Kleine Schriften, die zum Nach- und Weiterdenken anregen:
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28.04.2012
Maria M.: "Seit einigen Jahren sparen wir für unsere beiden Enkel monatlich 200 Euro in den "Deka Investmentfonds Struktur 4 Chance". In fünf bzw. sechs Jahren werden die beiden 18 und dann sollte das Geld zum Einsatz kommen. Bislang haben wir 10.000 Euro eingezahlt. Laut Jahresauszug haben wir jedoch ein Minus von 1410 Euro. Was raten Sie uns?"
Stefanie Kühn: Grundsätzlich ist das Aktienfondssparen sehr gut geeignet für die Sparanlage für Enkel, da sie ja noch viel Zeit haben. Wichtig ist aber, dass die Fonds eine gute Leistung zeigen und die Kosten möglichst gering sind.
Sie zahlen in einen Dachfonds (kein reiner Aktienfonds, ein Misch-Dachfonds) ein, also in einen Fonds, der widerum in andere Fonds investiert. In der Vergangenheit hat er unterdurchschnittliche Ergebnisse gezeigt hat. Der Vergleich mit Mischfonds, die als gut zu bewerten sind, zeigt, dass Sie in den letzten 5 Jahren bis zu 60% bessere Ergebnisse hätten erzielen können.
Grundsätzlich haben Dachfonds höhere Kosten als einzelnen Fonds. Sie zahlen einmal die Dachebene (laut Anlegerinformation 2,14%) und müssen indirekt auch das Management der im Dachfonds enthaltenen Fonds finanzieren (Aktienfonds meistens um die 2%, Rentenfonds geringere Kosten). Ihre Kostenbelastung liegt im Schnitt damit vermutlich um gut 3%, obwohl nur 2,14% ausgewiesen sind.
Der Ausgabeaufschlag beträgt 2%, d.h. von 200 Euro, die Sie monatlich einzahlen, werden nur 196 Euro investiert.
Ich rate Ihnen zu einem Fondswechsel. Sparen Sie zukünftig in einen Fonds (keinen Dachfonds), der zumindest in der Vergangenheit eine erstklassige Rendite geliefert hat. Natürlich ist das keine Garantie für die Zukunft, aber ein Indiz. Prüfen Sie auch den neuen Fonds einmal jährlich. Sparen Sie außerdem kostenarm, indem Sie z.B. über eine Direktbank einen Fonds mit vermindertem Ausgabeaufschlag wählen. Den Bestand würde ich - trotz der Abgeltungsteuerfreiheit von zumindest einigen Anteilen - ebenfalls tauschen.
09.03.2012
Siegfried E.: "Im November 2011 wurden bei der Stadtsparkasse München 30.000 Euro Festgeld frei. Beim Beratungsgespräch wurde uns erklärt, dass die Stadtsparkasse derzeit kein Festgeld nehme, ebenso die Bayerische Versicherungskammer mit der sie zusammenarbeitet. Angeboten wurde uns stattdessen eine Einmalzahlung in ein Altersvorosgeprodukt (aufgeschobene Rentenversicherung , fünf Jahre, mit Wahlmöglichkeit zwischen Rente oder Kapital) bei der Generali. Rückkaufwert nach fünf Jahren garantiert 31.479 Euro - inklusive Überschussanteile 35.285 Euro. Was halten Sie von diesem Vertrag? Und wie sicher ist die Generali?"
Stefanie Kühn: Die garantierte Rendite beträgt 0,97%, sollten die Überschüsse wie prognostiziert gutgeschrieben werden, erhalten Sie eine Rendite von 3,3%. Ihre Rendite wird vermutlich also irgendwo zwischen 0,97% und 3,3% liegen (theoretisch ist natürlich mehr möglich, die vergangenen Jahre zeigen aber eher einen Trend abwärts). Sollte die Generali pleite gehen, würde die Auffanggesellschaft der Versicherungswirtschaft, Protektor, einspringen.
Zum Vergleich: Über 5 Jahre würden Sie bei der Santander Bank (deutsche Einlagensicherung) 4% sicher erhalten (Stand 6.2.12).
07.03.2012
Sepp S.: "Gebühren beim Anleihenkauf sind ja ziemlich transparent und in der Höhe - weniger als 1 % - akzeptabel. Unklar ist mir jedoch wer die "versteckten Gebühren (Kickbacks)" kassiert. Des öfteren erhält der Verkäufer 97% wobei der Käufer 102% bezahlt. Wo bleiben in diesem Beispiel die beachtlichen 5 % "hängen" ?
Stefanie Kühn: Grundsätzlich gibt es bei vielen Produkten einen Unterschied zwischen dem Kauf- und dem Verkaufskurs. Ein hoher Spread (so nennt man die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) ist bei Wertpapieren in der Regel ein Zeichen von mangelnder Liquidität am Markt. Die Differenz wird auch genutzt, um eine Bank oder einen Händler zu finanzieren. Um die Erläuterung nicht so abstrakt zu halten, nutze ich hier gerne das Beispiel Goldkauf in Münzen oder Barren: Wenn Sie Gold verkaufen und anschließend sofort zurückkaufen würden, würde die Bank oder der Edelmetallhändler sich neben einem eventuell günstigeren Einkaufspreis über diesen Spread finanzieren, denn hier gibt es ja nach dem Geschäft keine laufenden Einnahmen. Bei Wertpapieren kann eine Bank den Spread nutzen, um sich damit zu finanzieren. Der von Ihnen beschriebene Fall ist ein recht hoher Spread, praktisch gleichzusetzen mit einem Ausgabeaufschlag. Während diese Differenz offen sichtbare Kosten sind, sind die von Ihnen angesprochenen versteckten Gebühren oder Kickbacks nicht sichbare Rückvergütungen (Innenprovision). Diese dienen vornehmlich dazu, den Vertrieb zu bezahlen und Anreize zum Vertrieb zu schaffen.
21.02.2012
Dieter S.: "Ich habe bei der Firma Medius eine fondsgebundene Lebensversicherung plaziert (VS-Summe 94.000 €, Einmalzahlung, 6.000 € Provision) mit Höchststandsicherung, die bei meinem Alter nicht gar so attraktiv erscheint. Mittlerweile ist der eingezahlte Betrag bei der Atlanticlux, Luxemburg, um einiges gesunken, unabhängig von 3 Entnahmen meinerseits.Ist Ihnen über Geschäftsgebaren, Vermögen, verwaltungstechnisches Know how oder sonst Wissenswertes bekannt?"
Stefanie Kühn: Ob die Anlage grundsätzlich zu Ihnen passt, kann ich nicht beurteilen. Ihr Alter haben Sie leider nicht geschrieben, auch Ihre Risikoeinstellung kenne ich nicht. Die Provision betrug 6% der eingezahlten Summe und muss natürlich erst einmal wieder verdient werden. Da Sie diese genannt haben, gehe ich davon aus, Sie kannten sie auch beim Abschluss. Soweit mir bekannt ist, wird diese sehr offen genannt, was ja grundsätzlich positiv ist. Über weitere Kosten Ihrer Police kann ich an dieser Stelle nur spekulieren. Lebensversicherungen sind grundsätzlich nicht das günstigste Produkt.
AtlanticLux ist ist eine luxemburgische Aktiengesellschaft die zu rund 75% der FWU-München, einem Finanzdienstleister und zu rund 25% der VHV Versicherung gehört. Mir ist bekannt, dass die Firma Medius stark im Vertrieb von AtlanticLux Policen engagiert war. Inwieweit hier unabhängig beraten wurde, vermag man schwer beurteilen, die Internetrecherche ergab ein eher negatives Bild. Die zuständige Aufsicht Ihrer Police liegt in Luxemburg, beim Commissariat Aux Assurances (CAA). Diese muss dafür sorgen, dass die Vorschriften eingehalten werden. Als Anleger können Sie sich aber auch an die nationale Aufsicht wenden (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).
Die Aktienmärkte der letzten Jahre waren sehr turbulent, Rückgänge des Fondsvermögens sind derzeit praktisch normal. Die Höchststandssicherung kostet in jedem Fall Rendite – müsste Ihnen aber doch zumindest zum Ablauf einen Wert sichern.
Mehr als allgemeine Aussagen kann man ohne den Versicherungsverlauf mit den jährlichen Anschreiben und ohne Kenntnis Ihre Risikoeinstellung sowie Ihrer Pläne nicht machen.
04.02.2012
Anton B.: "Ich bin Rentner, 64 Jahre, verheiratet und mein Einkommen liegt unterhalb der Steuergrenze. Ich (wir)habe einen Prämiensparvertrag bei der Sparkasse, den ich im Jahr 1992 abgeschlossen habe, und den ich monatlich mit 153,39 € (1840,68 jährlich) bespare. Die Prämie für den Vertag würde im Jahr 2012 (20 Jahre Ansparzeit) 30% und im Jahr 2017 (25 Jahre)50% des angesparten Betrages betragen. Für diese Prämie muss ich Abgeltungssteuer +soli +kirchensteuer abführen. Insgesamt also 28,63%. Für mich stellt sich nun die Frage: Soll ich den Vertrag weiter laufen lassen und weiter besparen, oder kündigen und das Geld zu z.B 3,5% anlegen auf einem Festgeldkonto, z.B. Für 3 jahre. Unter der Vorgabe, dass ich das Geld nicht unmittelbar benötige, und ich den Vollen Betrag der Prämie versteuern muss.
Mein Berater bei der Sparkasse empfiehlt: weiter besparen, wenn ich das Geld nicht benötige. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das vernünftig ist, auch wenn sich 50% Prämie auf den ersten Blick sehr verlockend anhören. Was empfehlen Sie mir?"
Stefanie Kühn: Ihre Frage lässt sich so leider nicht beantworten, da die Zinsen des bestehenden Vertrages nicht genannt sind. Ich gehe davon aus, dass Sie Ihren Freistellungsauftrag schon erteilt haben. Mit diesem können Sie pro Jahr 801 Euro abgeltungssteuerfrei vereinnahmen.
Sie können diese Frage aber auch selbst lösen: Es kommt darauf an, ob Sie nach Steuern mit Ihrem Bonussparvertrag mehr oder weniger als mit einem 3,5%igen Festgeldkonto nach Steuern verdienen. Bitte berücksichtigen Sie dabei auch die Zinsen samt Boni der kommenden Jahre in Ihrem Vergleich. Gewöhnlich bringen Sie bei einem Bonussparen erst die letzten Jahre zu einer guten Durchschnittsverzinsung. Mit einer Tabelle, in der Sie pro Jahr ausrechnen, was Sie bei der jeweiligen Variante an Rendite erzielen, können Sie sich schnell verdeutlichen, was für Sie günstiger ist.
25.01.2012
Josef H.: "Ein Bekannter von mir ist von Beruf Landwirt und besitzt etwa 14 ha Wald und 70 ha Ackerland in Niederbayern, dazu zahlreiche landwirtschaftliche Wirtschaftsgebäude und 3 Wohnhäuser, eines davon selbst bewohnt. Renten-, Unfall-, Berufsunfähigkeits- und Pflegeversicherung sowie mehrere Bausparer, Immobielinfonds und Festgeldanlagen sind vorhanden. Nun möchte er einen Betrag von etwa 200.000 € möglichst sicher auf einen Zeitraum von etwa 10 Jahren anlegen. Ist es angesichts der Finanzkrise bzw. der drohenden Inflation sinnvoll weiter in Immobilien oder in Ackerland bzw. Wald zu Investieren? Oder sollte er besser auf Aktienfonds oder ähnliches setzen, welche in Branchen investieren, die nicht mit der Ernährungs- und Energiewirtschaft in Verbindung stehen, um das Risiko zu streuen? Welche Fonds kämen hier in Frage? Wie sieht es mit sogenannten ETF's aus? Sind Einzelaktien von starken Unternehmen wie Siemens, BMW, Coca Cola, oder Pharmaunternehmen zu unsicher?"
Stefanie Kühn: Ihr Bekannter ist offensichtlich gut abgesichert. Alle wichtigen Versicherungen, sowie Land und Immobilien, ferner einige festverzinsliche Anlagen sind vorhanden. Aus Sicht der Risikostreuung ist eine Beimischung von aktienbasierten Anlagen sicherlich sinnvoll. Um zu entscheiden, ob und wieviel man in aktienbasierte Anlagen investieren möchte, ist die ganz persönliche Risikoeinstellung wichtig. Die Risikotragfähigkeit scheint gegeben – das bedeutet, rein von seiner Vermögensstruktur würde eine Aktienquote Sinn machen. Manche Menschen jedoch können mit den Schwankungen, die an der Börse nun mal vorkommen, nicht umgehen. In diesem Fall ist es sinnvoller, bewusst auf Aktien zu verzichten. Erfahrungsgemäß sind das die Menschen, die im Hochpunkt kaufen, im Tiefpunkt verkaufen und dann sagen, Aktien seien Teufelszeug. Wenn Ihr Bekannter ausprobieren möchte, ob aktienbasierte Anlagen etwas für ihn sind, eignet sich der sukzessive Aufbau über (auch größere) Sparpläne. Die geplante Summe fließt so nach und nach in den Aktienmarkt. Die Schwankungen können zunächst bei kleinen Summen „erfahren" werden. Die Widerstandsfähigkeit steigt bei vielen Anlegern auch mit der Erfahrung etwas an. Die momentane Marktlage spricht m.E. ebenfalls gegen größere Einmalkäufe, zu groß ist die Gefahr, die derzeit von politischen Entscheidungen droht. Die Börse hat derzeit offenbar recht wenig mit Unternehmensbewertungen zu tun, sondern mehr mit der Frage, welcher Politiker gerade was wie sagt.
Ob dann gemanagte Fonds oder Indexfonds zum Einsatz kommen, müsste man diskutieren. Beide haben Vor- und Nachteile. Einzelaktien sind etwas für börsenaffine, interessierte Anleger, die sich detailliert mit den Unternehmen beschäftigen.
14.01.2012
Günther A.: "Im Dezember 2006 erwarb ich Anteile am Degi International (WKN 800799) zum Stückpreis von 53,80 EUR. Der Fonds ist seit November 2009 geschlossen, bleibt das auch und wird nach letzter Mitteilung des Fondverwalters vom November 2011 innerhalb der kommenden drei Jahre in halbjährlichen Schritten abgewickelt. Mein Depotverwalter hat mir vor diesem Hintergrund ein befristetes Angebot unterbreitet, mir meine Fondsanteile zum Stückpreis von 42,78 EUR gegen Abtretung aller Ansprüche abzukaufen. Ich stehe jetzt vor der Frage, ob ich das Angebot mit entsprechendem Verlust annehmen soll oder ob ich durch die Fondsabwicklung mehr Kapital zurückbekomme. Mir ist klar, dass auch Sie keine prophetischen Gaben besitzen, dennoch würde ich gerne wissen wie vorteilhaft im allgemeinen die normale Fondsabwicklung für einen Anleger ist. Denn eins ist auch klar, der Depotverwalter wir profitorientierte Gründe für das abgegebene Angebot haben. Welches Vorgehen würden Sie mir auf Grund Ihrer Erfahrungen aus vergangenen ähnlichen Fällen raten?"
Stefanie Kühn: Der aktuelle Kurs, den die Fondsgesellschaft ausweist, liegt bei 43,33 Euro (Stand 2.1.12). An den Börsen wurden am 4.1. Kurse von um die 30 Euro festgestellt. Zu diesem Preis würden Sie also Ihre Anteile an diesem Tag sicher loswerden.
Das Angebot, dass Sie erhalten haben, ist offenbar das Angebot, dass die Allianz ihren Kunden unter bestimmten Voraussetzungen macht. Die Annahmefrist läuft bis 15.2.12 und die Auszahlung würde Ende Februar erfolgen.
Ihr Vorteil ist, dass Sie das Geld praktisch sofort hätten und nicht drei Jahre kleckerweise einen noch ungewissen Betrag zurückerhalten würden. Die Frage ist letztlich, ob Sie „lieber den Spatz in der Hand oder die Taube auf dem Dach" nehmen sollten.
Wenn Sie planen, rechtliche Schritte einzuleiten (Schadensersatzansprüche), dann dürfen Sie das Angebot nicht annehmen. Mit diesem Angebot verhindert der, der den Aufkauf anbietet, potentiellen Ärger. Ich vermute also nicht, dass hier profitorientierte Gründe im Vordergrund stehen, sondern Schadensbegrenzung aus Sicht des Aufkäufers betrieben wird. Das ist nicht verwerflich und letztlich könnten Sie mit der Annahme Ihren Schaden auf rund 20% (ohne Berücksichtigung evt. Ausschüttungen) begrenzen und das Kapitel „Degi International" abschließen.
Wenn Sie rechtliche Schritte sowieso nicht in Erwägung ziehen oder diese bereits geprüft haben, dann erscheint mir das Angebot in Anbetracht der Lage in Ordnung zu sein. Degi müsste ja wirklich die derzeitigen Buchwerte bei den Verkäufen erzielen, um den heutigen Kurs zurückzuzahlen. Dass die Fondsgesellschaft deutlich mehr erzielt ist möglich, mir persönlich erscheint jedoch die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Sie am Ende ungefähr den derzeitigen Buchwert erzielen werden. Insofern erscheint mir der Ihnen angebotene Wert einigermaßen fair.
07.01.2012
Karl H.:"Ich habe 1995 für ein Mietobjekt (Vierfamilienhaus) zur Finanzierung zwei Kapitallebensversicherungen auf meine beiden Kindern abgeschlossen.Die Beratungsgespräche wurden von mir mit der Sparkasse geführt.Die Versicherung wurde auch über die Sparkasse abgeschlossen. Bei dem Beratungsgespräch wollte ich eine schnellstmögliche Rückzahlung des Darlehens erreichen.Dabei empfahl mir die Beraterin der Sparkasse zu dieser Finanzierungsart.Auf meine Nachfrage ob der Auszahlungsbetrag sicher ist wurde mir gesagt ,daß kleinere
Schwankungen des Zinses möglich seien.Die Lebensversicherungen wurden gleich an die Sparkasse als Sicherheit abgetreten.
Das Darlehen belief sich auf 800.000,00 DM .Die beiden Lebensversicherungen a, 400.000,00 DM wurden mit Verzinsung und Überschussanteile errechnet.Zur Auszahlung kommen jetzt lediglich zweimal 156 000,00 €. Es fehlt also ein Betrag von 90 000,00 € den ich erneut über ein Darlehen finanzieren muß! Meine Frage? Ist das rechtlich in Ordnung,oder was kann ich tun?"
Stefanie Kühn: Eine rechtliche Beratung kann und darf ich Ihnen nicht geben.
Bei vermieteten Objekten war der Einsatz von Kapitallebensversicherungen gekoppelt mit endfälligen Darlehen durchaus üblich. Eine schnellstmögliche Tilgung konnte damit damals wie heute nicht erreicht werden – dazu wäre ein Annuitätendarlehen mit Sondertilgungsmöglichkeiten besser geeignet gewesen. Trotzdem war die gewählte Finanzierungs- und Tilgungsart gerade bei den damals noch bestehenden steuerlichen Vorteilen nicht unsinnig. 1995 war das Ertragsniveau bei Lebensversicherungen deutlich höher als heute, wenn man Versicherungen betrachtet, die um diesen Zeitpunkt zur Auszahlung kamen.
Besser wäre es natürlich gewesen, die garantierte Summe auf das Darlehen abzustimmen. Sie haben damals aber ja offensichtlich die Gefahr einer verringerten Auszahlung diskutiert und hätten die garantierten Summen absichern können. Dass sich die Lage an den Märkten und damit die Ertragsaussichten von Lebensv soweit verändert, war 1995 sicherlich nicht absehbar.
Die verringerte Leistung müsste Ihnen ja bereits seit mehreren Jahren in den jährlichen Anschreiben mitgeteilt worden sein und Sie hätten Maßnahmen treffen können (falls es Ihnen finanziell möglich gewesen wäre). Die 90.000 Euro sind derzeit sehr günstig weiterzufinanzieren, da die derzeitigen Zinsen noch extrem niedrig sind.
Familie R.: "Um die vermögenswirksamen Leistungen (40 Euro) anzulegen, hatte meine Hausbank folgende Papiere empfohlen: Fondsbezeichnung: DekaStruktur: 4 Chance Plus, Verwahrart: GiroSammel, VL Vertrag: gesperrt bis zum 31.12.2012. Ich bin dem Ratschlag gefolgt, was mir aber nicht gesagt wurde, war, wie hoch die Gebühren sind in Bezug auf den geringen Einsatz. Es ist empfohlen worden, von meiner Seite noch nach meinen Möglichkeiten hinzu zu zahlen. Dies ist für mich jedoch frühestens ab 01.06.2010 möglich.Da könnte ich ca. bis zu 150,00 €/monatlich für Rücklage / Einsatz realisieren.
Soll ich alles so lassen wie es ist und die Anlage zum 31.12.2012 auflösen oder eventuell verlängern? Soll ich ab Juni noch mehr dazuzahlen? Halten Sie die Anlage aktuell für empfehlenswert oder gibt es eine andere Möglichkeit?"
Der DekaStruktur 4 Chance Plus Fonds ist ein Dachfonds. Damit hat er zwei Gebührenebenen. Die Dach-Ebene hat eine ausgewiesene Total Expense Ration von 1,38%, die einzelnen Fonds, die der Dachfonds hält, haben ebenfalls Gebühren. Die Gebühren der einzelnen Fonds (über 95% Aktienfonds) liegen bei 1% und 1,5%, so dass die laufenden Kosten bei mindestens 2,38% (1,38% + 1%) liegen. Dazu zahlen Sie vermutlich bei jedem Kauf die vollen 2% Ausgabeaufschlag und vermutlich eine Jahresgebühr für das Depot (10 - 15 Euro pro Jahr). Die Gebühren sind bis auf die Depotbankgebühr also prozentual.
Ich halte Dachfonds auf Grund der zwei Gebührenebenen grundsätzlich für ungeeignet. Mit einem guten weltweit anlegenden Aktienfonds hätten Sie a) eine bessere Rendite erzielt und b) bei Kauf über einen Fondsdiscounter den Ausgabeaufschlag eingespart.
Sie könnten das bislang Gesparte ruhen lassen und zukünftig Ihre VL-Leistungen bei einem Anbieter ohne Ausgabeaufschlag investieren. Ob Sie den Fonds 2012 behalten, können Sie erst dann unter den dann aktuellen Marktgegebenheiten entscheiden.
Wenn Sie mehr sparen wollen, empfehle ich Ihnen, dass nicht mit dem VL-Depot zu vermischen, sondern bei einer Direktbank ein Depot zu eröffnen. Dort haben Sie dann die Wahl zwischen Fondssparen (es gibt viele gute Fonds ohne Ausgabeaufschlag), Tagesgeld und – wenn dort einiges zusammengespart ist - Festgeld. Eine Aufteilung der Sparrate in verschiedene Anlageklassen wäre sicherlich sinnvoll.
