag 3,0%,Erstanteilspreis 100,00 Euro,Erstausgabepreis 103,00 Euro. Ich bin sehr verunsichert, und bitte Sie um Rat."

 

Stefanie Kühn: Bei beiden Fonds handelt es sich um Mischfonds, die durch eine geeignete Aufteilung und ein besonderes Umschichtungskonzept (hier das von der DWS „Best of Two" Konzept) dem Anleger einen Mehrwert bieten möchten. Beide Fonds sind gerade neu aufgelegt worden, so dass keine Rendite der Vergangenheit als „Hilfsindikator" herangezogen werden kann.
Wenn man im Verkaufsprospekt liest, dann kommt einem der Gedanke, dass das ganze eher einem Dachfonds als einem Mischfonds gleicht, denn es soll wohl auch in ETFs (das sind Indexfonds, Exchange Traded Funds), Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds investiert werden. Die Problematik ist dann, dass nicht nur die 1,7% bzw. 1,85% jährliche Kostenpauschale anfällt, sondern in den einzelnen Fonds weitere Gebühren in ähnlicher Höhe anfallen. ETFs schneiden da mit keinen bis sehr geringen Kosten von 0,2 oder 0,5% noch gut ab. Maximal dürfen 3,25% bei anderen Fonds anfallen.
Die Fonds haben außerdem eine performanceabhängige Gebühr, die leider keine High Water Mark Regelung vorsieht. Das bedeutet folgendes: Wird die Messlatte übertroffen (einmal 6%, einmal die Jahresperformance aus einem Indexmix), gehen 25% des Mehrertrages an die Gesellschaft. Wenn das Vorjahr dem Anleger einen Verlust von 20 % beschert hat und das nächste Jahr bspw. 15% Plus, dann werden bei der Messlatte 6% trotzdem 2,25% an die Gesellschaft gehen. Und das, obwohl der Anleger insgesamt Verlust gemacht hat. Dies ist jedoch eine „Kann-Regel", die DWS entscheidet selbst, ob sie sie anwendet.
Ohne hier zu beurteilen, ob eine solche Investition für Sie überhaupt in Frage kommt, ist dies ein teures Produkt, das den Nachweis, dass es diese Kosten wert ist, erst noch erbringen muss.

 

02.06.2010 
Maria S.:
"Ich möchte für unser neugeborenes Kind 50 Euro monatlich sparen für Führerschein und Auto. Soll ich  das Konto auf das Kind laufen lassen oder auf uns Eltern(wg.der Abgeltungssteuer,ist ausgeschöpft)? Was ist effektiver ein Zielsparplan von meiner Hausbank oder eine monatliche Einzahlung in einem Fonds wie zum Beispiel Carmignac Investissement (WKN:A0DP5W)?"

 

Stefanie Kühn: Auf welchen Namen das Geld angelegt wird, sollten Sie nach verschiedenen Überlegungen entscheiden. Steuerlich ist es meist von Vorteil, das Geld auf den Namen der Kinder zu sparen. Aber es gibt auch ein paar Nachteile: Geld auf den Namen der Kinder gehört den Kindern und kann nicht einfach zu den Eltern zurückgeholt werden. Mit 18 Jahren kann Ihr Kind mit dem Geld machen, was es will (also auch eine Riesenparty schmeißen, eine Reise machen oder es einem Guru schenken o.ä.). Natürlich sind das Extremfälle, aber als Eltern sollte man das doch wissen. Geld auf den Namen der Kinder kann ab bestimmten Höhen außerdem Auswirkungen auf Bafög-Ansprüche und Krankenkassenbeiträge haben.
Wie Sie das Geld ansparen, hängt vor allem von Ihrer Risikobereitschaft ab. Bei der langen Laufzeit spricht nichts gegen einen Aktienfondssparplan. Den von Ihnen ausgewählten Fonds halte ich für sehr gut. Wenn Sie den Sparplan bei einer Direktbank eröffnen, finden Sie auch Angebote ohne Ausgabeaufschlag. Das bedeutet 2 Euro Ersparnis pro Monat. Über 18 Jahre sind das bei unterstellten 6% Rendite immerhin rund 775 Euro mehr.


18.05.2010 
Evelyn F.: 
"Seit 01.01.2004 zahle ich monatlich in eine fondsgebundene Rentenversicherung bei der Skandia Lebensversicherungs AG ein. Die Fondsanteile sind Skandia 2024 Guaranteed FR0010672139 mit 30,9508 Anteilen und Templeton Growth (Euro) Fund LU0114760746 A (acc) mit 146,0165 Anteilen. Anfangs waren es 100 Euro im Monat, ab 01.01.2010 erhöht sich die monatliche Zahlung bereits auf 134,01 Euro. Die Wertermittlung zum Ende November 2009 beläuft sich wie folgt: Fondswert 4239,92 Euro, einbezahlte Beträge 8034,65 Euro, Rückkaufswert 4193,56 Euro. Die Vertragslaufzeit endet nach 56 Jahren, Beitragszahlungsdauer sind 22 Jahre. Dynamik 5%. Todesfallsumme 19.600 Euro.

Inzwischen sind mir Zweifel gekommen, ob der Abschluss richtig war. Die LV sollte als Altersvorsorge dienen. Was soll ich tun?"

 

Stefanie Kühn: Sie haben eine Lebensversicherung, die nach „altem Recht" eine steuerfreie Auszahlung sichert. Das ist natürlich ein Vorteil. Die beiden Fonds, in die investiert wird, sind folgendermaßen einzuschätzen. Der erste ist ein Garantie-Dachfonds. Die Garantie greift 2024 und der Garantiegeber ist die Societé Generale. Natürlich ist jede Garantie nur so gut, wie ihr Garantiegeber. Die Performance von 4,2% auf Ein-Jahressicht ist, wenn Sie eine Police mit gemischtem Risiko gewählt haben, für die Abdeckung des konservativen Teils gut. Haben Sie eine Police mit Schwerpunkt „Wachstumsorientiert", dann ist dies kein passender Fonds. Bis 2009 müssten Sie hier einen anderen Fonds gehabt haben, da der Fonds nach meinen Informationen erst gut ein Jahr alt ist. Der Templeton Growth Fund (Euro) ist inzwischen nur noch ein durchschnittlicher Fonds. Hier gäbe es sicherlich bessere Fonds, fraglich nur, ob Sie bei Ihrer Police eine Wahlmöglichkeit haben. Alles in allem haben Sie aber keine „Katastrophen-Fonds".
Über die Risiken von fondsgebundenen Lebensversicherungen haben Sie sich sicherlich bei Abschluss gründlich informieren lassen und ich gehe davon aus, dass Ihnen das Schwankungsrisiko bewusst war.
Die niedrige aktuelle Fondssumme erklärt sich zum einen aus den gesunkenen Aktienkursen seit 2008. Möglicherweise ist auch der Vorgänger-Fonds des Skandia Fonds mit verantwortlich. Außerdem zahlen Sie in den ersten drei Jahren hauptsächlich die Vermittlerprovision, die meist bei rund 4% aller zu leistenden Beiträge liegt.
Die Dynamik wirkt jetzt jedes Jahr wie ein kleiner Neuabschluss, natürlich mit den entsprechenden Kosten. Daher würde ich diese beenden und das Geld frei ansparen. Die Laufzeit ist insgesamt sehr lang, möglicherweise haben Sie eine Abrufmöglichkeit ohne Kosten vor Ablauf der Versicherung.
Die laufenden Kosten sollten überprüft werden, bevor Sie sich entscheiden, wie Sie weiterverfahren. Liegen diese im normalen Rahmen, würde ich eine Optimierung der Police durch Aufgeben der Dynamik und Fondsoptimierung vorziehen. Den größten Block der Kosten haben Sie ja inzwischen bezahlt.


06.05.2010
Karl H.:
"Wir (74 und 70 Jahre alt) möchten gerne wissen, wie es sich
mit der Witwen- bzw. Witwer-Rente verhält, wenn einer von uns vor dem
anderen stirbt. Bekommt die Ehefrau 60 Prozent von der Brutto-Rente des
Ehemannes? Und gilt das auch umgekehrt? Gibt es Einkommensgrenzen?"

Stefanie Kühn: Sofern Ihre Ehe vor 2002 geschlossen wurde (wovon ich ausgehe), gelten Sie als „Altfall" und erhalten noch 60% Hinterbliebenenrente. Diese 60% werden von der Bruttorente berechnet. Das gilt für Sie beide.
Es gibt keine Einkommensgrenzen wohl aber Anrechnung von weiteren Einkünften. Zunächst hat jeder einen Freibetrag, dieser beträgt derzeit monatlich 718,08 Euro. Darüber hinausgehendes Einkommen wird mit 40% des übersteigenden Beitrages auf die Witwen- oder Witwerrente angerechnet. Wenn Sie die Bedingungen für einen Altfall erfüllen, dann werden bspw. Vermögenseinkommen und private Renten (u.a.) nicht angerechnet, wohl aber Arbeitseinkommen.

 

15.04.2010
Edda S.: 
"Am 19.06.2000 habe ich 50 Stück Aktien der Deutschen Telekom, mit einem Einzelwert von damals DM 124,- erworben. Leider habe ich in den 10 Jahren nur Verlust einstreichen können. Nun habe ich mich nun entschlossen die Aktien umzuschichten bzw. zu verkaufen. Welche Aktien oder sonstige Anlage würden Sie mir empfehlen?"

 

Stefanie Kühn: Grundsätzlich sind Sie bei einem einzelnen Aktienwert immer davon abhängig, ob genau dieser eine gute Rendite erzielt. Wenn Sie das Risiko streuen möchten, aber im Aktienbereich bleiben möchten, wäre ein DAX-ETF oder Euro-Stoxx-ETF (Exchange Traded Fund) eine Alternative. Dort würden Sie in die bedeutensten deutschen bzw. europäischen Unternehmen über einen Investmentfonds investieren.
Ein ETF ist ein passiv gemanagter Investmentfonds, d.h. es gibt keinen Fondsmanager, da der entsprechende Index einfach 1:1 abgebildet wird. Dadurch sind die Kosten sehr gering. Bevor Sie jedoch erneut in ein Aktieninvestment mit den entsprechenden Schwankungen umschichten, sollten Sie überlegen, ob diese Anlage zu Ihnen und Ihren Zielen passt. Die Summe, die Sie beim Verkauf der Telekomaktien erlösen würden ist ja sehr gering und auch ein ETF verursacht beim Kauf - wenn auch geringe - Kosten.
Sie könnten auch überlegen, ob Sie die Telekomaktien aufgrund der Dividendenrendite (das ist die Rendite, die Sie mittels der Dividende, bezogen auf das momentane Kursniveau erzielen) behalten.

 

23.03.2010
Familie R.:
"Um die vermögenswirksamen Leistungen (40 Euro) anzulegen, hatte meine Hausbank folgende Papiere empfohlen: Fondsbezeichnung: DekaStruktur: 4 Chance Plus, Verwahrart: GiroSammel, VL Vertrag: gesperrt bis zum 31.12.2012. Ich bin dem Ratschlag gefolgt, was mir aber nicht gesagt wurde, war, wie hoch die Gebühren sind in Bezug auf den geringen Einsatz. Es ist empfohlen worden, von meiner Seite noch nach meinen Möglichkeiten hinzu zu zahlen. Dies ist für mich jedoch frühestens ab 01.06.2010 möglich. Da könnte ich ca. bis zu 150,00 €/monatlich für Rücklage / Einsatz realisieren. Soll ich alles so lassen wie es ist und die Anlage zum 31.12.2012 auflösen oder eventuell verlängern? Soll ich ab Juni noch mehr dazuzahlen? Halten Sie die Anlage aktuell für empfehlenswert oder gibt es eine andere Möglichkeit?"

 

Stefanie Kühn: Der DekaStruktur 4 Chance Plus Fonds ist ein Dachfonds. Damit hat er zwei Gebührenebenen. Die Dach-Ebene hat eine ausgewiesene Total Expense Ration von 1,38%, die einzelnen Fonds, die der Dachfonds hält, haben ebenfalls Gebühren. Die Gebühren der einzelnen Fonds (über 95% Aktienfonds) liegen bei 1% und 1,5%, so dass die laufenden Kosten bei mindestens 2,38% (1,38% + 1%) liegen. Dazu zahlen Sie vermutlich bei jedem Kauf die vollen 2% Ausgabeaufschlag und vermutlich eine Jahresgebühr für das Depot (10 - 15 Euro pro Jahr). Die Gebühren sind bis auf die Depotbankgebühr also prozentual.
Ich halte Dachfonds auf Grund der zwei Gebührenebenen grundsätzlich für ungeeignet. Mit einem guten weltweit anlegenden Aktienfonds hätten Sie a) eine bessere Rendite erzielt und b) bei Kauf über einen Fondsdiscounter den Ausgabeaufschlag eingespart.
Sie könnten das bislang Gesparte ruhen lassen und zukünftig Ihre VL-Leistungen bei einem Anbieter ohne Ausgabeaufschlag investieren. Ob Sie den Fonds 2012 behalten, können Sie erst dann unter den dann aktuellen Marktgegebenheiten entscheiden.
Wenn Sie mehr sparen wollen, empfehle ich Ihnen, dass nicht mit dem VL-Depot zu vermischen, sondern bei einer Direktbank ein Depot zu eröffnen. Dort haben Sie dann die Wahl zwischen Fondssparen (es gibt viele gute Fonds ohne Ausgabeaufschlag), Tagesgeld und – wenn dort einiges zusammengespart ist - Festgeld. Eine Aufteilung der Sparrate in verschiedene Anlageklassen wäre sicherlich sinnvoll.

 

08.03.2010
Josef D.:
"Ich (56, verheiratet) zahle seit 1991 monatlich 300 Euro (dynamisch) in eine Lebensversicherung des Bayerischen Beamten Versicherung ein. Auszahlung ist Oktober 2015. Jetzt hat mir eine unabhängiger Vermögensberater geraten, die LV beitragsfrei zu stellen udn eine fondsgebundene Lebensversicherung (fc Two Trust Fondspolice) bei HDI Gerling abzuschließen. Vertragsdauer ist 12 Jahre bei einer monatliche Einzahlung von 500 Euro. Der Einzahlungsbetrag wird garantiert und kann sich durch das Life Cycle-System erhöhen. Wie schätzen Sie dieses Angebot ein?"

 

Stefanie Kühn: Die Lebensversicherung, die Sie besitzen ist ein Vertrag nach altem Steuerrecht. Das bedeutet, dass die Auszahlung für Sie nach 5 Jahren Beitragszahlungsdauer und einer Mindestlaufzeit von 12 Jahren steuerfrei ist. Diese Bedingungen sind 2015 bei Ihnen erfüllt. Ein neuer Vertrag ist mit seinem Gewinn grundsätzlich steuerpflichtig. Wenn die Auszahlung ab dem Alter 60 erfolgt, dann ist nur die Hälfte des Gewinns zu versteuern. Dies ist der erste Grund, die Versicherung zu behalten.

Der zweite Grund auf einen Neuabschluss zu verzichten ist die erneut ansfallende Abschlussprovision. Diese wird rund 4% Ihrer Beiträge über die geplante Laufzeit betragen, vermutlich also über 2.500 Euro. Dies ist für einen Vermittler natürlich eine große Motivation, eine Sparrate „freizuschaufeln" und eine Beitragsfreistellung vorzuschlagen. Selbst wenn die neue Versicherung besser wäre, müsste dieses Geld ja erstmal „eingespielt" werden, bevor die Versicherung zu einem verbesserten Resultat führen würde.
Der dritte Grund für die Beibehaltung ist, dass Sie bislang offenbar eine klassische Lebensversicherung hatten und nun eine fondsgebundene Versicherung hätten. Zwar haben Sie eine Garantie, aber eine Garantie kostet Geld, also Rendite. Sie würden ein anderes Risiko eingehen, als bisher.
Ihre Versicherung könnten Sie optimieren, in dem Sie in den letzten Jahren auf die Dynamik verzichten, denn auch diese löst immer erneut eine Provision aus. Inzwischen bleiben aber nicht mehr genügend Jahre, um diese Kosten zu kompensieren.

 

18.02.2010
Susanne R.:
"Unsere Kinder (12 und 9 Jahre) erhalten von ihren Großeltern seit Anfang des Jahres jeden Monat jeweils 50 Euro.

Wie könnten wir dieses Geld so anlegen, dass unsere Kinder in naher Zukunft (mit 18 Jahren) darüber verfügen können?
Und noch eine Frage: Welche sichere Anlage würden Sie derzeit für einen Betrag von 5000 bzw. 10.000 Euro empfehlen. Kurzfristig über ca. 3 Jahre."

 

Stefanie Kühn: Wenn die Kinder im Alter von 18 mit Sicherheit über das Kapital verfügen können sollen, sind grundsätzlich Festgelder eine angemessene Anlageform. Wenn Sie Erfahrung mit Aktienfonds haben, könnte durchaus auch ein Fondssparplan in Frage kommen. Ein gutes Startinvestment stellt hier ein weltweit anlegender Fonds dar. Dabei sollten Sie besonders auf einen günstigen Einkauf achten. Bei vielen Direktbanken gibt es gute Fonds auch ganz ohne Ausgabeaufschlag, der sonst bis über 5% betragen kann.

Möglich wäre auch eine Splittung dergestalt, dass Sie jeweils einen Fondssparplan über 25 Euro pro Monat einrichten und den Rest auf Tages- bzw. Festgeld parken.

Eine sichere Anlage über einen Zeitraum von 3 Jahre stellt ebenfalls das Festgeld dar. Derzeit finden Sie gerade im 3-Jahres-Bereich einige doch attraktive Anlagemöglichkeiten. Auch wenn Ihnen die momentanen Zinsen niedrig vorkommen, denken Sie daran, dass es das gleiche ist, ob Sie 6% erzielen und 4% Inflation haben oder 2,5% bei 0,5% Inflation. Die Rendite für Sie ist jedesmal genau 2%!

 

12.02.2010
Peter D.:
"Ich habe meine Lebensversicherung nach rund acht Jahren mit großen Verlusten verkauft, weil ich mir eine besserer Anlageform ausgesucht habe. Welche Möglichkeit besteht für mich, dass ich Nachforderungen stellen kann?"

 

Stefanie Kühn: Wenn Sie der Meinung sind, dass die Berechnung des Rückkaufswertes zu niedrig war, empfehle ich Ihnen, einen auf Versicherungrecht spezialisierten Anwalt aufzusuchen, gerade um auch die Frage der Verjährung zu klären. Es gab in der Vergangenheit diverse Urteile, in denen Versicherungen zu „Nachschlägen" gebeten wurden. Die Höhe hing vor allem aber vom Jahr des Abschlusses der Lebensversicherung ab.
Der BGH erklärte beispielsweise 2005 bei Verträgen, die zwischen Juli 1994 und Mai 2001 abgeschlossen wurden, Klauseln über den Rückkaufswert bei vorzeitiger Kündigung für unwirksam. Die Begründung lautete, dass der Verbraucher unangemessen benachteiligt sein da Kosten in den Verträgen verschleiert würden und das bei vorzeitiger Vertragskündigung insbesondere in den ersten Jahren hohe Verluste hingenommen werden müssten.

 

01.02.2010
Peter M.:
"Ich habe 2005 die klassische Riesterrente bei der Victoriaversicherung abgeschlossen und zahle mittlerweile den höchstbetrag von 1964 Euro ein. Mit dem Renditeergebnis bin ich nicht zufrieden. Laut "test" soll die Citibank als Anbieter gute Ergebnisse einfahren. Wenn ich den Anbieter wechsle, welche nachteile entstehen dann? Ist eine Wechsel mit Kosten verbunden? Kann ich die alte Versicherung stilllegen und bei der der citibank einen neuen Vertrag abschließen?"

 

Stefanie Kühn: Ein Wechsel eines Riestervertrages ist immer mit Kosten verbunden. Zum einen kostet der Übertrag des bisherigen Guthabens (meist ca. 100-150 Euro), zum anderen hätten Sie bei einer erneuten Versicherungslösung, wie bei dem von Ihnen vorgeschlagenen Anbieter erneute Abschlusskosten. Diese sind auf die ersten Sparjahre verteilt.
Bei Ihrem Vertrag sind die Abschlusskosten nun wahrscheinlich so gut wie bezahlt und zwar in einer Höhe, als würden Sie über die gesamte Laufzeit einzahlen. Von einem Wechsel in eine andere Riester-Versicherung rate ich Ihnen daher ab. Alternativ könnten Sie einen Riester-Banksparplan oder ein reines Fondssparen (falls vom Risiko gewünscht) auswählen und den bisherigen Vertrag (trotz Kosten) übertragen oder beitragsfreistellen.
Es kommt jedoch auf Ihre persönliche Situation an, ob überhaupt und in welcher Form sich ein Riester-Vertrag für Sie lohnt.

 

15.01.2010
Hans-Joachim W.:
"Ihre Stellungnahme zu den Prokon-Inhaber-Teilschuldverschreibungen habe ich gelesen. Ich selbst bin ein gebranntes Kind durch "Geschäfte" mit Leipzig-West AG und EECH und habe dort viel Erspartes verloren. Denken Sie, dass Prokon eine sichere Anlage ist unter heutigen Gesichtspunkten ? Welche Anlagen empfehlen Sie bei 100.000 Euro?"

 

Stefanie Kühn: Wirklich sichere Anlagen sind meines Erachtens nur Festgelder/Tagesgelder bei Banken, die der deutschen Einlagensicherung unterliegen (Alternativ der Einlagensicherung in einem als "sicher" geltenden Land in Europa). Ist der Anlagebetrag größer, sollte zusätzlich über den privaten Einlagensicherungsfonds oder ggf. die Einlagensicherung der Sparkassen oder Genossenschaftsbanken eine Absicherung bestehen.

Alle anderen Anlagen, wie Unternehmensanleihen, Genussscheine, Zertifikate, Fonds aller Art besitzen Risiken. Die von Ihnen genannte Anlage bei Prokon ist nicht sicher in diesem Sinne. Ihre schlechten Erfahrungen zeigen Ihnen ja schon, was alles passieren kann.

Wenn Sie 100.000 Euro anlegen möchten, ist es mit einem pauschalen Rat nicht getan. Die Anlage muss zu Ihren Zielen, Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Risikomentalität passen. Grundsätzlich empfiehlt sich bei dieser Summe eine Aufteilung in verschiedene Anlageformen. Wenn Sie im wesentlichen sicher anlegen möchten, empfiehlt sich ein Tagesgeld-Festgeld Mix, vielleicht ergänzt um einen Aktienfonds oder einen Mischfonds. Achten Sie auf gute Zinsen und günstige Einkaufskosten.

 

Dieter B.: "Ich habe von einer "renditesicheren Anlage" der Prokon Nord Energiesysteme GmbH gelesen. Halten Sie eine solche Anlage für empfehlenswert? Im Text heißt es: "Investieren Sie in die Energieversorgung von morgen. Einlage ab 1000 Euro, Festzins 7% ohne Kursrisiko, Laufzeit 5 Jahre, Zinszahlung jährlich, Ausgabekurs 100%"."

 

Stefanie Kühn: Die Prokon Nord Energiesysteme GmbH ist in diversen Projekten zum Thema erneuerbare Energien tätig. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem Unternehmen Prokon, dass in Deutschland für inzwischen hauptsächlich genussrechsfinanzierte Windparks an Land steht. Die Prokon Nord hat einen ähnlichen Namen, da vor vielen Jahren die Gründer von Prokon beschlossen, getrennte Wege zu gehen, sich dabei aber nicht zu schaden und die Nutzung des Kernwortes Prokon für beide beizubehalten. Da sich die Prokon Nord bislang nicht bundesweit an Privatanleger wandte, kam wohl es zu keinen Differenzen. Das hat sich nun laut der Homepage von Prokon geändert.

Zur Anlage selbst: Die Anlage ist nur so gut, wie derjenige, der den Zins verspricht. „Ohne Kursrisiko“ suggeriert die Sicherheit, die sicherlich nicht da ist, es ist eine Unternehmensanleihe. Sie tragen damit ein Risiko, dass das Unternehmen Prokon Nord insolvent wird oder in Zahlungsprobleme gerät. Da es keine für mich prüfbare Historie von Anlagen für Privatanleger dieser Art bei Prokon Nord gibt, möchte ich das nicht werten. Risikolos jedoch ist weder ein Genussrecht von Prokon noch eine Unternehmensanleihe von Prokon Nord.

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